Die Diskussionen um die Zukunft der Kita Winterstein gleichen einem ewigen Auf und Ab: Abriss und Neubau? Ein Anbau im Garten? Das marode, aber künstlerisch ansprechende Gebäude sanieren? Schließen und ein Neubau in der Taunusstraße? Jetzt wurde eine Vorentscheidung getroffen.		FOTO: NICI MERZ
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Die Diskussionen um die Zukunft der Kita Winterstein gleichen einem ewigen Auf und Ab: Abriss und Neubau? Ein Anbau im Garten? Das marode, aber künstlerisch ansprechende Gebäude sanieren? Schließen und ein Neubau in der Taunusstraße? Jetzt wurde eine Vorentscheidung getroffen. FOTO: NICI MERZ

Kinderbetreuung

Friedberger Kita Winterstein: Sanierung und Grundstückskauf zu teuer

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Eine Sanierung der Kita Winterstein würde die Stadt Friedberg über 5 Millionen kosten. Der Magistrat lehnt dies ab und verschiebt gleichzeitig die Alternative, einen Neubau in der Taunusstraße.

Das Wellenhaus in der Wintersteinstraße in Friedberg-West ist zwar architektonisch reizvoll, aber seit langem marode. Regenwasser dringt durch die Decke und den Estrich ein. Auf 1,7 Millionen Euro wurden die Sanierungskosten in einem Gutachten beziffert, das der Eigentümer, die Evangelische Kirchengemeinde Friedberg, 2017 in Auftrag gab. Die weitere Geschichte ist bekannt: Die Kirche schließt die Einrichtung zum 31. Juli, 65 Kita-Plätze fallen weg, die Stadt sucht nach einer Alternative.

Nachdem etliche Standorte untersucht wurden, blieb ein Grundstück in der Taunusstraße übrig. Dort sollte eine sechsgruppige Kita gebaut werden (die Wintersteinstraße ist viergruppig). Das Problem: Wertvoller Ackerboden müsste versiegelt werden.

Der Stadtverwaltung sollte nun die verschiedenen Varianten untersuchen: Abriss, Sanierung, Neu- und Anbau sowie Neubau in der Taunusstraße. Martina Pfannmüller, Vorsitzende des Ausschusses für Jugend, Soziales, Senioren, Sport und Kultur, lobte in der Sitzung am Dienstag im Bürgerhaus Ockstadt die Ausarbeitung der Verwaltung. Gleichwohl ist das Ergebnis ernüchternd: Eine Sanierung der Kita Winterstein würde wohl rund 3,9 Millionen Euro kosten. Die Evangelische Kirche verlangt für das Grundstück 1,1 Million. Inklusive der Voruntersuchung (75 000 Euro) kämen am Ende mehr als 5 Millionen Euro heraus, wobei Schadstoffsanierung und Außenanlagen nicht eingerechnet sind. Und: Diese Zahlen gelten für eine drei- bzw. viergruppige Einrichtung. Der Neubau einer sechsgruppigen Kita am Ende der Taunusstraße käme auf 4,8 Millionen Euro.

Friedberger Kita Winterstein: Was wird aus dem Wellenhaus?

Auf vier Din-A-3-großen Tabellen haben die Rathausmitarbeiter sämtliche Varianten auf ihre Umsetzbarkeit hin untersucht. Dabei hängt nicht alles nur am Gelde. Einen Neubau im Garten des Wellenhauses wurde vom Denkmalschutz ebenso abgelehnt wie ein Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes.

Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD) forderte für die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses eine detaillierte Aufschlüsselung der Zahlen, was Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) und Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) zusagten.

Was dies für die Zukunft des Wellenhauses bedeutet? Mit dieser Frage wird sich die Evangelische Kirchengemeinde auseinandersetzen müssen. Sonst entsteht eine Bauruine. Die Kinder der Kita Wintersteinstraße kommen in der neuen Kita Housing Area unter, sagte Götz. Diese sechsgruppige Kita ist fertiggestellt, die Eröffnung soll »nach Corona« nachgeholt werden.

In der Taunusstraße soll zunächst nur Baurecht geschaffen werden. Heißt: Der Bau wird zurückgestellt, es wird aber ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet, damit die Stadt im Fall der Fälle darauf zurückgreifen kann. Antkowiak: »Wir wollen erst sehen, wie sich Friedberg entwickelt. Die nächsten Kitas werden in der Kaserne gebaut.«

Der Sozialausschuss hat der Verwaltungsvorlage mit fünf Ja-Stimmen bei einem »Nein« und drei Enthaltungen zugestimmt. Klar ist damit auch, dass es in den nächsten Jahren keine Kita mehr im Wohngebiet Friedberg-West gibt, wie Sven Weiberg (Linke) sagte. Die Linke hatte in einem Antrag die »Öffnung der Kitas« gefordert. Betreuungszeiten sollten auf 16 Uhr ausgeweitet werden, Betreuung an fünf Tagen möglich sein, alle Kinder berufstätiger Eltern sollten aufgenommen werden, lauteten einige der Forderungen.

