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Mit gebührendem Abstand: die Dienstbesprechung dient den Mitarbeitern des Erasmus-Alberus-Hauses in Friedberg auch als eine Art geschützter Raum, in dem sie ihre Erfahrungen im Umgang mit Corona teilen können.

Erasmus-Alberus-Haus

Friedberg: Seniorenheim in der Corona-Pandemie – Angst hat sich in Respekt gewandelt

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Was macht die Pandemie mit Mitarbeitern eines Seniorenheimes? Das Team des Erasmus-Alberus-Hauses in Friedberg blickt auf die vergangenen zwölf Monate zurück.

»Mama, pass auf dich auf«, sagte die Tochter von Jecica Milojicic, als die langjährige Pflegefachkraft im April 2020 über das Telefon erfahren hatte, dass im Friedberger Alten- und Pflegeheim Erasmus-Alberus-Haus (EAH) das Coronavirus ausgebrochen war. Eine Dame, die in der dritten Etage der Einrichtung lebte, hatte sich infiziert. Was folgte, glich einer Mammutaufgabe. Binnen Stunden wurde die gesamte Etage abgeriegelt, Angehörige wurden telefonisch über den Stand der Dinge informiert.

Insgesamt 29 Bewohnerinnen und Bewohner waren betroffen, einige davon verloren den Kampf gegen das Virus. Es war eine Zeit der Angst, der Trauer, der Unsicherheit für alle Beteiligten - ob Pflegekräfte, ob Bewohner, Leitung oder Angehörige.

Corona in Friedberg: Die Erinnerung bleibt

Gut zwölf Monate sind seit diesen Geschehnissen vergangen. Es folgte ein zweiter Ausbruch, trotz vorheriger Erstimpfungen unter den Bewohnern. Mittlerweile hat sich die Angst vor dem Virus in Respekt gewandelt, die Unsicherheit in Routine. Eines bleibt aber: die Erinnerung. Die Erinnerung an jene Tage, die das Leben so vieler schlagartig veränderte.

»Gerade in unseren wöchentlichen Dienstbesprechungen zeigt sich besonders, wie sehr das Thema Corona meine Mitarbeitenden und natürlich auch mich beschäftigt«, sagt Einrichtungsleiter Jürgen Brandt. Neben dem Dienstplan und neuen Corona-Auflagen, die besprochen werden, sind die Ausbrüche im Haus und die damit verbundenen Erlebnisse immer wieder Thema.

Nadine Kahabka erinnert sich noch genau, dass sie während des ersten Ausbruchs gebeten wurde, ihre Kinder nicht in den Kindergarten zu schicken, aus Angst vor Corona. »Menschen aus meinem Ort haben sogar die Straßenseite gewechselt, als sie mich gesehen haben«, berichtet sie weiter.

Routine in der Corona-Pandemie: In Friedberg ist so etwas wie Alltag wieder möglich

Bei den Mitarbeitern verhielt es sich dagegen genau anders herum: »Ich habe mich in der Einrichtung viel sicherer als draußen gefühlt. Durch die Hygieneauflagen und Schutzkleidung waren wir bestens geschützt. Zudem wusste ich im Gegensatz zu draußen, wer Corona hatte«, erklärt Carina Theis. Es sind Reaktionen wie diese, die zeigen, wie verunsichert alle zu Beginn der Pandemie gewesen sind und mit welchen Widrigkeiten Mitarbeiter in Pflegeheimen zu kämpfen gehabt haben. Und dennoch war Aufgeben nie eine Option. »Es hat auch einfach etwas mit Berufsethik zu tun. Ich habe die Verantwortung für meine Bewohnerinnen und Bewohner übernommen, und diese erfülle ich auch unter schwierigen Umständen«, sagt Kahabka. Eine Tatsache, die nicht nur für sie gilt, wie Martha Kneipp weiß: »Das ganze Team hat während dieser Zeit wirklich alles gegeben. Sie sind quasi zu einer Einheit verschmolzen. Dafür bin ich sehr dankbar«, sagt die Pflegedienstleiterin.

Seit einiger Zeit ist auch so etwas wie Alltag im EAH wieder möglich. Kleinere Aktivitäten werden angeboten, Angehörige dürfen ihre Liebsten wieder besuchen. »Wir alle leben mit den Auflagen und Einschränkungen. Und ich weiß, dass sich auch alle daran halten. Nicht nur wir, sondern auch die Bewohnerinnen, Bewohner und die Angehörigen. Das stimmt mich zuversichtlich«, sagt Manuel Kuhn.

Friedberger Seniorenheim: Nicht nur schlechte Erinnerungen an die erste Welle der Corona-Pandemie

»So seltsam es klingt, es war auch eine schöne Zeit. Wir als Team sind zusammengewachsen, es sind wahre Freundschaften mit den Bewohnern entstanden, und auch der Dank, den wir von vielen Angehörigen bekommen haben, hat mir gezeigt, dass ich trotz aller Bedenken richtig gehandelt habe. Ich blicke optimistisch in die Zukunft und bin mir sicher, dass wir alle gestärkt aus dieser Situation herausgehen werden«, erläutert Denis Grazin.

Eine Ansicht, die Brandt teilt: »Auch ich blicke positiv in die Zukunft und freue mich auf die Sommermonate. Unsere Bewohnerinnen und Bewohner hatten ihre Zweitimpfung, fast alle Mitarbeitenden ebenfalls. Das gibt mir und dem ganz Haus die Sicherheit, die wir brauchen, um uns auf die bevorstehenden Lockerungen freuen zu können.«

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