Joel Auriault tritt nach 40 Jahren kürzer und wird zum Mini-Jobber im Weingeschäft, dessen Leitung ab Januar Julia Rahn innehaben wird.
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Joel Auriault tritt nach 40 Jahren kürzer und wird zum Mini-Jobber im Weingeschäft, dessen Leitung ab Januar Julia Rahn innehaben wird.

Wein-Experte Joel Auriault

Großer Umbruch bei Weinhandel »Le Vigneron Francais« in Friedberg

  • vonHarald Schuchardt
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Mit 70 kann man sich zur Ruhe setzen. Das denkt sich auch Joel Auriault. Sein Friedberger Geschäft »Le Vigneron Francais« geht in andere Hände über - und Auriault zieht sich nicht ganz zurück.

Vor gut 40 Jahren, im Mai 1980, eröffnete Joel Auriault sein Geschäft »Le Vigneron Francais«, das im Laufe der Jahre der Anlaufpunkt für Kenner und Liebhaber französischer Weine - nicht nur aus der Wetterau - wurde. In diesem Jahr ist der in Poitiers geborene Franzose 70 geworden. Grund genug für ihn, sich langsam aus seinem Geschäft zurückzuziehen. »Ich bin ab Januar Mini-Jobber und verkaufe nur noch zweimal in der Woche die Weine aus allen französischen Anbaugebieten«, sagt Auriault, der mit seiner deutschen Frau in Burgholzhausen lebt. Ab Januar übernimmt Julia Rahn das Geschäft. Seit fünf Jahren ist die Frankreich-Liebhaberin als Angestellte bei Auriault tätig. »Wir haben uns ein Jahr auf die Übergabe vorbereitet«, erklärt der Geschäftsgründer.

Die Idee, einen Laden mit einem Angebot französischer Weine zu eröffnen, kam dem »Monsieur«, wie ihn seine vielen Stammkunden gerne nennen, bei einem Besuch des Hessentages 1979 in Friedberg. »Da hat ein Händler französische Weine angeboten, allerdings viel zu teuer«, erinnert sich Auriault, der 1976 nach Deutschland gekommen war.

Als Mitarbeiter von Renault in Rosbach

Damals war der gelernte Buchhalter beim französischen Autokonzern Renault beschäftigt. Eine Woche sollte er in der deutschen Zentrale der Traktorenabteilung von Renault in Rosbach arbeiten. »Daraus sind ein paar Jahre mehr geworden«, sagt Auriault lachend. Da Renault auch »Schmalspur-Schlepper« für die Arbeiten in den Weinbergen herstellte, kannten er und seine Kollegen zahlreiche Weinanbauer, denn »alle Franzosen trinken Wein«. Auriault erinnert sich: »Durch meine Arbeit bei Renault hatte ich in Deutschland mit mehreren Banken zu tun. Die halfen mir bei der Finanzierung.«

Am 2. Mai 1980 eröffnete er seinen ersten Laden im Hinterhaus des Anwesens Kaiserstraße 163, damals noch als »Nebenjob«. Das Geschäft war nur freitagabends und an Samstagen geöffnet. Bei den Weinliebhabern sprach sich das Angebot an französischen Weinen und Sekt aus allen gängigen Anbaugebieten schnell herum. So entschloss sich Auriault, seine Anstellung bei Renault zu kündigen und sich ganz den französischen Weinen zu widmen.

1983 Umzug in die Hanauer Straße

Dafür benötigte er mehr Platz und wurde in der Hanauer Straße 12 fündig. Am 21. Januar 1983 eröffnete er sein wesentlich größeres Geschäft an dem Standort, an dem sich das »Le Vigneron Francais« noch heute befindet. Gleichzeitig erweiterte er sein Angebot an Wein und Sekt. Hinzukamen französische Spezialitäten wie Gänseleberpastete, Marmeladen und einiges andere mehr, aber auch Hochprozentiges. Ferner wurde die Wein- und Sektauswahl im Laufe der Jahre vielfältiger.

Bei seinen Fahrten in seine französische Heimat entdeckte Auriault immer wieder Weingüter mit einem exzellenten Angebot. Alle Weine, die er anbietet, stammen direkt vom Erzeuger. »Das ist Direktimport pur«, sagt Auriault.

Wer bei ihm Weine kauft, der darf sie erst einmal testen. »Eine Weinprobe gehört auf jeden Fall dazu«, meint der Franzose. Seine Kunden wissen das zu schätzen, ebenso wie die vielen Urlaubstipps des Weinspezialisten, der sich nun auf die Zeit ohne die große Verantwortung und ohne Buchhaltung freut.

»Ich werde jetzt mehr lesen und ein bisschen mehr in Urlaub fahren, wenn Corona vorbei ist«, kündigt Auriault an, der in seinem letzten Jahr als Geschäftsinhaber von der Pandemie überrascht worden ist. »Aber auch das geht vorbei.«

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