1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Friedberg

Fröhliche, traurige und satirische Geschichten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Harald Schuchardt

Kommentare

koe_har_Haering_1_161121_4c_1
Freunde und Bekannte haben Dr. Friedhelm Häring immer wieder aufgefordert, seine Gedichte in Buchform zu bringen. Jetzt ist Häring mit seiner Arbeit am Laptop fertig, und das Buch »Stille Zeit« ist erschienen. © Loni Schuchardt

Friedberg (har). Noch im Sommer sprach Dr. Friedhelm Häring in einem WZ-Gespräch davon, dass er in der Vorweihnachtszeit ein kleines »Friedberger Weihnachtsbüchlein« veröffentlichen werde. Doch daraus ist viel mehr geworden.

»Stille Zeit« ist der Titel der »Publikation aus der Eremitage«, wie Häring sein Werk selbst nennt. »Eremitage bedeutet Einsiedelei, also auch Einsamkei . In den letzten Monaten ist es doch für jeden Einzelnen schon etwas einsamer geworden«, meint der Autor, der bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2012 fast 34 Jahre Direktor des Oberhessischen Museums in Gießen und dazu ab 1991 Leiter des Gießener Kulturamts war.

Die Idee, einmal ein Buch mit Weihnachtsgedichten zu veröffentlichen, kam von Freunden und Bekannten, denen Häring alljährlich Weihnachtskarten mit kleinen von ihm verfassten Gedichten schickte oder bei einem seiner mehr als 1000 deutschlandweiten Auftritte als Redner bei Ausstellungseröffnungen zum Besten gab. Häring: »Einige meinten, ich sollte die Gedichte doch mal zusammenstellen.«

So reifte der Gedanke, ein kleines Büchlein mit 26 Gedichten zu veröffentlichen - eines für jeden der 24 Adventstage sowie ein Prolog- und ein Epiloggedicht. »Es sollte ja nichts Großes werden, schon gar kein Hardcover, was es nun doch geworden ist«, sagt Häring, der neben einem halben Dutzend bereits vorhandener Gedichte, neue hinzufügte oder vorhandene abänderte.

Die Themen in den Gedichten sind vielfältig, mal traurig, mal fröhlich oder satirisch angehaucht. Selbst ein im Sommer entstandenes Corona-Gedicht findet der Leser in dem Buch - und das ist aktueller, denn je.

Ein anderes Mal setzt sich Häring durchaus kritisch mit dem auseinander, was die christlichen Kirchen aus dem Weihnachtsfest gemacht haben. »Was hat das noch mit dem Christentum zu tun?« fragt Häring, dessen christliches Fundament bei aller Kritik und Satire immer zu spüren ist.

Für den gebürtigen Westerwälder, der als Kind mit seinen Eltern nach Friedberg kam, hat sich »Gott mit der Geburt seines Sohnes sozialisiert.« Zu den Gedichten hat Häring noch die wunderschöne Weihnachtsgeschichte »Weihnachten in Ellmar« geschrieben.

Großfamilie und Plumpsklo

Darin erzählt er, wie in seiner Kindheit in seinem Geburtsort Ellmar im Westerwald Weihnachten gefeiert wurde. Häring: »Ich wollte aufschreiben, wie damals in einfachen Verhältnissen das Weihnachtsfest war.« Das ist dem bekennenden Goethe-Fan geradezu vortrefflich gelungen.

Am Ende der durchaus humorvollen Geschichte aus einer längst vergangenen Zeit mit Großfamilie und Plumpsklo, wird Häring wieder kritisch: »Dem vor 2000 Jahren geborenen Christus, Mund der Armen und Unterdrückten, galt das Familienfest. Es mutiert zur weltweit größten saisonalen Geschäftsidee.« Doch diese Kritik mündet in Hoffnung: »Geben wir dem Weihnachtsfest diesen stolzen Sinn zurück. Sicher ist das eine Utopie, aber dann hätten wir nachhaltig immer: Fröhliche Weihnachten«, schreibt Häring am Ende des »Drei-Generationen-Buchs«, in dem nicht nur für jede Generation passende Gedichte vorhanden sind.

Vielmehr haben drei Generationen einen Anteil am Entstehen des Buchs. Häring ist seit vielen Jahren mit der Friedberger Familie Dollinger befreundet. Deren Tochter Isabelle erzählte, dass sie sich schon mal mit alten Weihnachtsbräuchen in Deutschland und der ganzen Welt beschäftigt habe.

Dabei kam die Öffentlichkeitsreferentin im Hessischen Sozialministerium auf 16 Geschichten - von Weihnachtsbräuchen in Polen, Japan oder Venezuela bis hin zu den Ursprüngen des Adventskalenders, des Stollens oder des Weihnachtsbaums. »Die nehme ich alle«, beschloss Häring und »so wuchs das Buch zu etwas großem zusammen«.

Beigetragen dazu haben auch die drei Kinder des mit Häring eng befreundeten Künstlers Kilian Saueressig aus Verden. Karlotta (12), Maxima (9) und Karl (7) sind für Häring schon »kleine Künstler«, die ausgerechnet in den Sommerferien viele weihnachtliche Motive gemalt haben. »Ich dachte, dass Kinderzeichnung perfekt zu meinen Gedichten passen«, so Häring. Dem kann man nur zustimmen.

koe_har_Haering_2_161121_4c_1
koe_har_Haering_2_161121_4c_1 © Loni Schuchardt

Auch interessant

Kommentare