Die Sanierungsarbeiten am Friedberger Bahnhof haben begonnen. Barrierefreiheit wird aber erst im 2. Bauabschnitt frühestens ab 2024 hergestellt. Gestritten wird über Mitsprachemöglichkeiten und den Durchstich nach Fauerbach.
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Die Sanierungsarbeiten am Friedberger Bahnhof haben begonnen. Barrierefreiheit wird aber erst im 2. Bauabschnitt frühestens ab 2024 hergestellt. Gestritten wird über Mitsprachemöglichkeiten und den Durchstich nach Fauerbach.

Friedberger Stadtparlament

Friedberger Bahnhofssanierung: Grünen wollen mehr Einfluss

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Die Grünen wollen nur das Beste für Friedberg. nach Meinung der übrigen Fraktionen ist es manchmal zuviel des Guten, was gefordert wird. Im Stadtparlament wurde über den Bahnhof diskutiert.

Die Grünen hatten einen Antrag zur Entwicklung des Friedberger Bahnhofs gestellt, der schon im Ausschuss für Stadtentwicklung mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. So war es nun auch in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend in der Stadthalle.

Wie berichtet, verzögert sich der behindertengerechte Ausbau des Bahnhofs. Dem alten Fahrgasttunnel zu den Gleisen fehlt im Falle einer Sanierung die Standfestigkeit, ein neuer Tunnel muss her. Ob der am alten Standort, südlich oder nördlich von der Bahnhofshalle gegraben wird, steht noch nicht fest. Die Baumaßnahme wurde in zwei Abschnitte aufgeteilt, mit dem Bau des Tunnels (samt Aufzügen) wird frühestens 2024 begonnen.

Die Grünen pochen vor allem auf Mitsprache. Sie fordern vom Magistrat regelmäßige Berichte. Eine Bewertung möglicher Standorte der neuen Unterführung solle vorbereitet werden, eine »Bürgerbeteiligung über die Vor- und Nachteile der Standortvarianten, insbesondere unter Einbeziehung der Verlängerung nach Fauerbach, ist durchzuführen«, lauten einige der Forderungen. Und: »Abschließend ist ein Grundsatzbeschluss für die Verlängerung des neuen Fußgängertunnels nach Fauerbach vorzubereiten«.

Wer sich gegen den Grünen-Antrag ausspreche, dem seien die Interessen der Fauerbacher »egal«, sagte Grünen-Sprecher Bernd Stiller, bekam aber umgehend Gegenwind zu spüren. »Über den Standort des Tunnels entscheidet die Bahn anhand der geologischen Gegebenheiten, niemand sonst«, sagt Winfried Ertl (UWG). »Wir sind hier nicht für Wunschkonzerte zuständig, sondern für die Realität«, meinte Achim Güssgen-Ackva (FDP). Man habe Vertrauen, dass die Stadtspitze die Fraktionen über alle wichtigen Schritte unterrichte. Güssgen-Ackva: »Die Grünen können sich aber gerne jeden Dienstagabend treffen und sich über den Bahnhof unterhalten.«

»Wir sollten nicht glauben, wir könnten hier die Richtung bestimmt. Wir müssen abwarten, was die Bahn vorschlägt«, sagte Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD). »Dann erst können wir uns einbringen.« Auch Olaf Beisel (CDU) hielt es nicht für sinnvoll, »jetzt etwas zu besprechen, was dann gar nicht kommt.«

Friedberger Bahnhofssanierung: Die Bahn legt den Standort fest

Für Sven Weiberg (Linke) zeigte sich in solchen Äußerungen »erschreckend wenig politischer Gestaltungswille. Wir wollen einen Grundsatzbeschluss zum Tunnel.« Dafür plädierte auch Florian Uebelacker (Grüne): »Der Durchstich ist kein Spleen. Sie drücken sich vor einer Entscheidung.«

Rosa Maria Bey (CDU) hatte wenig Verständnis dafür, dass die Grünen, wie Rack vorgeschlagen hatte, ihren Antrag nicht zurückzogen. Die Bahnvertreter hätten im Ausschuss das weitere Vorgehen erläutert, danach sei der Antrag nicht mehr nötig. Zur Bürgerbeteiligung sagte Bey: »Nehmen Sie zur Kenntnis, dass nicht ein paar tausend Bürger über den Standort der Unterführung entscheiden können, das kann nur die Bahn.«

Ein Besucher der Sitzung meinte in der Pause, er frage sich, wie viele Fauerbach tatsächlich den Tunneldurchstich forderten. »Die meisten Fauerbacher wohnen südlich der Fritz-Reuter-Straße, die kommen über die Große Unterführung in die Stadt. Die Bewohner des Viertels östlich der Barbarastraße nehmen die Kleine Unterführung. Da bleibe nicht mehr viele, die den Tunnel nutzen würden.« Die Diskussion über Sinn oder Unsinn eines Millionen-schweren Fußgängertunnels wird Friedberg noch länger begleiten.

Für den Grünen-Antrag zur Entwicklung des Bahnhofs stimmte neben den Grünen selbst nur die Linke, die Mehrheit lehnte den Antrag ab.

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