Impfdosen übrig

Friedberger Hausarzt beklagt: Grippe-Impfung kaum noch gefragt

  • Christoph Agel
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Der Ockstädter Hausarzt Dr. Wolfgang Pilz rät insbesondere Risikopatienten zu einer Grippe-Impfung. Allerdings hat er noch ziemlich viele Dosen übrig. Anscheinend ist das Interesse zurückgegangen.

Es ist nicht lange her, da ist den Menschen in Deutschland dazu geraten worden, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Im Jahr 2020 erst recht, damit man sich möglichst nicht Corona und Grippe zur gleichen Zeit einfange. Wer weiß, welchen Schaden die beiden Viren in Kombination anrichten, hieß es.

Zwischenzeitlich war in der Wetterau ein Engpass bei den Dosen zu beklagen (die WZ berichtete). Nun aber gebe es in einigen Wetterauer Hausarztpraxen noch viele Impfdosen gegen die Grippe - nur wolle sie kaum jemand haben, sagt Dr. Wolfgang Pilz. Er ist selbst Hausarzt in Ockstadt und verimpft in einer normalen Grippesaison 700 bis 800 Dosen, wie er sagt. Diesmal seien 1000 geliefert worden, von denen er noch rund 100 habe.

Im Herbst gab es noch Streit, wer den Impfstoff bekommt

Im Herbst sei die Nachfrage groß gewesen. "Da gab es teilweise auch Streit in Praxen, wer den Impfstoff bekommt und wer nicht", blickt Pilz zurück. Sein Praxis-Team habe Listen aufgestellt, auf denen die Menschen aufgeführt worden seien, die bei der zweiten Charge berücksichtigt werden sollten. Die Liste sei dann abtelefoniert worden, doch einige hätten kein Interesse mehr an einer Grippe-Impfung gehabt - teils, weil man es sich anders überlegt habe, teils aber auch aus Gründen der möglichen Nähe zur Corona-Impfung, sagt Pilz.

"Ich gehe schon davon aus, dass das Mundschutz-Tragen und die Abstandsregelungen bei der Grippe die Zahl der Infekte reduzieren wird." Dennoch rät Pilz älteren und anderen Risikopatienten dazu, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Eine Studie aus Dänemark mache deutlich, dass eine solche Impfung das Immunsystem insgesamt stärke. Die Folge: Es gebe auch weniger Lungenentzündungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle.

Impfung kann auch eher Klarheit bringen

Für Ärzte habe dieser Pieks einen positiven Nebeneffekt, sagt Pilz: Zu Beginn der Pandemie seien Grippe- und Corona-Welle ineinander gelaufen. Daher habe man sehr viele Infekt-Patienten testen müssen. Die hätten dann aber eben Grippe und kein Corona gehabt. Die Unterscheidung der ersten Symptome ist jedoch nunmal nicht so einfach. Ist jemand gegen Grippe geimpft und hat Symptome, dann ist es zumindest unwahrscheinlicher, dass er eine Grippe hat, als wenn er sich gegen dieses Virus nicht hätte impfen lassen. "Für uns ist es klarer und sicherer, wenn möglichst viele Patienten geimpft werden, insbesondere aus der Risikogruppe. Von denen sind einige noch nicht geimpft", sagt Pilz. Auch für Menschen in sozialen Berufen wie Lehrer, Erzieher, Krankenschwestern und Pfleger sei eine Grippe-Impfung besonders sinnvoll.

Grippe-Höhepunkt Ende Februar

Noch etwas macht Pilz deutlich: Für die Praxen wirke es sich finanziell wenig aus, wenn sie auf Impfdosen gegen die Grippe sitzen blieben. Es gehe um die Gesundheit der Patienten. Eine Grippe-Impfung lohne sich noch, denn der Höhepunkt der Grippewelle sei normalerweise Ende Februar. Der dänischen Studie zufolge sei eine frühe Impfung eher günstig. Auch wenn das für viele Menschen aktuell noch eine theoretische Sache ist, so rät Pilz von einer parallelen Impfung gegen Corona und Grippe ab. Vier Wochen sollten seiner Ansicht nach mindestens dazwischen liegen. Weil man mögliche Wechselwirkungen nicht kenne und weil man bei eventuellen Nebenwirkungen sonst nicht wisse, von welcher Impfung sie kämen.

Ärger für Ärzte

Zwei Dinge ärgern Hausarzt Dr. Wolfgang Pilz hinsichtlich der Corona-Impfung: Dass zu wenige Dosen geliefert worden seien und die Hausärzte zunächst nicht eingebunden seien, andererseits aber zum Beispiel aus Seniorenheimen zu jedem ihrer Patienten ein Formular zugeschickt bekämen, das sie ausfüllen sollten. Darin wird unter anderem nach Krankheiten, Allergien, Medikamenten gefragt. Das Ausfüllen bedeutet einiges an Arbeit für die Ärzte. Wer bezahlt das? Ärzte befänden sich dann in einer Zwickmühle: Entweder das werde noch geklärt oder der Arzt weigere sich, was für Patienten und Impfärzte nicht gut sei - "oder wir machen es halt zähneknirschend umsonst".

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