Gesprächsbereit (v. l.): Dr. Kerstin Podszus und Moderator Werner Damm während der Pressekonferenz. FOTO: NICI MERZ
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Gesprächsbereit (v. l.): Dr. Kerstin Podszus und Moderator Werner Damm während der Pressekonferenz. FOTO: NICI MERZ

Vorwurf des Rassismus

Friedberger Mohren-Apotheke hält Gesprächsangebot an Kritiker aufrecht

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Im Streit um den Namen der Hof-Apotheke zum Mohren in Friedberg kam es bislang nicht zu einem Gespräch zwischen den Kontrahenten. Das liegt an einer unannehmbaren Bedingung.

Die Mohren-Apotheke behält ihren Namen. Das hatte Inhaberin Dr. Kerstin Podszus vergangenen Samstag noch vor der Demonstration in einer Presseerklärung betont. Daran hat sich nichts geändert. Die Demonstranten hatten allen, die den Namen verwenden, Rassismus vorgeworfen. Die Kontrahenten wollen miteinander reden, aber das gestaltet sich schwierig.

Sie sei um eine öffentliche Stellungnahme gebeten worden, daher die Pressekonferenz, sagte Podszus am Freitagmittag im Clubraum der Friedberger Stadthalle. Ihr Anwalt Konrad Dörner hatte den früheren HR-Journalisten Werner Damm als Moderator gewonnen, ein Kamerateam nahm die Pressekonferenz "zu Dokumentationszwecken" auf. Von den eingeladenen "örtlichen, regionalen und überregionalen Medien" waren fünf Journalisten und eine Fotografin erschienen. Vielleicht, weil das meiste in dieser Sache bereits gesagt oder geschrieben wurde.

Es seien auch "viele Unwahrheiten" geschrieben worden, sagte Damm und zitierte aus einer im Internet verbreiteten Stellungnahme, in der offensichtliche Falschaussagen zu dem von der Polizei abgeführten (weil alkoholisierten) Mann und dem Verkehrsunfall gemacht werden. Weder der abgeführte Mann noch die Autofahrerin (sie fuhr einem Demonstranten über den Fuß) stünden in einer Beziehung zur Apotheke, sagte Damm.

"Ich lehne jegliche Form von Rassismus ab", sagte Podszus. Zu ihren zwölf Mitarbeitern zählen auch welche mit Migrationhintergrund. Einem jungen Mann aus Eritrea verschaffte sie ein Praktikum, hat ihm eine Ausbildung angeboten. Aktuell absolviert ein afghanischer Fachoberschüler sein Praktikum bei ihr.

Ein Ausdruck von Hochachtung

Einer der Demo-Initiatoren wurde in der Presse zitiert, er habe als Kind ein mulmiges Gefühl gehabt, wenn er an der Apotheke vorbeikam. "Das bedauern wir, aber das geschah offenbar aus Unkenntnis über den Namen", sagte Dörner. Er zitierte die Nachfrage der WZ bei der Gesellschaft für deutsche Sprache, wonach sich der "Mohr" nicht vom griechischen "moros" ableitet und folglich auch nicht "dumm" oder "töricht" meint. Andere Sprachwissenschaftler bestätigten dies. Der Name sei ganz im Gegenteil "ein Ausdruck von Hochachtung" für die morgenländische Heilkunst, welche die Mauren einst nach Europa brachten. Dörner: "Der Name ist ein Kompliment und ein Gütesiegel." Mit Rassismus habe er nichts zu tun. In Deutschland gebe es rund 100 Apotheken, die den "Mohr" im Namen führten.

Direkt nach der Demonstration habe man den Initiatoren ein Gespräch angeboten. Dazu sei es bislang leider nicht gekommen. Die Initiatoren der Demo bestünden darauf, dass Podszus zuerst den Apotheken-Namen ändern solle, bevor man miteinander rede, sagte Dörner. "Wir wollten ihnen zuhören. Es ist schade, dass das nicht klappt."

Die Demo hat eine Solidarisierungswelle in Friedberg ausgelöst. Allein gelassen fühlt sich Podszus nicht. Sie erhalte viel Unterstützung. Kunden waren es, die eine Unterschriftenliste pro Mohren-Apotheke anregten. Viele tragen sich ein. Ihr sei wichtig, dass es doch noch zum Gespräch mit den Initiatoren der Demo kommt. Würde sich die Stadt als Vermittler einschalten, würde man dies begrüßen.

Ein Ausdruck von Hochachtung

Die Gruppe "United Colors Of Change" (auf Deutsch "Vereinigte Farben des Wechsels"), Initiatoren der Demonstration gegen die Mohren-Apotheke vom 15. August, hat in einer Pressemitteilung die Anschuldigungen des UWG-Fraktionsvorsitzenden Friedrich Wilhelm Durchdewald ("Faschistoider Meinungsterror", WZ vom 18. August) zurückgewiesen. Die in der Überschrift zum Ausdruck gebrachte Aussage könne man "einer Gruppe von jungen Menschen, die in ihrer Diversität für Einheit steht", nicht vorwerfen. Durchdewald habe auch "Unwahrheiten über Ablauf und Vorgänge" der Demo verbreitet. Unwahr sei demnach, dass junge Frauen einer Tanzgruppe versucht hätten, über den Hintereingang in die Apotheke zu gelangen.

Genau diesen Eindruck hatte nicht nur Durchdewald, sondern auch Apothekerin Dr. Kerstin Podszus, wie sie während der Pressekonferenz schilderte. Die Tänzerinnen in Mohren-Kostümen hätten im Flur gestanden und gegen die Glastüre der Apotheke (Hintereingang/Haagstraße) gedrückt. "Ich habe mich bedroht gefühlt. Ich dachte, die schlagen die Scheibe ein."

"United Colors of Change" schreibt außerdem, den "leitenden Kräften unserer Organisation" sei "nicht die Möglichkeit gegeben" worden, "zu unserer angebrachten Kritik am Namen der Apotheke Stellung zu beziehen." Diese Kritik war Gegenstand der Berichterstattung. Bei der WZ hat sich zudem niemand aus der Gruppe gemeldet, um dies einzufordern.

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