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Die Studie empfiehlt, die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland zugunsten der Ausstattung zu reduzieren. Das aber würde sämtliche strategischen und finanziellen Anstrengungen von Krankenhäusern, Kommunen, Ländern und Bund der letzten zehn Jahre ad absurdum führen, sagt der Geschäftsführer des Wetterauer Gesundheitszentrums.

Klinikchef irritiert

Weniger Krankenhäuser? Darum hält der GZW-Chef nichts von der Bertelsmann-Studie

Sind kleinere Kliniken wirklich in der Lage, unter allen Umständen Leben zu retten? Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zieht das in Zweifel und sorgt für Unverständnis beim Geschäftsführer des Wetterauer Gesundheitszentrums.

Können weniger Krankenhäuser wirklich mehr Leben retten? Eine im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung erstellte Studie sorgte Anfang der Woche für einen Aufschrei in den kommunalen Krankenhäusern. So schlugen die Autoren der Studie, allesamt Wissenschaftler am Berliner Institut für Gesundheit- und Sozialforschung, vor, rund die Hälfte aller Krankenhäuser in Deutschland zu schließen.

Ihre Argumentation: Nur so könnten die vorhandenen Mittel gezielter eingesetzt werden und eine höhere Qualität der Fachabteilungen gewährleistet werden. Kleinere Krankenhäuser würden hingegen häufig nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung verfügen, um lebensbedrohliche Notfälle angemessen behandeln zu können. Konkret wird in der Studie daher angeregt, die Zahl der Kliniken in Deutschland von 1400 auf knapp 600 zu senken.

In den Wetterauer Krankenhäusern lösen die Forderungen der Studie ein akutes Kopfschütteln aus: "Die Studie ist eindimensional, ignoriert die reale Situation auf dem Gesundheitsmarkt und konterkariert alle aktuellen Initiativen zur Stärkung des ländlichen Raums, die in den letzten Monaten neu vorgestellt wurden und seither diskutiert werden", moniert so auch der Geschäftsführer der Gesundheitszentrum Wetterau gGmbH (GZW), Dr. Dirk Fellermann.

Zum GZW gehören unter anderem das Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim und das Bürgerhospital in Friedberg. Fellermann sieht auch diese vergleichsweise kleineren Krankehäuser gut aufgestellt: "Auch die Krankenhäuser der mittleren Versorgungsstufe sind gehalten, sich - mit entsprechendem technischen, personellen und finanziellen Aufwand - zu spezialisieren", sagt er.

Friedberger Klinikchef: Immer mehr ambulante Eingriffe

Die Autoren der Studie beklagen, dass zu viele Menschen ins Krankenhaus kommen. Die Beschwerden von rund fünf Millionen Patienten pro Jahr könnten auch ambulant behandelt werden, so die These der Wissenschaftler. Dem entgegnet Fellermann, dass bereits seit Jahren leichtere chirurgische Eingriffe und Behandlungen zunehmend in den ambulanten Bereich verlagert werden würden.

In den Häusern des GZW in Friedberg und Bad Nauheim sei das unter anderem auf den Gebieten Psychiatrie, Geburtshilfe, Brustkrebs, Schlaganfallversorgung, Palliativmedizin, Schmerztherapie und Pneumologie bereits getan worden.

"Ziel dieser politisch gewollten Strategie war und ist, eine hochwertige, medizinisch adäquate Versorgung in der Fläche sicherzustellen", sagt Fellermann. Genau diese sichere Versorgung zieht die Studie der Bertelsmann-Stiftung jedoch in Zweifel: "Nur in ausreichend großen Kliniken könnten Facharztstellen rund um die Uhr besetzt werden. Auch Computertomografen und andere wichtige Geräte könnten dann in allen Kliniken bereitstehen. Vor allem die Qualität der Notfallversorgung und von planbaren Operationen lasse sich so verbessern. Auch der Mangel an Pflegekräften könne so gemindert werden", beschreiben die Wissenschaftler und kommen zu dem drastischen Schluss: "Viele Komplikationen und Todesfälle ließen sich durch eine Bündelung von Ärzten und Pflegepersonal sowie Geräten in weniger Krankenhäusern vermeiden."

Fellermann kann da beruhigen: "Zum Konzept gehört auch heute schon selbstverständlich die Überweisung bestimmter seltener und schwerster Erkrankungen aus der Fläche zur Behandlung in größere Zentren." Alles in allem hat Fellermann keine Sympathien für die Ergebnisse der Studie: "Die Bertelsmann-Studie zielt ab auf einen kompletten Paradigmenwechsel, der sämtliche strategischen und finanziellen Anstrengungen von Krankenhäusern, Kommunen, Ländern und Bund der letzten zehn Jahre ad absurdum führen würde."

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