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Wie leergefegt: Am Friedberger Bahnhof stehen morgens zur Pendler-Stoßzeit normalerweise Hunderte am Gleis, um zur Arbeit zu fahren. Während des 48-stündigen bundesweiten GDL-Streiks entscheiden sich viele gegen die Bahn und für das Auto.

Streik der Lokführer

Lokführer-Streik: So sehr ist die Wetterau betroffen - Änderungen bei mehreren Verbindungen

  • VonLarissa Wolf
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Welcher Zug kommt, welcher nicht? Das fragen sich aktuell viele Reisende, denn die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer streikt. Welche Auswirkungen hat das auf Züge in der Wetterau?

Mittwochmorgen, 6 Uhr, die Sonne geht gerade auf. Am Friedberger Bahnhof laufen die Menschen schnellen Schrittes zum Gleis. Die Hessische Landesbahn nach Frankfurt dürfen sie nicht verpassen, denn: Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) streikt, und der Regionalexpress der Deutschen Bahn kommt nur mit viel Verspätung - wenn überhaupt.

Schon zu dieser frühen Stunde tönen ständig Durchsagen zu Ausfällen und Verspätungen aus den Lautsprechern, an den Anzeigetafeln steht jedoch noch keine Hinweis auf den Streik - obwohl der schon in vollem Gange ist.

48 Stunden soll er gehen, der Streik der GDL. Bis Freitag um 2 Uhr müssen Reisende deshalb mit massiven Einschränkungen rechnen. Das betrifft sowohl den Regional- als auch den Fernverkehr. Wegen der Sommerferien und der Urlaubszeit entfällt eine große Anzahl an Schülern als Fahrgäste, trotzdem sind weiterhin viele auf den Öffentlichen Personennahverkehr angewiesen, um zur Arbeit zu kommen.

GDL-Streik: Alternativen HLB und Busse

»Es ist mit sehr viel Stress verbunden«, sagt ein Passagier, der gerade auf die HLB nach Frankfurt wartet. »Ich fahre heute früher als sonst, weil ich Angst hatte, dass alle Züge außer der HLB ausfallen. Leider weiß man das nicht immer rechtzeitig vorher.« Ohne Auto sei so ein Streik immer heikel. Die plötzliche Ankündigung mit ebenso plötzlicher Durchführung mache es Reisenden aber zusätzlich schwer, rechtzeitig nach Alternativen zu suchen. »Ich habe zwar Verständnis für den Streik, aber es ist einfach ärgerlich. Das werden zwei sehr lange Tage«, sagt der 36-Jährige, der täglich zwischen Friedberg und Frankfurt pendelt.

Laut Deutscher Bahn kann es zu Verspätungen sowie kurzfristigen Ausfällen und Teilausfällen kommen - die Züge verkehren nach einem Ersatzfahrplan, der in der App »DB-Navigator« abgerufen werden kann. Die DB empfiehlt deshalb, vor Fahrtantritt die Reiseverbindung in der App oder im Netz zu prüfen. Das hat auch eine 18-jährige Schülerin getan, die ihre Familie im Norden Deutschlands besuchen möchte. »Ich weiß noch nicht, ob es heute klappt. Meine ursprüngliche Verbindung mit dem ICE wurde gestrichen«, sagt sie. »Vielleicht muss ich meinen Besuch auf nächste Woche verschieben.« Fahrgästen im Fernverkehr, die ihre Reise verschieben möchten, bietet die DB an, ihr Ticket bis zum 20. August flexibel einzusetzen oder kostenfrei zu stornieren. »Es ist zwar sehr schade, aber auch kein Weltuntergang«, sagt die Schülerin.

Nicht alle haben für die Streiksituation so viel Verständnis. »Das ist eine Frechheit, das während der Pandemie zu machen«, sagt ein älterer Fahrgast sichtlich verärgert. »Wir machen alles, damit die Inzidenzzahlen unten bleiben. Und dann wird gestreikt, so dass die Züge voll bis oben hin sind. Wie sollen wir Corona so jemals in den Griff bekommen?«

Da der Streik ausschließlich die Züge der Deutschen Bahn betrifft, können Züge anderer Verkehrsunternehmen genutzt werden, die auf denselben oder alternativen Strecken verkehren. So ist beispielsweise der RE98/RE99 der Hessischen Landesbahn eine Alternative für die Strecke Gießen - Frankfurt Hauptbahnhof. Auch Busverbindungen sollten laut DB in die Reiseplanung miteinbezogen werden.

GDL-Streik: Diese Linien sind in der Wetterau betroffen

Folgende für Wetterauer Fahrgäste relevante Linien sind von dem GDL-Streik betroffen:

RE30 zwischen Frankfurt Hbf und Kassel Hbf: Die Züge verkehren im Zwei-Stunden-Takt.

RB34 zwischen Frankfurt Hbf und Glauburg-Stockheim über Bad Vilbel: Die Züge verkehren stündlich nur zwischen Bad Vilbel und Glauburg-Stockheim. Zwischen Bad Vilbel und Frankfurt Hbf ist ein Schienenersatzverkehr eingerichtet worden.

RB40/RB41 zwischen Frankfurt (Main) Hbf und Dillenburg/Treysa: RB40 verkehrt nur zwischen Gießen und Dillenburg. Zur Fahrt nach Gießen kann der RB41 genutzt werden.

RB48 zwischen Frankfurt(Main)Hbf und Nidda über Friedberg: Alle Züge dieser Linie entfallen während des Streiks.

RB49 zwischen Gießen und Hanau: Während des GDL-Streiks verkehrt diese Linie nur zwischen den Bahnhöfen Friedberg und Hanau im Zwei-Stunden-Takt. Für die Strecke zwischen Gießen und Friedberg können Bahnreisende die Linien RB30, RB41 und RE98/RE99 nutzen.

S6 zwischen Frankfurt (West) und Friedberg verkehrt nur stündlich.

GDL-Streik: Hier gibt’s Infos zur Abfahrt

Die DB empfiehlt, während des Streiks die Reiseverbindung vor Fahrtantritt in der Smartphone-App »DB Navigator« oder online bei www.bahn.de/reiseauskunft zu prüfen. Für Reisende wurde außerdem eine kostenlose Hotline unter der Nummer 0 80 00/99 66 33 eingerichtet. Infos zur aktuellen Betriebslage gibt’s unter www.bahn.de/aktuell.

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