Detlev Bothe (l.) und Jörg Päsel freuen sich, dass die Fehler aufgearbeitet sind.
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Detlev Bothe (l.) und Jörg Päsel freuen sich, dass die Fehler aufgearbeitet sind.

Friedberger Musikschule sieht sich auf gutem Weg

Friedberg (ini). "Die Kredite sind abgebaut, die Außenstände eingetrieben. Die Buchführung wurde neu geordnet, die Kasse wird ohne Voranmeldung überprüft. Der Vertrag mit dem Leiter wurde geändert und die Mitgliedschaft neu geregelt", sagt Jörg Päsel, Vorsitzender des Trägervereins der Musikschule Friedberg.

Schriftführer Detlev Bothe ergänzt: "Es hat sich viel geändert. Wir sind auf einem guten Weg. Dass die Stadt im Mai die noch ausstehende Rate für 2013 überwiesen hat, sehen wir als Vertrauensbeweis."

Dafür hat der Vorstand gearbeitet. Seit der Neuwahl am 23. Januar fanden insgesamt 24 Vorstandssitzungen statt, zusätzlich Sitzungen der verschiedenen Arbeitskreise. "Die Zusammensetzung des Vorstandes ist gut", findet Bothe. "Die Kompetenzen ergänzen sich." Musikalisches Fachwissen paare sich mit kaufmännischem Sachverstand und Kenntnissen im Vereinsrecht.

Für Bothe ist der Trägerverein eine Herzensangelegenheit. Der pensionierte Pfarrer war schon bei den Anfängen dabei, nach der Gründung 1985 war er Vorsitzender. Ehrensache, dass er nach den Querelen Ende vergangenen Jahres wieder zur Verfügung stand.

Vor einem dreiviertel Jahr geriet die Musikschule in die Schlagzeilen. Revisoren hatten Missstände in der Geschäftsführung aufgedeckt. In die Kritik geriet nicht nur Musikschulleiter Michael Eberhardt, sondern auch der damalige Vorstand. Zweifelhafte Ausgaben etwa für Strafzettel, eine undurchsichtige und unvollständige Buchhaltung, fragwürdige Beschäftigung von Familienangehörigen lauteten die Vorwürfe. Auch im Verein krachte es: Bewahrer und Erneuerer standen sich gegenüber, die unter zweifelhaften Bedingungen vorgenommenen Vorstandswahlen wurden angefochten, Lehrer verließen die Musikschule und hinterließen Lücken, die zum Teil bis heute nicht geschlossen sind. Kein leichtes Erbe, das der neue Vorstand um Päsel und Bothe übernahm.

Auf den Weg gebracht wurde eine Neufassung der Satzung, die die Geschäfts- und Vereinsführung regelt und Missstände von vorneherein verhindern soll. Im Oktober sollen die derzeit rund 150 Mitglieder des Trägervereins bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung darüber abstimmen.

Doch trotz der positiven Entwicklung im vergangenen halben Jahr ist der Bestand der Musikschule mit derzeit rund 1200 Schülern und 40 Musiklehrern noch nicht gesichert. Es fehlt der Zuschuss der Stadt. Die Musikschule war und ist ein Zuschussbetrieb. "Wir berücksichtigen mehr soziale Aspekte als eine private Musikschule", betont Päsel. Ende 2013 lief ein dreijähriger Gewährsvertrag mit der Stadt über einen Zuschuss von jährlich 74 000 Euro aus. Das war Zufall, nicht den Missständen geschuldet. Im Haushalt 2014 sind die 74 000 Euro wieder eingestellt, dürfen aber noch nicht ausgezahlt werden, da die Stadt unter vorläufiger Haushaltsführung steht. Erst wenn der Haushalt von der Kommunalaufsicht genehmigt ist, kann über einen neuen Vertrag gesprochen werden. Sowohl Bürgermeister Michael Keller als auch Erster Stadtrat Peter Ziebarth hätten signalisiert, dass die Musikschule weiter gefördert werden soll, sagen die Vorstandsmitglieder.

"Uns geht langsam das Geld aus", sagt Päsel. Schließlich liefen die Kosten, etwa die Honorare der Musiklehrer, weiter. Alle anderen Zuschussmöglichkeiten (Kreis, Land, Landesverband der Musikschulen) seien schon ausgeschöpft. Als Sparmaßnahmen seien in diesem Jahr noch keine Musikinstrumente angeschafft worden, die Wartung der vorhandenen Instrumente sei ausgesetzt. "In diesem Herbst muss etwas passieren. Wir wollen nicht wie früher mit Krediten agieren", sagt Päsel. Vom Vorstand sei bereits ein Gewährleistungsvertrag entworfen worden, der keinen festen, sondern einen an den Ausgaben der Musikschule orientierten flexiblen Zuschussbetrag vorsehe. Der Vertrag soll, so der Wunsch des Vorstands, unbefristet mit Kündigungsfrist abgeschlossen werden.

Päsel und Bothe wären froh, wenn sie sich nach den ganzen bürokratischen Aufgaben dem eigentlichen Ziel der Musikschule widmen könnten: neue Kurse, Veranstaltungen, die Gewinnung vieler neuer Schüler. Ideen gibt es bereits.

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