Die Friedberger Filiale der Commerzbank - hier nach der Automatensprengung im Mai 2019 - soll am Montag wieder öffnen. Alle vier Wetterauer Standorte waren zuletzt wegen der Corona-Pandemie geschlossen. 	ARCHIVFOTO: NIC/FOTOS: PM
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Die Friedberger Filiale der Commerzbank - hier nach der Automatensprengung im Mai 2019 - soll am Montag wieder öffnen. Alle vier Wetterauer Standorte waren zuletzt wegen der Corona-Pandemie geschlossen. ARCHIVFOTO: NIC/FOTOS: PM

Montag

Friedberger Commerzbank-Filiale öffnet wieder

  • David Heßler
    vonDavid Heßler
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Ab Montag sollen die wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Filiale der Commerzbank schrittweise wieder geöffnet werden; zuerst die in Friedberg. Gut möglich aber, dass langfristig einer der vier Standorte in der Wetterau geschlossen wird.

Neben Friedberg ist die Bank in Bad Nauheim, Bad Vilbel und Butzbach vertreten.

Die Commerzbank befand sich im 150. Jahr ihres Bestehens bis zur Corona-Krise auf Wachstumskurs. Das große Fest soll nun auf nächstes Jahr verschoben werden. Gespart werden musste sowieso: Bereits vor der Pandemie war beschlossen worden, rund 200 der 1000 Filialen in Deutschland zu schließen. Zuletzt war in Medienberichten aber auch über die Schließung jeder zweiten Filiale diskutiert worden. Welche das sein werden, ist unklar. Wie Anja Dittmar, seit diesem Jahr Leiterin der Niederlassung Bad Homburg, in einer Telefon-Pressekonferenz sagte, seien die Gespräche dazu noch nicht abgeschlossen. Man werde wohl zuerst auf Filialen schauen, die räumlich nahe beieinander liegen, es könnte aber auch um Standorte im ländlichen Raum gehen. Die Bank will ihre digitalen Angebote ausbauen, vor allem fürs Handy: Bis Ende 2023 sollen alle Produkte auf dem Smartphone abschließbar sein

Die Filiale in Friedberg soll am Montag wieder öffnen. Man baue Spuckschutzwände auf und habe Masken für die Mitarbeiter organisiert , sagte Dittmer. Beratungsgespräche könnten mit dem nötigen Abstand stattfinden. Die drei anderen Filialen sollen sukzessive folgen; die SB-Bereiche mit Geldautomaten und Kontoauszugsdruckern sind aber wie bisher auch erreichbar. Ebenso sind die Mitarbeiter per Telefon oder E-Mail erreichbar.

Bemerkenswert: Im Jahr 2019 waren innerhalb von sechs Monaten gleich zwei Geldautomaten in Friedberg und Bad Nauheim gesprengt worden. Die betroffenen Filialen waren daher länger geschlossen gewesen.

Für eine dauerhafte Filialschließung kommen zumindest schlechte Geschäftszahlen nicht als Argument infrage: Dittmer und auch Bärbel Botteon, Marktbereichsleiterin Privatkunden in Friedberg, sprachen von einer positive Entwicklung.

Im Privat- und Unternehmerkundensegment stieg das Geschäftsvolumen gegenüber 2018 um 6 Prozent auf über 785 Millionen Euro. 900 neue Kunden, 29 Prozent mehr als im Vorjahr, habe man 2019 gewonnen - wozu das weiter kostenlose Girokonto sicher viel beigetragen habe. »Die Bereitschaft zum Wechsel der Bankverbindung ist so hoch wie nie zuvor«, sagte Botteon. Dabei spiele sich das Bankgeschäft immer mehr online ab: 56 Prozent der 29 403 Wetterauer Kunden würden das Onlinebanking nutzen.

Rat: Nur keine Panikverkäufe

Sorgen bereitet nach wie vor das andauernde Zinstief. »Jeder Anleger muss sich überlegen, ob er seine Anlagen unverzinst auf einem Tages- oder Festgeldkonto belässt - das gilt auch in der derzeitigen Krise«, sagte Botteon. Laut ihr erwarten die Experten der Commerzbank nach einer »scharfen Rezession« im ersten Halbjahr bereits in der zweiten Jahreshälfte 2020 eine Erholung in der Realwirtschaft und damit auch an den Börsen. »Wer sein Geld mittelfristig angelegt und breit gestreut hat, sollte Ruhe bewahren. Panikverkäufe sind das Schlimmste, was man jetzt tun kann.«

Auch in Corona-Zeiten würden die Kunden in Immobilien investieren, sagt Dittmer. Man werde eine Delle sehen, weil derzeit Notartermine oder Besichtigungstermine ausfielen, aber der Markt werde dank Niedrigzins auf hohem Niveau bleiben, vermutet sie. 2019 hatte die Commerzbank in der Wetterau im Baufinanzierungsbereich neue Kredite in Höhe von rund 45 Millionen Euro (2018: 35,2 Millionen) vergeben. Die Ratenkredite summierten sich wie im Vorjahr auf ca. acht Millionen Euro.

Die Commerzbank hat in der Wetterau derzeit 31 Mitarbeiter, darunter zwei Azubis.

Hilfe in der Corona-Krise

In Corona-Zeiten sorge die Commerzbank für schnelle und unbürokratische Hilfe für Geschädigte, sagt die neue Leiterin der Niederlassung Bad Homburg, Anja Dittmar. Der bisherige Niederlassungsleiter Andreas Kinnel hat die Bank auf eigenen Wunsch verlassen. Zur Niederlassung gehören 19 Filialen und ca. 157 000 Kunden vom Taunus über die Wetterau und den Main-Kinzig-Kreis bis nach Fulda. Privatkunden, die zum Beispiel von Kurzarbeit betroffen seien, gewähre die Bank bei Ratenkrediten eine dreimonatige Zahlungspause. Danach verzichte man auf eine erneute Kreditwürdigkeitsprüfung. Bei der Baufinanzierung könne die Tilgung vereinfacht bis zu sechs Monate ausgesetzt werden. Kleinunternehmer und Mittelständler, die derzeit Liquiditätsengpässe oder Kreditbedarf hätten, berate man zu den neu aufgesetzten und ausgeweiteten KfW-Corona-Kreditprogrammen des Bundes - aber auch im Hinblick auf andere Unterstützungsformen. hed

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