Etwas langweilig und nicht gerade einladend wirkt der Erich-Stümpfig-Platz in Fauerbach. Jetzt soll er umgestaltet werden, mit mehr Parkbänken, einem Weg, Wildblumen und kleinen Hecken.		FOTO: NICI MERZ
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Etwas langweilig und nicht gerade einladend wirkt der Erich-Stümpfig-Platz in Fauerbach. Jetzt soll er umgestaltet werden, mit mehr Parkbänken, einem Weg, Wildblumen und kleinen Hecken. FOTO: NICI MERZ

Erinnerung an Mundartdichter

Friedberger Erich-Stümpfig-Platz wird aufgehübscht

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Ein kleiner Platz in Friedberg-Fauerbach ist dem Mundartdichter Erich Stümpfig gewidmet. Aktuell lädt der Platz nicht gerade zum Verweilen ein. Jetzt soll er umgestaltet werden.

Gut Ding will Weile haben - angesichts der Finanzlage der Stadt könnte dies das neue Friedberger Motto werden. Alles dauert ein wenig, Geduld ist gefragt. In diesem Fall war es ein Antrag der Grünen vom November 2016. Für die Umgestaltung des Erich-Stümpfig-Platzes in Fauerbach wurden 24 000 Euro in den Haushalt eingestellt. Neue Sitzbänke und eine geschlossene Buchenhecke schlugen die Grünen als Gestaltungselemente vor.

Im Sommer 2017 lud der Ortsbeirat der Kernstadt zum Ortstermin ein, weitere Gestaltungsvorschläge wurden gemacht. Über zwei Jahre später, im Oktober 2019, wurde eine Bestandsaufnahme des Platzes in Auftrag gegeben. Ortsbegehungen mit der Grünabteilung des Rathauses, Stadtrat Johannes Contag (Grüne) als Anwohner und Ortsvorsteher Norbert Simmer (CDU) folgten, in diesem Frühjahr wurde dann ein Plan erstellt.

Zwei Sitzplätze mit Bänken und Hecken

Vorgesehen sind nun zwei Sitzplätze mit jeweils zwei Bänken entlang eines wassergebundenen Weges, der quer durch die kleine Anlage verläuft. Ein Sitzplatz befindet sich im Schatten einer großen Linde, einer in der Sonne. Um die Sitzplätze wachsen Hecken, ergänzt durch Staudenpflanzungen. Um die Trafostation herum sollen höhere Sträucher gepflanzt werden.

Die Rasenflächen sollen zu Blumenwiesen entwickelt werden, die nur wenige Male im Jahr gemäht werden. Auf eine geschlossenen Buchenhecke wird verzichtet; der Platz wirkt durch die großen Kronen der Lindenbäume jetzt schon recht schattig. Am Zugang von der Wassergasse soll ein kleiner Teil der Wiesenfläche neben dem Weg durch die Aussaat einer Staudenmischung optisch aufgewertet werden. Das Fundament der Informationstafel mit dem Foto des Mundartdichters erhält eine Befestigung aus Natursteinpflaster.

Ein Wunsch der Politik war ein Pkw-Stellplatz im Bereich der Container. Laut Anliegern herrscht hier ein hoher Parkdruck durch Bewohner der Hauptstraße, die abends und an den Wochenenden die Wassergasse zuparken. Insofern lädt ein Parkplatz an den Containern nur zum Falschparken ein. »Gegenüber der Containeranlage ist die Straße stark aufgeweitet, so dass hier ein kurzfristiges Anhalten möglich ist«, teilt die Verwaltung mit. Auf die Neuanlage eines zusätzlichen Parkplatzes werde daher verzichtet.

Im Ortsbeirat der Kernstadt wurden die Umgestaltungspläne positiv aufgenommen. »Der Weg und die Hecke sind gute Ideen«, sagte Carl Cellarius (Grüne). Was ihn jedoch stört, sind die Mülleimer direkt neben den Parkbänken. »In den Mülleimern werden gewöhnlich Hundekotbeutel entsorgt. Ich möchte da nicht sitzen. An den neuen Bänken am Steinernen Kreuz ist das genauso.« Eigene Mülleimer für Hundekotbeutel wären eine Lösung.

Zwei Sammlungen mit Gedichten

Warum wird an verstorbene Politiker, Künstler oder eben Mundartdichter erinnert? Weil sie uns (hoffentlich!) noch immer etwas zu sagen haben. Das lässt sich im Falle Stümpfigs in dessen beiden Gedichtsammlungen »D’s Kommodche« (1965) und »Zwische Dihr un Angel« (1978) nachprüfen. Stümpfigs Gedichte galten seiner Heimat, der Wetterau, wie er im »Vorgebabbel« seines zweiten Gedichtbandes schrieb: »Woas ›Zwischen Dier un Angel‹ ich servier, hoat ebenfalls die Heimat im Visier; die Wärrerra, die zwoar in Hessen lieht, doch aus Europa ständig Zuzug krieht.«

Das ist noch heute so. Nur entschlossen sich die »Zugerasde« zu Stümpfigs Zeiten noch, nicht nur hier zu bleiben, sondern auch Wetterauisch zu lernen.

Ehrenschildträger der Stadt Friedberg

Zwei Gedichtbände halten die Erinnerung an den Wetterauer Mundartdichter Erich Stümpfig (1921-1990) lebendig: »D’s Kommodche« (1965) und »Zwische Diehr un Angel« (1978). Der ehemalige Leiter des DAG-Bildungszentrums Hessen in Gießen wurde 1984 mit dem Ehrenschild seiner Heimatstadt Friedberg aufgezeichnet, als Dank für seine großen Verdienste um die Heimat- und Mundartpflege. Stümpfig war Stadtverordneter, Hilfsschöffe, Schiedsmann, engagierte sich in der Erwachsenenbildung und war Vorsitzender des Friedberger Volksbildungsvereins. Diesen löste er aus dem Verbund der Volkshochschulen und führte ihn in die Eigenständigkeit. Stümpfig organisierte Bildungsreisen und Rezitationsabende, die Mitgliederzahl des Vereins verdoppelte sich von 200 auf 400. Als er Ende 1990 starb, gedachte die Wetterauer Zeitung eines Heimatdichters, der in seinen Betrachtungen stets die Welt der »kleinen Leute« im Blick hatte. Gerade die Gedichte seiner ersten Jahre sind geprägt von Humor und Direktheit und einer Weisheit, die stets geerdet ist: »Mer soll beim Redde wie beim Schreiwe nie mehr als nödig üwwertreiwe. Un muss mer aach de Kümmel reiwe: Mensch bleiwe!...«

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