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Gastro-Flair auf der Kaiserstraße oder mehr Parkplätze?

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Von: Jürgen Wagner

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Der Schafstall steht leer, die Außenbewirtschaftungssaison ist vorbei. Aber könnte sie nicht verlängert werden? Wodurch freilich Parkplätze auf der Einkaufsstraße wegfallen. Wie es weitergeht, soll in den Ausschüssen diskutiert werden. © Nicole Merz

Bis 15. Oktober darf die Außenbewirtschaftung auf der Friedberger Kaiserstraße genutzt werden, so hatte es das Stadtparlament beschlossen. Das könnte sich freilich ändern.

Schafställe (und nicht »Hasenställe«, wie im Linken-Antrag) werden die hölzernen Einfriedungen genannt, dank derer die Wirte auf der Kaiserstraße Gäste auch im Freien bedienen können. Die Linke forderte im Stadtparlament, die Außengastronomie solle ab nächstem Jahr von März bis einschließlich Oktober erlaubt sein. Durch die Klimakatastrophe werde es in den Städten zunehmend wärmer, eine Verlängerung der Saison sei daher geboten.

Erste Stadträtin und Ordnungsdezernentin Marion Götz (SPD) wies auf die laufende Praxis hin: Die Schafställe würden bis Ende Oktober geduldet. Danach aber müssen sie abgebaut sein. So handhabe man dies seit Jahren. Die Stadt zeige sich kulant gegenüber den Wirten, wenn sich der Abbau über den 15. Oktober hinaus verzögere.

Auch die UWG hatte einen Antrag zur Außenbewirtschaftung vorgelegt. Friedrich Wilhelm Durchdewald erinnerte daran, dass es in anderen Städten keine Einschränkung gebe. Auch in Friedberg könne man die Außenbewirtschaftung im Herbst weiterlaufen lassen. Der UWG-Antrag sieht folglich eine »ganzjährige Nutzung unter Beachtung einer geänderten Gebührensatzung« vor. Wichtiger Zusatz: »Die Aufstellung und Nutzung von Elektroheizungen und Heizpilzen zu diesem Zweck werden ausgeschlossen.« Angesichts der Energiekrise sei das ratsam, sagte Durchdewald.

Ordnungsdezernentin Götz hatte vor der Sitzung im Archiv gewühlt. Und sie wurde fündig: Im Februar 1992 beschloss die Stadtverordnetenversammlung für das Aufstellen der Schafställe eine Frist vom 1. April bis 15. Oktober. »Das können Sie ändern«, sagte Götz zum Plenum. »Dazu genügt ein einfacher Stadtverordnetenbeschluss.«

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Markus Fenske schlug sich auf die Seite des UWG-Antrags und wollte die Sache »am liebsten gleich auf den Weg bringen«. Die Verwaltung könne in der Zwischenzeit die Gebührensatzung überarbeiten und Zahlen vorlegen. Für die Grünen steht fest: »Ein ansprechendes Gastronomie-Angebot ist wichtiger als Parkplätze.«

Finanzielle Einbuße für die Stadt

Stichwort Gebührensatzung: Die Stadt verliert durch die Schafställe Einnahmen von Parkgebühren. Bei 15 Schafställen fallen 30 Parkplätze weg. Würde die Außenbewirtschaftung über den Winter geführt, müsste die Stadt für Ende Oktober bis Ende März auf rund 60 000 Euro verzichten. Die Sondernutzungsgebühr der Schafställe (zuletzt wegen Corona nicht erhoben) bringt nur 2900 Euro ein. Götz: »Wir verlieren dadurch Geld. Das ist eine Abwägungsfrage, die Sie zu entscheiden haben.«

Aber nicht am Donnerstagabend auf die Schnelle hin. Mark Bansemer (SPD) wollte, das zuvor mit den Gastronomen gesprochen wird: Was sagen die? Sind die Schafställe in der kalten Jahreszeit ausgelastet? An manchen Tagen, so Bansemer, sitze da mitunter kein einziger Gast.

So einigten sich die Stadtverordneten am Ende darauf, die Sache im Ausschuss für Wirtschaft, Energie und Verkehr sowie im Haupt- und Finanzausschuss zu beraten.

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