"Für Schicksale sensibel bleiben"

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Wetteraukreis(prw). Flucht und Vertreibung waren Themen, die Landrat Jan Weckler dieser Tage mit zwei Vertretern des Bundes der Vertriebenen erörterte: mit dem Kreisvorsitzenden Reinhard Schwarz und Stellvertreter Edmund Reinelt. Bei diesem alljährlichen Termin wird nicht nur die Unterstützung für den Kreisverband thematisiert, er ist auch eine Gelegenheit zum persönlichen Gespräch und Meinungsaustausch.

Seit Jahrtausenden litten Menschen unter Gewalt. Die Folgen seien unter anderem oft genug auch Flucht, Vertreibung und erzwungene Auswanderung, heißt es in einer Pressemitteilung dazu. Die Kette der Beispiele reiche bis in die heutige Zeit. "Das Thema Vertreibung ist heute besonders aktuell. Dass Vertreibungen in anderen Teilen der Welt stattfinden, darf uns nicht dazu verleiten, es aus den Augen zu verlieren. Es gilt, die Geschichte der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg zu bewahren und sensibel für menschliche Schicksale zu bleiben", betonte Weckler im Gespräch mit den beiden Vertretern des Bundes der Vertriebenen.

Nach dem durch Deutschland verursachten Krieg und den Gräueln des Nationalsozialismus wurden in der Folge Deutsche aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien und anderen osteuropäischen Siedlungsgebieten vertrieben.

Kinderjahre im Wohlstand

Rund 14 Millionen verloren ihre Heimat. Zu diesen gehörte auch Schwarz, der als Fünfjähriger zusammen mit seiner Mutter und zwei jüngeren Geschwistern aus seinem Heimatort Neu Titschein, tschechisch Nový Jiín, in Nord-Mähren vertrieben wurde. Der Großvater war hatte zwei Jagdreviere, die Eltern hatten zwei Geschäfte. "Ich bin mit ›goldenen Löffeln‹ aufgewachsen", erinnert er sich an die frühen Kinderjahre. Nach der Vertreibung lebte die kleine Familie in Hörnsheim, einem Ortsteil von Hüttenberg im Lahn-Dill-Kreis. "Wir haben von der Fürsorge gelebt", erzählt Schwarz.

Früh engagierte er sich beim Bund der Vertriebenen, zunächst in der Jugendorganisation, später im Kreisvorstand, den er seit mehr als zwei Jahrzehnten führt. Nach der Wende war er als Kreisvorsitzender des Bundes der Vertriebenen mit einer Delegation aus dem Wetteraukreis zu Gast im Kreis Bruntal, im Altvatergebirge. "Ich war eingeladen, im dortigen Kreistag eine Rede zu halten", erzählte er Weckler. Zu seiner Überraschung sei er ein gesuchter Gesprächspartner für die Menschen vor Ort gewesen, die mit ihm als Vertreter der zweiten Generation Erfahrungen austauschten.

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