+

Vom Geben und Nehmen

  • vonHarald Schuchardt
    schließen

Friedberg (har). »Die Sterntaler« ist eines der bekanntesten Märchen der Brüder Grimm. Ein armes Waisenkind, das sein letztes Hab und Gut verschenkt, wird für diese guten Taten mit Silbertalern belohnt, die vom Himmel fallen. Das Frankfurter Galli-Theater hat das Märchen in die Jetztzeit adaptiert und daraus ein 45-minütiges Theaterstück gemacht, bei dem die zuschauenden Kinder in die Handlung miteinbezogen werden. Das war auch am Sonntagnachmittag im Rathauspark der Fall.

Hier gastierten Jenny Seewald und Karola Diestel im Rahmen der Reihe »Sommer im Rathauspark« auf der großen Bühne. Es dauerte nicht lange, da machten die Kinder begeistert mit. Zunächst wurde diskutiert und abgestimmt, ob Geben oder Nehmen besser sei. Die Mehrheit entschied sich für beide Möglichkeiten, doch das junge Mädchen, das von seinen Eltern in die Welt geschickt worden war, entschied sich fürs Geben, da sie sich an den Rat ihres Vaters nicht mehr so recht erinnern konnte.

Gleich sieben unterschiedliche Figuren - hervorragend gespielt von Karola Diestel - begegneten dem Mädchen. Ob ein »Star« im schwarzen Anzug, eine tanzende Frau oder ein verbitterter alter Mann - alle jammerten, dass ihnen etwas fehle. So erhält eine müde ältere Frau die Stola des Mädchens. Nach und nach verschenkt das Kind ihren »Eipott«, ihr Handy und zuletzt noch alles, was sie sonst noch bei sich trägt. Nur ein weißes Unterkleid bleibt dem Mädchen, das sich fragt, ob es alles richtig gemacht hat.

Was im Leben wirklich zählt

Anstelle des Sterntaler-Regens, wie im Original der Brüder Grimm, wird das Geben anders belohnt. Zunächst findet das Mädchen eine Clownsnase, trifft dann einen Clown, der ihr Freund wird, und erkennt, was im Leben wirklich zählt: ein guter Freund.

Viel Beifall gab es nach dem Finale für die beiden Schauspielerinnen, die zuvor immer wieder blitzschnell auf spontane Ideen der Kinder eingegangen waren. So sang ein Mädchen ein ABC-Lied ganz allein vor, und das unverwüstliche »Alle meine Entchen« wurde lautstark von Kindern samt Eltern intoniert.

In der abwechslungsreichen Inszenierung mit viel Musik wurden kindgerecht aktuelle Ereignisse angesprochen, vom Corona-Bauch bis zum Homeoffice. Für Jenny Seewald und Karola Diestel war es der erste Auftritt nach vier Monaten Pause. Die beiden freuten sich sehr, dass Veranstalter Harry Thyssen ihnen diese Möglichkeit gegeben hatte. »Ich wollte unbedingt zwei Kinderveranstaltungen machen«, sagte Thyssen in seiner Begrüßung.

Fortgesetzt wird »Sommer im Rathauspark« am kommenden Samstag, 1. August, um 19.30 Uhr mit dem Kabarettisten Dietrich Faber. Am Sonntag, 2. August, ab 15 Uhr, lädt Kinderliedermacher Martin Pfeiffer zum Singen ein. Am Samstag, 15. August, spielen ab 19.30 Uhr die »Old Beer Devilz«, eine Veranstaltung mit dem Oldies-Club Wetterau.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare