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Friedberger Heilpraktiker ohne Humbug

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Von: Katharina Gerung

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Eckehard Walther praktiziert seit 40 Jahren in seiner eigenen Praxis. Für unseriöse Kollegen findet der 68-Jährige harte Worte. Er wurde beschimpft und bedroht. Kurzzeitig brauchte er sogar Polizeischutz.

Heilpraktiker sind Spinner – so denken viele. Wer dem nicht zustimmt, gilt oft als abergläubisch oder naiv. »Leider ist es wirklich so, dass ein Großteil der Heilpraktiker nicht ernst zunehmen ist.« Ein Missstand, den Eckehard Walther aufklären will und mit seinen Kollegen dafür hart ins Gericht geht. Beliebt macht er sich damit nicht: Der Friedberger wurde kurzzeitig aus seinem Heilpraktikerverband geworfen, von Kollegen bedroht und musste Mitte der 80er Jahre zu einer Versammlung mit Polizeischutz und richterlicher Verfügung antreten. »Ich lege den Finger eben gern in Wunden und nicht nur in die meiner Patienten.«

Der Heilpraktiker-Branche droht das Ende, davon geht Walther aus. Seit Jahren wird die Kritik an seinen Beruf immer schlimmer. Die Vorwürfe sind laut Walther an vielen Stellen berechtigt und eine Reformation längst überfällig. Den Beruf an den Pranger zu stellen und gar verbieten zu wollen sei aber der falsche Weg. Problematisch seien die vielen schwarzen Schafe, die in der alternativen Heilkunde das schnelle Geld wittern.

Jeder kann Heilpraktiker werden

Anmelden, zahlen, auswendig lernen: Heilpraktiker zu werden, sei einfach. »Es geht um stumpfe, graue Theorie. Wer die Zulassung hat, wird auf die Menschheit losgelassen, ohne vielleicht jemals in der Praxis gearbeitet zu haben. Noch einfacher sei es eine Heilpraktiker-Schule zu eröffnen. Seriöse Verbandsschulen würden unter diesem Missstand enorm leiden.

Schmerzen per Rute lokalisieren, Medikamente auspendeln, Diagnosen übers Telefon treffen oder das Jenseits zu komplizierten Behandlungen befragen: »Ich schäme mich wirklich sehr für manche Kollegen. Die schaden unserem Beruf, und das wird auch unser Untergang sein.« Ein nicht kleiner Teil der Bevölkerung sei jedoch sehr empfänglich für diese Art der Heilkunst. Dass diese Menschen geschützt werden sollten, sieht Walther ein. Dass seriös arbeitende Heilpraktiker dafür aber mit bestraft werden sollen, nicht. Eckehard Walther ist kein Wunderheiler. Er hat seine Fähigkeiten weder durch eine übernatürliche Fügung, noch ist er der Auserwählte einer Gottheit. Eckehard Walther ist ein Mann der Wissenschaft, studierte Pädagogik mit dem Schwerpunkt Biologie und Geografie, wollte eigentlich Arzt werden. »Ich habe früh geheiratet, hatte bereits ein Kind und musste meine Familie ernähren«, erzählt der 68-Jährige. Ein zweites Studium kam darum nicht in Frage.

Heilpraktiker in dritter Generation

Aus der Not heraus trat er halbherzig ins Familiengeschäft ein. Seine Mutter und zuvor sein Großvater waren Heilpraktiker. Noch während dem Studium besuchte er zunächst an den Wochenenden und dann ganztägig entsprechende Kurse. Nach zweieinhalb Jahren legte er mit 27 Jahren erfolgreich die Prüfung zum Heilpraktiker ab, hatte aber auch das Staatsexamen in der Tasche.

»Ich habe irgendwann begriffen, dass es nicht der Beruf ist, sondern das, was ich daraus mache«. Mit dieser Erkenntnis kam auch die Leidenschaft für die Heilpraktik. »Ich wusste so vieles nicht. Das hat mich angespornt, immer mehr zu lernen, immer mehr zu erfahren.« Seine Kenntnisse aus Biologie, Psychologie, Linguistik und Latein kamen ihm dabei zugute. Er arbeitete in verschiedenen Praxen, darunter auch in der seiner Mutter und in der eines befreundeten Allergologen. Am 3. Mai 1979, genau vor 40 Jahren, eröffnete er seine eigene Praxis.

Ein Großteil der Heilpraktiker ist nicht ernst zu nehmen

Eckehard Walther

»Krankheitsbilder möglichst unter ganzheitlichen Gesichtspunkten sehen, erkennen, aufschlüsseln und behandeln« – so sollte die Arbeit eines seriösen Heilpraktikers aussehen. Sein Schwerpunkt ist heute die neuraltherapeutische Schmerzambulanz. Er bietet jedoch auch Akupunktur, Chirotherapie, Osteopathie, Homöopathie, Allergiebehandlung, Ozon- und Sauerstofftherapie und ganzheitliche Regenerationskur an. »Die Patienten, die zu mir kommen, wurden von der Schulmedizin meist schon aufgegeben«, erklärt Walther. Seit 40 Jahren entwickelt Walther seine Schmerztherapien ständig weiter. Vom Ruhestand fühlt er sich noch weit entfernt: »Der Beruf hat mir immer Freude gemacht. Eigentlich will ich nie aufhören.«

Info

Verwässerte Anforderungen

Eckehard Walther fordert eine staatlich anerkannte Ausbildung für Heilpraktiker. Die Anforderungen seien aktuell stark verwässert, was einer verantwortungsvollen Tätigkeit im Wege stünde. Zusammen mit Kollegen aus der Medizin hat er sich in den letzten Jahren für einen Lehrstuhl in Unna und Freiburg eingesetzt. Pläne, die seiner Aussage nach von Leuten aus den eigenen Reihen zerschlagen wurden. »Die Kollegen hatten Angst, dass sie dadurch irgendwo benachteiligt werden könnten.« (kge)

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