laf_Hammer_180621_1_4c_1
+
Für neun Taten im vergangenen Sommer muss ein 25-jähriger Iraner für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. SYMBOLFOTO: DPA

Gerichtsprozess

Friedberger Amtsgericht: Freiheitsstrafe für Mehrfachtäter aus Bad Nauheim

Ein junger Mann aus Bad Nauheim hat sich am Mittwoch vor dem Friedberger Amtsgericht für neun Taten verantworten müssen. Das Urteil: Freiheitsstrafe und Entzug Eine Therapie wird empfohlen.

Das Urteil ist gefallen: Am Mittwochnachmittag wurde ein 25-jähriger Iraner am Friedberger Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Der Angeklagte wurde der Körperverletzung, der Körperverletzung mit Bedrohung, versuchter gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen, gemeinschädlicher Sachbeschädigung, Bedrohung in drei Fällen sowie versuchter Nötigung schuldig gesprochen. Der Schuldspruch beinhaltet neben der Freiheitsstrafe eine Unterbringung in einer Entziehungseinrichtung. Eine zeitnahe Therapie wurde empfohlen.

Friedberger Amtsgericht: Zeuge widerspricht Geschädigtem

Der Prozess, der am 27. April begonnen hatte, endete mit der Verhandlung am Mittwoch. Dem Bad Nauheimer werden neun Straftaten im Zeitraum vom 21. Juli bis 22. September 2020 vorgeworfen.

Ein Zeuge war geladen. Der 28-Jährige sagte, er sei einmal bei einem weiteren Zeugen und Geschädigten zu Besuch gewesen, als der Angeklagte geklingelt habe. »Ich habe nichts gesehen. Ich habe nur gehört, wie mein Freund plötzlich laut ›Geh raus!‹ gerufen hat«, schilderte der Zeuge. Seiner Aussage zufolge haben sich das spätere Opfer und der 25-jährige Iraner gekannt.

Der 35-jährige Geschädigte war vom Angeklagten in Höhe des Lidl-Marktes in Fauerbach mit einem Kopfstoß angegriffen worden, behauptete vor Gericht, seinen Angreifer vorher nie gesehen zu haben. Der Angeklagte sagte, er habe bei dem vorherigen Besuch Kokain bei dem späteren Opfer kaufen wollen. Der Geschädigte habe dabei eine Schusswaffe auf ihn gerichtet. Mit dem Kopfstoß habe sich der Beschuldigte verteidigen wollen, da er gefürchtet habe, diesmal erschossen zu werden. Der am Mittwoch geladene Zeuge bestätigte, dass an der Wand des Geschädigten einige Schusswaffen gehangen hätten.

Friedberger Amtsgericht: Angeklagter entwickelte Psychose unter Drogeneinfluss

»Die Diagnose des Angeklagten lautet Mehrfachabhängigkeit. Er hat im Tatzeitraum entweder konsumiert oder sich vom Konsumieren erholt. Seine Substanzen waren vor allem Cannabis und Amphetamine«, sagte der Sachverständige Dr. Jens Ulferts. Der Angeklagte leide an einer drogenindizierten Psychose und einer Dissozialität, die es ihm schwer mache, sich selbst zu kontrollieren. In einigen der neun Anklagepunkte könne der Sachverständige eine verminderte Steuerungsfähigkeit durch Drogenkonsum daher nicht ausschließen. Eine uneingeschränkte Einsichtsfähigkeit sah er aber bei folgenden Taten: In einer psychiatrischen Einrichtung hatte der Angeklagte einen Pfleger beschuldigt, ein »Fascho« zu sein, den er totschlagen wolle. »Das hatte nichts mit Drogen zu tun, das war schlechtes Benehmen«, sagte Ulferts. Ebenso wenig sei der Angeklagte hinsichtlich der Morddrohung gegen einen Busfahrer, der ihm ohne Maske die Mitfahrt verwehrt hatte, als vermindert schuldfähig einzuschätzen. Auch für die letzten drei Anklagepunkte - Körperverletzung, Bedrohung und versuchte gefährliche Körperverletzung - sah der Sachverständige keine Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit.

»Der Angeklagte hat ohne eine Therapie eine negative Sozialprognose. Er wird sonst sehr wahrscheinlich wieder Straftaten begehen«, sagte Ulferts und empfahl eine Therapie über einen Zeitraum von anderthalb Jahren, mit der sich der Angeklagte ausdrücklich einverstanden erklärte.

Die Staatsanwaltschaft plädierte für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten, während der Pflichtverteidiger eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und einem Monat, eine Geldstrafe von insgesamt 1300 Euro und eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt forderte.

Vor dem Urteil kam der Angeklagte in gebrochenem, aber verständlichem Deutsch zu Wort: »Ich entschuldige mich bei allen Beteiligten. Ich habe böse Sachen gemacht, aber ich war nicht ich selbst. Die Drogen haben mich zu einem anderen Menschen gemacht. Ich will diese Therapie machen und ein besserer Mann werden.«

Friedberger Amtsgericht: Zweite Anklage fallen gelassen

Der Richter verlas das Urteil: zwei Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe und Unterbringung in einer Entziehungseinrichtung. Das Urteil begründete er folgendermaßen: »Bei den meisten Taten ist zwar nicht viel passiert, aber sie sind nachgewiesen. Viele hat er zugegeben.« Dass er hier Asyl gesucht habe, sei richtig. Dass aber sein Hang zu Rache und Selbstjustiz die Bevölkerung in Angst versetze, könne nicht geduldet werden.

Seit Oktober 2020 befindetsich der Angeklagte in Unter-suchungshaft. Eine zweite Anklage, die sich auf vier Taten, darunter tätlicher Angriff, körperliche Misshandlung, Bedrohung und Beleidigung, aus den Jahren 2018 und 2019 bezieht, wurde nach Paragraf 21 des Strafgesetzbuches - aufgrund verminderter Schuldfähigkeit - fallen gelassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare