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Radioaktiv verseuchte Sportanlagen? Das Aktionsbündnis "Querstellen" warnt auf dem Elvis-Presley-Platz vor einer Verharmlosung des Reaktorunfalls von Fukushima. FOTO :PV

Gegen "Fukushima-Olympiade"

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Friedberg(pm). Rechter Terror in Deutschland, Krieg in Syrien, Menschenrechtsverletzungen an Europas Grenzen, der rasante Klimawandel und natürlich auch das Coronavirus - diese Themen beherrschen aktuell die öffentliche Diskussion und lassen das Thema Atomkraft in der Aufmerksamkeit nach unten rutschen.

Das Aktionsbündnis "Querstellen" erinnerte deshalb am Samstag mit einer Mahnwache an die Reaktorkatstrophe in Japan vor neun Jahren, wo 2020 die Olympischen Spiele stattfinden sollen. Sprecher Hans-Dieter Wagner sagte, die japanische Regierung versuche die Olympiade zu nutzen, um der Welt - im wahrsten Sinne des Wortes - vorzuspielen, dass sie die Atomkatastrophe unter Kontrolle habe.

Aus diesem Grund sei geplant, das olympische Feuer drei Tage lang durch die Präfektur Fukushima zu tragen, auch durch radioaktiv kontaminierte Gebiete und am havarierten Kraftwerk vorbei. Zusätzlich sollen bereits zwei Tage vor der großen Eröffnungsfeier demonstrativ in Fukushima-Stadt die ersten Wettkämpfe durchgeführt werden.

"Das ist eine gezielte Verharmlosung der Atomkatastrophe und ihrer noch immer anhaltenden Folgen. Damit wird auch die evakuierte Bevölkerung unter Druck gesetzt, in ›dekontaminierte‹ Orte zurückzukehren", sagt Wagner.

Mit einer Unterschriftenaktion fordert der Internationale Zusammenschluss von Ärzten zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) gemeinsam mit vielen anderen Organisationen dazu auf, den Fackellauf durch kontaminierte Gebiete um das Atomkraftwerk und die Wettkämpfe in Fukushima-Stadt abzusagen.

"Querstellen" verwies auch darauf, dass nach neun Jahren Pause ab sofort wieder Castoren mit radioaktivem Müll von Sellafield und La Hague in Zwischenlager nach Deutschland gebracht werden. Den Auftakt macht ein Transport von sechs Castoren ins nahe Biblis, der möglicherweise noch im März stattfinden soll.

Weitere Themen: Castoren und FDP

"Querstellen" kritisiert, die meisten Zwischenlager seien nur unzureichend gegen Flugzeugabstürze oder Terroranschläge gesichert. Außerdem verfüge Biblis nicht über eine "Heiße Zelle", in der gegebenenfalls undichte Castoren repariert werden könnten. Der BUND-Hessen klage deshalb auch gegen die Einlagerung der Castoren in Biblis.

"Querstellen" forderte auf, sich an den Protesten gegen die Castor-Transporte zu beteiligen und am "Tag X", das heißt am Tag des Transports, zu den in Biblis stattfindenden Mahnwachen zu kommen. Nähere Informationen unter www.castor-stoppen.de oder www.querstellen-friedberg.de.

Intensiv diskutiert wurde unter den Gästen ebenfalls der mögliche Windpark auf dem Winterstein, der von "Querstellen" bereits 2014 gefordert und intensiv unterstützt wurde. Große Empörung löste die am Tag zuvor erschienene Pressemitteilung der FDP-Friedberg aus.

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