Initiator Friedrich Wilhelm Durchdewald (l.) und Bürgermeister Dirk Antkowiak stellen den Gabenzaun vor: Am Zaun des Stadtbauamtes in der Großen Klostergasse hängen Tüten und Taschen mit Lebensmitteln und anderen Dingen.		FOTOS: NICI MERZ
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Initiator Friedrich Wilhelm Durchdewald (l.) und Bürgermeister Dirk Antkowiak stellen den Gabenzaun vor: Am Zaun des Stadtbauamtes in der Großen Klostergasse hängen Tüten und Taschen mit Lebensmitteln und anderen Dingen. FOTOS: NICI MERZ

Hilfsaktion für Bedürftige

Gabenzaun eröffnet: Eine Art Open Air-Tafel

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Tafel- und Umsonstläden sind zu, doch es gibt Ersatz: Friedrich Wilhelm Durchdewald hat am Mittwoch mit Friedbergs Bürgermeister Dirk Antkowiak in der Altstadt den »Gabenzaun« eröffnet.

Viele Hilfseinrichtungen für Obdachlose und Bedürftige sind geschlossen. »Was kann man machen?« Das fragte sich der Friedberger UWG-Vorsitzende Friedrich Wilhelm Durchdewald und hatte, da er die Nachrichten verfolgt, sogleich eine Antwort: »Wir richten einen Gabenzaun ein.«

2017 wurde in Hamburg ein Zaun zum »Gabenzaun« für Obdachlose und andere bedürftige Menschen erklärt. Ursprünglich war der Zaun errichtet worden, um Obdachlose daran zu hindern auf einer Mauer zu sitzen. Doch er wurde zur Einladung für Menschen, die nicht viel zum Leben haben. Wer diese Menschen unterstützen will, hängt eine Tüte an den Zaun - mit Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln, gut erhaltener Kleidung oder auch Hundefutter.

Der Gabenzaun ist eine Art »Umsonstladen to go« oder auch eine Open Air-Tafel. Freilich ohne Personal, aber ebenso privat organisiert. Neue oder gebrauchte Gegenstände werden zur kostenlosen Mitnahme bereitgestellt, ebenso haltbare Lebensmittel und frisches Obst. Im Rahmen der Corona-Pandemie 2020 wurde diese Idee allerorten aufgegriffen. In Hannover, Heidelberg, Hanau und vielen anderen Städten gibt es Gabenzäune.

Durchdewald holte sich eine Genehmigung beim Bürgermeister, um den Zaun am Stadtbauamt nutzen zu dürfen: »Das ist ein zentraler Ort in der Altstadt.« Tafelladen, Karl-Wagner-Haus und Stadtkirche liegen in der Nähe. »Das ist eine von den Ideen, die wir sofort umsetzen«, freute sich Rathauschef Dirk Antkowiak: »Ich unterstütze das voll und ganz.« In Zeiten des Coronavirus müssten alle zusammenstehen.

Gabenzaun Wetterau: Nudeln, Eierravioli, Kleidung und frisches Obst

Der Zaun füllte sich am Mittwochnachmittag schnell mit Tüten. Durchdewald hatte per Facebook über die Aktion informiert, ein knappes Dutzend Friedberger kam. Nudeln, Mars-Riegel, eine Dose Eierravioli und weitere Konserven steckten in den Tüten, außerdem Jacken, Hosen, Pullover und ein »T-Shirt Größe L«. »Das spricht sich herum«, war sich die SPD-Stadtverordnete Evelyn Weiß, die selbst eine Tüte voller Lebensmittel mitgebracht hatte, sicher. Durchdewald: »Ich werde den Leuten am Konrad-Adenauer-Platz Bescheid sagen.« Wer sich dort trifft, hat eher weniger bis gar keine Facebook-Freunde.

»Uns geht’s gut, aber anderen nicht. Deshalb wollen wir diesen Menschen helfen«, begründete Lydia Durchdewald das Engagement. Es geht um Nächstenliebe, um Empathie und einfach darum, in einer gefährlichen Krise unsere Mitmenschen nicht zu vergessen.

»Meine Frau hat mich auf die Aktion aufmerksam gemacht«, sagte Norbert Becker. »Jeder hat doch viele Sachen zu Hause, die er nicht mehr braucht. Das ist sinnvoll, diese Sachen zu verschenken.« Becker breitete auf der Mauer vor dem Zaun Kleidungsstücke aus. Die Initiatoren hoffen, dass diese mitgenommen werden und nicht auf der Straße landen.

Wichtig ist den Initiatoren auch, dass die Regel eingehalten werden. Durchdewald: »In die Tüten sollte nur frisches Obst, keine abgelaufenen Lebensmittel und saubere und intakte Kleidung.«

Der Gabenzaun ist nicht die einzige neue Einrichtung für Bedürftige in Zeiten der Corona-Krise. Seit dieser Woche gibt es im Dorheimer Bürgerhaus eine Ersatz-Tafel. Bäcker- und Konditormeister Tobias Ulrich hat die Aktion »Dorheim hilft Dorheim« ins Leben gerufen.

Überzählige Brötchen und Stückchen werden ebenso kostenlos abgegeben wie Eier von »Veiths Eierpott« oder Kartoffeln von Landwirt Steffen Bernhard. Zahlreiche Dorheimer und das Friedberger Rathaus unterstützen die Aktion.

Ortsvorsteher Dr. Klaus-Dieter Rack hat über Facebook dazu aufgerufen, die Aktion per Mundpropaganda bekannt zu machen. »Schaut bitte nach Euren Nachbarn mit kleiner Rente und Sozialunterstützung.« Die Waren können von Montag bis Freitag zwischen 13 und 16 Uhr im kleinen Saal im Bürgerhaus Dorheim abgeholt werden. Rack: »Tragt Mundschutz und Handschuhe, haltet euch an die Regeln!« Bürgermeister Antkowiak weist auf eine weitere Aktion im Rahmen des Programms »Friedberg hilft« hin: Kommende Woche wird in der Stadthalle eine Ersatz-Tafel eröffnet. Von Montag bis Freitag liegen in der Zeit zwischen 10 und 14 Uhr Lebensmittel zur kontaktfreien Abholung über den Seiteneingang bereit.

Gabenzaun Wetterau: Öffnungszeiten der Ersatz-Tafeln

Die Ersatz-Tafel im Dorheimer Bürgerhaus ist montags bis freitags von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Die Ersatz-Tafel in der Stadthalle Friedberg wird am kommenden Montag eröffnet. Bedürftige können dort wochentags von 10 bis 14 Uhr kostenlose Lebensmittel abholen. Weitere Sponsoren von »Friedberg hilft« sind willkommen und erhalten Infos bei Stadthallenleiterin Nicole Schreier, Tel. 0 60 31/72 46 13 oder E-Mail: nicole.schreier@friedberg-hessen.de.

Die Ersatz-Tafel im Dorheimer Bürgerhaus ist montags bis freitags von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Die Ersatz-Tafel in der Stadthalle Friedberg wird am kommenden Montag eröffnet. Bedürftige können dort wochentags von 10 bis 14 Uhr kostenlose Lebensmittel abholen. Weitere Sponsoren von »Friedberg hilft« sind willkommen und erhalten Infos bei Stadthallenleiterin Nicole Schreier, Tel. 0 60 31/72 46 13 oder E-Mail: nicole.schreier@friedberg-hessen.de. jw

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