Friedberger Kita Winterstein: Linke-Antrag und Personalsuche

Kita-Dezernentin Götz zerpflückte den Antrag Punkt für Punkt, freilich in höflichen Worten. Die Gruppengrößen aufstocken? Erlaubt das Land nicht. Das pädagogische Personal aufstocken? Woher nehmen? »Das funktioniert nicht so wie bei der wundersamen Brotvermehrung.« Zusätzliches (und fachfremdes) Reinigungspersonal einstellen? Auch Putzen sei eine Fachdisziplin, geeignetes Personal zu finden, sei nicht leicht. Das habe sich bei der Akquise für die Kita Housing Area gezeigt. Immerhin: Die Stadt hat für die Einrichtung Personal gefunden.

Achim Güssgen-Ackva (FDP und Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD) rieten Weiberg, den Antrag zurückzuziehen, wolle er sich keine Abstimmungsniederlage einhandeln. Weiberg blieb bei seinem Antrag, der mit den Stimmen der übrigen Fraktionen abgelehnt wurde.

Friedberger Kita Winterstein: Kita-Bedarfsplanung erstellt

Wie viele Kita-Plätze müssen neu geschaffen werden, welche Baumaßnahmen sind notwendig? Die Erste Stadträtin und Kita-Dezernentin Marion Götz (SPD) hat zu diesen Fragen eine Bestandsaufnahme vorgelegt. Derzeit gibt es zwölf städtische Kitas und Horte sowie zehn weitere Betreuungseinrichtungen von freien und konfessionellen Trägern. Zum 1. April 2020 standen 1462 Betreuungsplätze bereit. Dazu kommen 106 städtische und 444 weitere Hort-Plätze.

Auf zehn Seiten sind alle Zahlen und Fakten zum Stand der Dinge aufgelistet. Nach dem Wegfall von 65 Betreuungsplätzen in der Kita Wintersteinstraße ab August dieses Jahres fehlen für das Kindergartenjahr 2020/21 im Ü 3-Bereich 95 und im U 3-Bereich 74 Plätze. Die Besiedlung des Baugebiets »Steinern Kreuzweg« ist dabei noch nicht berücksichtigt. Der Kita-Fachdienst hat sämtliche Maßnahmen zur Schaffung von Kita-Plätzen in den vergangenen Jahren aufgelistet - von der Aufstellung von Containern bis zur Planung von Neubauten. Manches wurde verworfen, folgende Projekte werden weiterverfolgt: In der Villa Winzig in der Saarstraße sollen in einem Erweiterungsbau 20 U 3-Plätze entstehen, durch die Corona-Pandemie wird dies erst 2021 der Fall sein. In der Kita Sonnenschein entstehen 13 Ü 3- und 19 U 3-Plätze (die Stadt leistet einen Zuschuss an den Träger, die Behindertenhilfe Wetterau). 20 Ü 3-Plätze sollen in einer Wald- und Wiesengruppe in Ossenheim entstehen, voraussichtlich 2021. Bis zum Herbst 2023 soll in der Usavorstadt eine sechsgruppige Kita gebaut werden; auch hier sorgt Corona für zeitliche Verzögerung. Es besteht Baurecht, den B-Plan hatten die Stadtverordneten vor längerer Zeit beschlossen. Ähnlich wird in der Taunusstraße verfahren: Ein B-Plan wird aufgestellt, das dauert etwa zwei Jahre. Bei Bedarf kann er aus der Schublade gezogen werden. Baumaßnahmen soll es auch in Fauerbach in der Hauptstraße 67 geben: Das Haus soll abgerissen und als Teil der Kita »Farbklecks« nach und nach durch eine sechsgruppige Kita ersetzt werden. Außerdem prüft die Stadt einen weiteren Kita-Standort, steht hier in Verhandlungen mit dem Eigentümer.

Und Bauernheim, der einzige Stadtteil ohne Kita? Eine Hochspannungsleitung durchkreuzte die Pläne, im Park Kita-Container aufzustellen. Nun wird der Neubau einer »richtigen« Kita im Neubaugebiet favorisiert. Noch steht dafür kein Geld im Haushalt, noch gibt es kein Grundstück und keinen Bebauungsplan. Es seien aber »noch viele Voraussetzungen« zu schaffen, bis es eine Kita in Bauernheim gebe, sagte Götz.

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