Das Gemeindezentrum West mit seiner schwungvollen Architektur ist ein beliebtes Foto-Objekt. Was aus dem Gebäude nach der Schließung wird, bleibt abzuwarten. 
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Das Gemeindezentrum West mit seiner schwungvollen Architektur ist ein beliebtes Foto-Objekt. Was aus dem Gebäude nach der Schließung wird, bleibt abzuwarten. 

Marodes Gemeindezentrum West

Friedberger Politiker lehnen Kita-Sanierung ab

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Die Stadtverordneten von Friedberg lehnen einen Kauf des Gemeindezentrums West ab, halten die Sanierung der Kita Winterstein für zu kostspielig. Die UWG wollte das Verfahren aufhalten.

Als Erich Wagner (SPD) in Vertretung von Hendrik Hollender die Stadtverordnetenversammlung eröffnete, informierte er über die bauliche Situation der Stadthalle: "Die Lüftung wurde überprüft. Es kommt nur Frischluft rein, die Abluft geht sofort nach draußen." Wir sind ja schließlich nicht bei Tönnies. Ein anderes Gebäude bereitet den Kommunalpolitikern mehr Sorgen, auch wenn es gar nicht der Stadt gehört: das marode Gemeindezentrum West. Eine Sanierung käme die Stadt teuer.

Friedrich Wilhelm Durchdewald (UWG) forderte einen Aufschub der Entscheidung, wollte den Punkt von der Tagesordnung nehmen lassen. Es war symptomatisch, dass die Abstimmung über die Absetzung wiederholt werden musste, weil das Ergebnis nicht stimmen konnte. Auch der zweite Versuch brachte aber keine Mehrheit für eine Absetzung. Trotzdem wird es nicht die letzte Anstrengung sein, das Gebäude in welcher Form auch immer "zu retten". Zuletzt hatte die SPD ein Gutachten der Stadt hinterfragt, forderte detaillierte Zahlen.

Im Ausschuss lagen die Zahlen vor, es bleibt dabei: Laut Stadt würde eine Sanierung der viergruppigen Kita Winterstein 3,9 Millionen Euro kosten, inklusive dem Grundstückspreis von 1,1 Millionen. Mit Schadstoffsanierung und dem Herrichten der Außenanlagen müsste die Stadt unterm Strich fast 5,1 Millionen Euro ausgeben. Gegenüber 4,8 Millionen für einen (sechsgruppigen! udn energetischen) Neubau in der Taunusstraße. Die Sanierung lohnt sich nicht.

Durchdewald will nicht aufgeben. In Kürze finde eine Begehung mit der Denkmalschutzbehörde, dem Erbauer Prof. Johannes Peter Hölzinger und einem weiteren Architekten statt. Man wolle prüfen, ob ein Anbau möglich sowie genehmigungsfähig ist und eine Neukalkulation vornehmen. Durchdewald hofft, dass es eine bauliche Lösung in der Wintersteinstraße gibt und das Gebäude nicht als Ruine endet. Die Entscheidung zu verschieben, wäre seiner Ansicht nach auch ein Signal an die Kirche gewesen, "das sie in Gottes Namen die Preisvorstellung ihres Grundstücks überdenkt". Auch eine Bauruine verursache Unterhaltungskosten und könne "zu einem Klotz am Bein werden, das die Kirche lange mit sich herumtragen muss".

Gemeindezentrum Friedberg: Bauplatz als Ersatz in der Taunusstraße

Als weiteren Grund, die Entscheidung zu verschieben, nannte Durchdewald den Bebauungsplan für das Ackergrundstück in der Taunusstraße. Kaum einer will dort bauen, dennoch sind die Stadtverordneten mehrheitlich dem Rat der Stadtspitze gefolgt und haben den Weg für ein Bebauungsplanverfahren frei gemacht. Nur für den Notfall, wie alle betonen. Momentan gibt es einen solchen Notfall. Die Stadtverwaltung konnte in die Schublade greifen und den genehmigten B-Plan für eine Kita in der Vorstadt zum Garten herausziehen. Dieser wird nun umgesetzt. Insgeheim hoffen alle, dass dies im Falle der Taunusstraße nicht so kommt. Aber wer weiß. "Wenn dort gebaut wird, wird dem Gebiet westlich der Bebauung die Unschuld genommen", sagte Durchdewald. Dann könnten weitere Grundstücke folgen, weiteres Ackerland würde versiegelt.

Wie gesagt, der Punkt wurde nicht von der Tagesordnung abgesetzt, die Abstimmung brachte ein deutliches Ergebnis. "Dieses Gebäude mit seinen konstruktiven Mängeln ist nicht mehr zu retten", sagte Martina Pfannmüller (CDU). "So lange ich das Gebäude kenne, läuft dort Wasser durch die Decke." Pfannmüller zeigte Verständnis für den Besitzer: "Die Kirche musste die Reißleine ziehen." Und jetzt solle die Stadt "Steuergelder in dem Bau versenken? Nein."

Auch Ricardo Herbst (Linke) sprach sich gegen eine Sanierung aus. Die Unterhaltungskosten seien immens hoch, gerade im Vergleich mit einem energetischen Neubau. "So gerne man das Gebäude erhalten möchte, das ist absolut unwirtschaftlich." Gleichwohl bedeutet die Entscheidung, dass es mit der Schließung der evangelischen Kita Wintersteinstraße auf Jahre hinaus keine Kinderbetreuungseinrichtung in Friedberg-West gibt. Hier gilt nun entweder die Devise "Kleine Beine, lange Wege" oder Mama bzw. Papa fahren den Nachwuchs morgens mit dem SUV in die Kita.

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