Niemand will den "Sprengbrunnen", benannt nach dem Bildhauer Blasius Spreng, sprengen. Aber abgebaut werden soll er. Die Rohre sind irreparabel verstopft, die Figuren teils beschädigt. Ein Baum mit Bank könnte ihn ersetzen.
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Niemand will den »Sprengbrunnen«, benannt nach dem Bildhauer Blasius Spreng, sprengen. Aber abgebaut werden soll er. Die Rohre sind irreparabel verstopft, die Figuren teils beschädigt. Ein Baum mit Bank könnte ihn ersetzen.

Friedberger Altstadt

Fünf-Finger-Platz Friedberg: Brunnen kommt weg

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Schon als die Stadt Friedberg Mitte der 1980er-Jahre einen Altstadtbrunnen plante, lehnten das viele Bürger ab. Jetzt wird der »Sprengbrunnen« abgebaut. Die Figuren aber sollen überleben.

Nach den Vorstellungen des Künstlers Prof. Blasius Spreng sollte der Altstadtbrunnen ein »Denkmal für Lebensbejahung und Heiterkeit« sein. Zuletzt war er nur noch ein Abfalleimer, aber das lag nicht am Künstler. Die meisten Altstadtbewohner, man muss das so sagen, hatten kein Auge für die grazile Schönheit der Figuren und schon gar nicht für deren Symbolgehalt. Der Brunnenrand diente als Sitzgelegenheit, im Bassin lag Müll, Wasser sprudelte schon lange keines mehr, denn die Wasserpumpe ist defekt und die Rohre sind verstopft.

Was also tun mit dem nicht mehr funktionstüchtigen Brunnen? Der Ortsbeirat der Kernstadt hatte sich 2014 dafür ausgesprochen, den - nach seinem Schöpfer so benannten - »Sprengbrunnen« zu erhalten; im Gegensatz zu sieben anderen Brunnen, die aufgegeben wurden (Konrad-Adenauer-Platz, Bahnhofsvorplatz). Zuletzt gab es im Ortsbeirat verschiedene Vorschläge, wie man mit dem Brunnen umgeht: abdecken; abbauen und vor dem Technischen Rathaus wieder aufbauen; die Stele mit den Figuren an Ort und Stelle belassen und eine Bank drum herum bauen.

Fünf-Finger-Platz Friedberg: Brunnenstele: Neuer Platz gesucht

Das mit der Bank ist so eine Sache, wie Ortsvorsteher Norbert Simmer (CDU) sagte: Es gab dort schon mal eine Bank, sie wurde abgebaut, nachdem sich die Anwohner über nächtlichen Lärm beschwert hatten.

Carl Cellarius (Grüne) sagte, anstelle des Brunnens solle ein Baum gepflanzt werden, mit einer Bank drum herum. Aus gut unterrichteten Kreisen im Rathaus wusste er auch, dass der Brunnen abgebaut und im Rathauspark wieder aufgebaut werden soll. Aus vermutlich noch besser unterrichteten Kreisen im Rathaus erfuhr die WZ, nicht der komplette Brunnen solle wieder aufgebaut werden, sondern nur die Stele, und zwar vor dem neuen Technischen Rathaus. Fest steht, dass der Magistrat noch keine endgültige Entscheidung über einen neuen Standort der Brunnenstele getroffen hat.

Diese ist auf jeden Fall erhaltenswert. Der Brunnenaufsatz besteht aus einem schlanken, drei Meter hohen und dreiseitigen Pfeiler inmitten eines hellen Kunststeinbeckens mit einem Durchmesser von 3,50 Meter (angelehnt an die mittelalterliche Maßeinheit »Friedberger Rute« von 3,53 Meter). Um diesen Pfeiler gruppieren sich verschiedene Figuren, von denen einige allerdings abgerissen wurden; eine Figur ging dabei verloren. Auf der Brunnensäule tummelten sich ursprünglich Schildkröte (steht für langes Leben), Kröte (Fruchtbarkeit), Fisch (Reinheit), Rabe, Eule und Hahn (Klugheit, Weisheit, Wachsamkeit) sowie als Hauptfiguren eine Mutter mit Kind (menschliche Geborgenheit), ein Bauer (die ländliche Wetterau) und ein Lehrer, der für die Stadt der Bildung steht. Gotische Gestaltungselemente sollten, wie der Architekt Ernst Götz bei der Einweihung im Oktober 1987 sagte, eine Beziehung zur gotischen Stadt Friedberg herstellen.

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Von dem Künstler Blasius Spreng stammt auch der berühmte Mainzer Fastnachtsbrunnen, der freilich wesentlich üppiger ausgestattet ist.

Im Anschluss an die Ortsbesichtigung diskutierte der Ortsbeirat, wie es weitergehen soll. Cellarius hatte vorgeschlagen, man solle die Bewohner der Altstadt dazu befragen: »Bürgerbeteiligung ist wichtig.« Evelyn Weiß (SPD) äußerte Bedenken. Man solle also »diejenigen Bürger befragen, die den Brunnen in den jetzigen Zustand versetzt haben«? Und denen der Zustand des Brunnens folglich ziemlich egal sein dürfte?

Man dürfe nicht alle über einen Kamm scheren, erwiderte Rudi Mewes (Grüne). Es gebe auch Nachbarn, die ein Interesse an Mitsprache hätten. Es sei ein Unding, solch eine Entscheidung »im kleinen Rahmen« des Ortsbeirates zu treffen. Mewes kritisierte, dass der Ortstermin nicht publikumswirksam in der Presse angekündigt worden sei. Wie auch, wenn es im Rathaus immer noch keine eigene Pressestelle gibt? Timo Haizmann (UWG) regte »Brunnenpaten« an. Das gab es schon mal, zuletzt mit mäßigem Erfolg, wie Peter Junker (CDU) sagte.

Fünf-Finger-Platz Friedberg: Lärmproblem - Ortsbeirat sucht nach Lösungen

Altstadtbewohner Junker sprach das Lärmproblem im Viertel generell an. »Im Sommer geht das bis 3 oder 4 Uhr nachts.« Müssen Kneipen rund um die Uhr geöffnet haben? Gibt es Möglichkeiten, dies zu unterbinden? Mewes und Helge Müller (FDP) regten im Gegenzug eine Außenbewirtschaftung für anspruchsvolle Gastronomie an. Das sorge für soziale Kontrolle, werte das Viertel auf. Ortsvorsteher Norbert Simmer (CDU) will für die nächste Ortsbeiratssitzung einen Vertreter der Ordnungsbehörde einladen, um das Thema mit Fachleuten zu diskutieren.

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