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Friedberger Bahnhof: Bangen um Kiosk, Hoffen aufs Klo

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Unterstützung: Bürgermeister Keller (M.) und die SPD-Parlamentarier im Gespräch mit den Kioskbetreibern.
Unterstützung: Bürgermeister Keller (M.) und die SPD-Parlamentarier im Gespräch mit den Kioskbetreibern. © Jürgen Wagner

Friedberg (jw). Laut RMV nutzen täglich 18 000 Menschen den Friedberger Bahnhof. Er zählt somit zur »Kategorie 3«, in der keine Toiletten vorgesehen sind. Was tun? Die SPD will das Problem aus der Welt schaffen.

Ihr Vorschlag: Die Stadt baut eine Toilette. Das Geld stünde theoretisch bereit, denn im Haushalt sind 150 000 Euro für eine Toilette auf dem Elvis-Presley-Platz vorgesehen.

Am Dienstag besuchte die SPD auf ihrer Sommertour den Bahnhof. Gleich mehrere »Baustellen« gibt es dort, vom Busbahnhof, der umgestaltet werden muss, bis zum Kiosk. Dem Betreiber hat die Deutsche Bahn gekündigt. Die Kunden sind empört und haben eine Petition zum Erhalt des Kult-Kiosks gestartet (www.openpetition.de). 541 Unterstützer waren es gestern Mittag. Bürgermeister Michael Keller freut sich über die vielen Bahnkunden, die unterschrieben haben. Kioskbetreiber Ashok Bagga hat nicht nur von ihm aufmunternde Worte gehört, sondern auch von seinen Kunden. Von der Bahn, die ihm gekündigt hat und nun mit Zwangsräumung droht, hat Bagga seither nichts gehört. »Ein Kunde meinte, der Kiosk sei ein Stück Friedberg, der müsse bleiben. Das hat mich sehr gerührt«, sagt Bagga.

Auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Marion Götz drückte ihr Unverständnis gegenüber den Plänen der Bahn aus. Das betrifft nicht nur den Kiosk, sondern vor allem die fehlende Toilette. »Wir haben bei unserer Sommertour auch mit den Bus- und Taxifahrern gesprochen. Aber reden alleine hilft nicht. Eine Lösung muss her.« Wann die Bahnhofs-Toiletten, die sich gegenüber vom Kiosk befanden, geschlossen wurden, weiß keiner zu sagen. Bagga betreibt den Kiosk seit 20 Jahren. »Ich habe hier nie eine öffentliche Toilette gesehen.« Eine Schlagzeile aus der WZ vom Februar 2003 lautete: »Nächstes Ziel: Toilette im Friedberger Bahnhof.« Im Oktober 2000 hat sich ein Kollege bei der Telefonrecherche über die Frage, warum es dort kein Klo gibt, »die Finger wund gewählt«.

Wenn’s die Bahn nicht macht, muss eben wieder die Stadt ran, ähnlich wie bei der Bike-Station. »Es geht darum, etwas für die Menschen zu tun«, sagt Keller. Daher der Vorstoß der SPD: Das Café-Rund auf dem Elvis-Presley-Platz hat sich als Toilette etabliert, für ein richtiges Café ist es zu klein. Das Geld, das dort für den Bau einer neuen Toilette vorgesehen war, könnte am Bahnhof verbaut werden.

Wie Götz sagt, überlegt die SPD, einen entsprechenden Antrag im Stadtparlament zu stellen. »Vorher wollen wir aber noch klären, ob es auch ohne städtisches Geld geht.« Das Bahnhofsmanagement hatte im vergangenen Jahr versprochen, man werde nachfragen, ob sich ein privater Investor findet. Götz: »Wenn nicht, muss die Stadt für eine Lösung sorgen. Wir können nicht noch weitere Jahre warten.«

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