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Folgen der Corona-Pandemie

Friedberger Herbstmarkt abgesagt: Alle hoffen jetzt auf 2021

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Auf der Friedberger Seewiese sprießen gerade Gänseblümchen. Ein ungewöhnliches Bild zu dieser Jahreszeit, denn sonst steht im September hier das Herbstmarkt-Festzelt.

Kein »O’zapf is‹« zur Eröffnung. Kein Flohmarkt, keine Tierschau, kein Budenzauber, keine Gaudi im Festzelt, keine Zuckerwatte, keine gegrillte Haxen. Und keine halben Hähnchen beim Seniorennachmittag. Der Friedberger Herbstmarkt muss ausfallen, wie alle Großveranstaltungen in Deutschland. Die Corona-Pandemie fordert ihren Tribut.

»Ich werde das Autoscooter vermissen«, sagte eine 14-jährige Schülerin. Ihre Freundin ergänzt: »Der Taumler ist viel besser. Aber das wird ja leider nichts.« Wen man auch fragt: Erst legen sich Sorgenfalten auf die Stirn, dann beginnt die Erinnerungsmaschine im Kopf zu laufen: Wie war das doch schön, im letzten Jahr...

»Ich hoffe sehr, dass der 71. Herbstmarkt 2021 stattfindet«, sagt Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU). Die Gourmet-Wiese, das Festzelt, die Tierschau, die jedes Jahr ein absolutes Highlight sei - er könne nicht alles aufzählen, was er vermisse. Auch die Städtepartnerschaft leidet unter der Absage. Die Delegationen aus Frankreich, Italien und Portugal bleiben zu Hause. Antkowiak: »Wir holen das Treffen im Oktober virtuell nach. Es ist auch noch nicht klar, ob das für 2021 anberaumte Treffen in Frankreich stattfindet.« Eventuell muss es um ein Jahr verschoben werden.

Erst Ende August herrschte im Rathaus Klarheit darüber, welche Großveranstaltungen stattfinden können und welche nicht. »Wir waren in einer blöden Situation«, sagt Ordnungsamtsleiter Jürgen Schlerf. »Wir wollten nicht vorschnell absagen, kennen ja die Nöte der Beschicker.« Das Risiko aber, dass sich eine große Zahl von Menschen beim Herbstmarkt mit dem Virus ansteckt, konnte und wollte die Stadt nicht eingehen.

Schlerf berichtet, es habe Überlegungen zu Alternativveranstaltungen unter dem Titel »Friedberger Herbst-Feeling« gegeben. Einige der Stamm-Beschicker sollten ihre Buden in der Stadt aufbauen. Daraus sei nichts geworden. Schlerf: »Unter den aktuellen gesetzlichen Vorgaben lässt sich das leider nicht machen. Wir dürften nur 250 Leute aufs Gelände lassen. Da stellt sich schnell die Frage, ob das noch wirtschaftlich ist.«

Der Herbstmarkt wird in erster Linie von der Gewerbeabteilung des Ordnungsamtes organisiert. Schlerf: »Die Mitarbeiterinnen hätten sehr gerne was auf die Beine gestellt, am Herbstmarkt hängt viel Herzblut.« Schlerf selbst wird »den Cappucino im Köhler-Café« vermissen und das zwanglose Beisammensein mit Freunden und Bekannten. Ein Friedberger Rentner und seine Frau vermissen den stets gleichzeitig mit dem Herbstmarkt stattfindenden »Markt der Region« auf dem Europaplatz. »Den hätte der Kreis trotz Corona organisieren können.«

Weihnachtsmarkt: Was ist möglich?

Auf der Gourmet-Wiese kaufen die beiden beim Weingut Kost immer Wein. »Dieses Jahr haben wir telefonisch bestellt.« Wie viele andere Friedberger auch. Ausgeliefert wurde am gestrigen (Herbstmarkt-)Freitag. »So sind die Weinhändler wenigstens einen Tag lang in Friedberg.«

Im Rathaus schaut man derweil nach vorne: »Wir prüfen gerade die Weihnachtsmarkt-Aktivitäten«, sagt Bürgermeister Antkowiak. »Wir müssen sehen, was nach den gültigen Vorschriften machbar ist.« Eines wäre momentan nicht machbar gewesen: »2500 Senioren in einem Zelt. Das geht nicht.«

Ortsvorsteher und Marktmeister Norbert Simmer (CDU) weiß, wie viel gerade der Seniorennachmittag den älteren Friedbergern bedeutet. »Ich werde Festwirt Franz Widmann anweisen, im nächsten Jahr besonders große Hähnchen zu grillen«, sagt er schmunzelnd. Aber eigentlich ist Simmer nicht zum Spaßen zumute. Der Marktmeister hatte sich eigens eine neue Amtstracht zugelegt, die er der WZ auf der leeren Seewiese präsentiert. »Ich hätte mir als Alternative einen Biergarten auf der Seewiese vorstellen können. In anderen Städten funktionieren kleinere Veranstaltungen auch. Schade, dass das in Friedberg nicht klappt.« Die Absage ist auch aus einem besonderen Grund bedauerlich, wie Simmer sagt: »Meine Frau hat immer am Herbstmarkt Geburtstag. Ich schenke ihr jedes Jahr ein großes Feuerwerk.« Auch das muss 2020, im Jahr ohne Herbstmarkt, ausfallen.

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