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Gefängnisstrafe für Ausraster an der Tankstelle

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Friedberg (lk). Eine Zurechtweisung brachte Kemal B. (Name geändert, die Red.) zum Ausflippen: Mehrfach trat und schlug der 28-Jährige zu. Gestern wurde der Wetzlarer von Richter Dr. Markus Bange der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen und muss nun für ein Jahr hinter Gitter.

Im November vergangenen Jahres hatte B. auf dem Gelände der Friedberger Shell-Tankstelle einen 43-jährigen Kraftfahrer verprügelt. Der Grund: Der Kraftfahrer hatte B. - der während eines Tankvorgangs bei offener Wagentür rauchend auf der Beifahrerseite seines Autos saß - die Tür vor der Nase zugeschlagen, um ihn so auf sein Fehlverhalten hinzuweisen. Das passte dem zum Tatzeitpunkt angetrunkenen 28-Jährigen mit der türkischen Staatsangehörigkeit gar nicht: Er stieg aus, schlug und trat mehrfach auf den Kraftfahrer ein. Dieser zog sich Schürf- und Platzwunden sowie Prellungen und Blutergüsse zu.

»Ich war besoffen, erinnere mich nicht genau«, sagte der Angeklagte während der gestrigen Verhandlung.

Am Abend des Vorfalls sei er mit einem Arbeitskollegen unterwegs gewesen. Weil er getrunken habe, sei der Kumpel gefahren. Als der den Wagen betankt habe, sei plötzlich die Tür vor seiner Nase zugeschlagen worden. »Ich hab’ mich erschrocken.« Er sei ausgestiegen, um den 43-Jährigen zur Rede zu stellen, doch dieser habe sich plötzlich umgedreht und »so eine Bewegung gemacht. Ich dachte, er will mir eine reinhauen«, erinnerte sich der Angeklagte. »Dann ist es passiert«, sagte B.

, der zugab, den Kraftfahrer zwar geschlagen, nicht jedoch getreten zu haben. »Wenn er mir gesagt hätte, dass ich da nicht rauchen darf, hätte ich die Zigarette ausgemacht«, behauptete der 28-jährige Gastronom.

Das Opfer des Vorfalls bestätigte seine polizeiliche Aussage, gab an, geschlagen und getreten worden zu sein. Kameraaufnahmen der Tankstelle bekräftigten diese Behauptung.

Der Arbeitskollege des Angeklagten wollte hingegen keine Tritte gesehen haben. Zwei bis vier Ohrfeigen habe B. dem 43-Jährigen verpasst, mehr nicht.

Daniela Trendelberend, Vertreterin der Staatsanwaltschaft, wollte Kemal B. für zwölf Monate im Gefängnis sehen. Die Strafe solle nicht zur Bewährung ausgesetzt werden, da der Angeklagte schon mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten sei. Pflichtverteidigerin Melanie Ketter plädierte hingegen für eine milde Strafe.

Richter Bange schloss sich in seinem Urteil der Staatsanwaltschaft an und wandte sich abschließend an den Angeklagten: »Sie dürfen keine Selbstjustiz übernehmen.«

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