Im "Dorheimer Hof" von Anja und Stefan Waldherr läuft das Bier wieder aus dem Zapfhahn. FOTOS: LONI SCHUCHARDT
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Im "Dorheimer Hof" von Anja und Stefan Waldherr läuft das Bier wieder aus dem Zapfhahn. FOTOS: LONI SCHUCHARDT

Corona-Krise

Gastronomen in Friedberg: Guten Mutes durch die Krise

  • vonHarald Schuchardt
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Gastwirte sind von den Auswirkungen der Pandemie besonders hart getroffen. Wie haben Friedberger Gastronomen bisher die Krise weggesteckt? Und wie wollen sie die Krise weiterhin meistern?

Während so mancher Gastronom ums Überleben kämpft, sind Marc und Nicole Überall einen anderen Weg gegangen. Das Ehepaar hat am 1. August das Friedberger "Brauhaus" wiedereröffnet. "Ich wollte das unbedingt machen", sagt die gebürtige Friedbergerin. Eigentlich wollten die Überalls das Gasthaus bereits am 30. April offiziell eröffnen. Doch dann kam Corona - trotzdem blieb es bei dem Entschluss, in die Gastronomie zu gehen. Nun zieht das Ehepaar ein erstes positives Zwischenfazit: "Es läuft besser als von uns erwartet", sagt Nicole Überall.

Vor allem der gemütliche Außenbereich kommt bei den Gästen sehr gut an. "Wir sind über den Beschluss, die Außenbewirtschaftung im Winter zuzulassen, sehr glücklich", freut sich Marc Überall. "Vielleicht installieren wir Elektro-Strahler, Decken wird es geben, und wir werden weihnachtlich dekorieren", kündigen die Neupächter an. Auch Glühwein und heißen Caipi soll es als "Weihnachtsmarkt-Ersatz" geben. "Wir sind auf einem guten Weg", sagt Nicole Überall.

Auf solch einen "guten Weg" setzen auch Anja und Stefan Waldherr, die in dritter Generation den "Dorheimer Hof" mit 30 Betten in 17 Hotelzimmern sowie die Gaststätte am Dorheimer Bahnhof führen. "Wir hoffen, dass ab 1. März alles weitgehend normal läuft", sagt Stefan Waldherr. Für die fünf Angestellten hat er bis Ende Februar Kurzarbeit beantragt. Er hofft, dass es danach wirtschaftlich bergauf geht.

In April und Mai 80 Prozent Verlust

Schon vor der Corona-Krise musste Waldherr mit dem Tod seines langjährigen Kochs einen Rückschlag verkraften.Derzeit kocht Waldherr selbst, ein neuer Koch ist gefunden, doch "ich kann ihn jetzt nicht anstellen und gleich in Kurzarbeit schicken".

"Wir haben das Glück, dass wir keine Pacht zahlen müssen", sagt Anja Waldherr, die im Lockdown mit ihren drei Kindern Anna, Serafin und Sebastian Homeschooling gemacht hat. "Wir hatten ja genügend Zeit." Ehemann Stefan nutzte die Zwangspause für Renovierungsarbeiten.

Den Verlust im April und im Mai beziffert Waldherr mit 80 Prozent, inzwischen hat der Umsatz gut die Hälfte des Vorjahres erreicht. Dem Ehepaar fehlen Geschäftsreisende und Messebesucher - und die vielen Familien- und Firmenfeiern. Andererseits kommen inzwischen viele Stammgäste wieder. "Es läuft noch nicht richtig rund, und das wird wohl länger noch so sein," sagt Stefan Waldherr, der aber die staatliche Unterstützung lobt. "Das klappte prima, auch die Kontakte mit dem Kreisgesundheitsamt." Angst haben die Inhaber nur vor einem Szenario: "Es wäre schlimm, wenn wir wegen einer Infektion in Quarantäne müssten." Für die Zukunft setzt das Ehepaar auf seine Stammkundschaft.

Viel mehr "to go"- Verkauf

Das ist bei Nino und Sara Madaffari nicht anders. Seit 14 Jahren betreibt das Ehepaar das Café "Da Nino" auf der Friedberger Kaiserstraße. Ninos Sohn Francesco ist mit im Boot. "Es war nicht einfach, doch vor unseren Stammkunden haben wir Respekt. Die haben uns unterstützt und sind alle nach der Schließung wiedergekommen", freut sich Sara Madaffari. "Wir verkaufen jetzt viel mehr ›to go‹ als vor Corona", sagt Ehemann Nino. Das Ehepaar will den großen Außenbereich so lange auflassen, wie es das Wetter zulässt. Beide schauen recht positiv in die Zukunft. Doch vor einer Sache haben sie Angst: "Noch einmal sechs Wochen schließen, das wäre für alle Gastronomen eine Katastrophe."

Das sieht Viola Margarone genauso. Seit 2009 ist sie Pächterin des "Reggio" an der Ecke Bismarckstraße/Haagstraße/Färbergasse. "Es war eine schlimme Zeit, doch unsere Kunden haben uns unterstützt. Der Lieferservice lief und läuft weiter gut." Doch auch im "Reggio" fehlen die Familien- und Firmenfeiern. Margarone wird von Ehemann Daniele, Schwester Monica Pisu und Nichte Maria Salerno unterstützt. Die Inhaberin hat gute Erfahrungen mit den Behörden gemacht: "Das Ordnungsamt hat alle meine Fragen beantwortet und mich unterstützt", sagt sie. Margarone hofft, dass die Gästezahl weiter ansteigt, denn eines ist ihr klar: "Wenn es so weitergeht, muss nicht nur ich irgendwann zumachen, das trifft die meisten Gastronomen."

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