Igel brauchen im Winter einen geschützten Unterschlupf - in der Wetterau scheinen sie derzeit nicht sicher zu sein. (Symbolbild)
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Igel brauchen im Winter einen geschützten Unterschlupf - in der Wetterau scheinen sie derzeit nicht sicher zu sein. (Symbolbild)

Tierquälerei in der Wetterau

Wetterau: Mehrere Igel gequält und angezündet – Tierhasser unterwegs? 

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Schon vor mehreren Wochen sorgte der erste Fall einer Igel-Misshandlung für helle Aufregung in der Wetterau. Die Tierquälerei reißt nicht ab - mittlerweile sind 25 Igel gefoltert worden.

  • In den vergangenen Monaten häufen sich in der Wetterau Fälle von Igel-Misshandlungen.
  • Unbekannte Tierhasser bereiten den Igeln Höllenqualen oder töten sie.
  • Der Verein „Igelmama“nimmt den Kampf auf, die Polizei hilft.

Friedberg – »Einige hatten Brandverletzungen, einige haben nur nach Benzin gerochen, einige hatten schwere innere Verletzungen. Es gab trächtige Tiere, die Totgeburten hatten.« Auch Corina Weisbrod, Sprecherin der Wetterauer Polizei, ist fassungslos angesichts des Tierhasses, den ein Mensch haben kann. Es geht um mittlerweile 25 Igel, die laut Polizei im Zeitraum Juni bis Anfang November in Friedberg gequält worden sind. All diese Tiere seien im Bereich Stadthalle/Henry-Benrath-Schule aufgefunden worden. Meistens an einem Sonntag oder einem Montag, was vermuten lässt, dass die Tiere an Wochenenden malträtiert worden sind. »Die meisten haben das überlebt«, sagt Weisbrod.

Igel-Quälerei in Friedberg: Tiere angesenkt und traumatisiert

Wie die Tiere überlebt haben, wie sehr ihnen das Trauma zusetzt, weiß Jutta Knieriem-Haustein. Die Ober-Wöllstädterin ist Vorsitzende des Vereins »Igelmama«, kümmert sich um die posierlichen Tierchen. Eine Igel-Dame etwa fresse nichts, seitdem sie bei ihr aufgenommen worden sei. Das Tier sei rundherum schwarz.

Im Gebiet nahe der Friedberger Seewiese kümmern sich Anwohner um Igel, haben für sie Futterstellen eingerichtet, sagt Knieriem-Haustein. Eine Frau habe »ihre« Igel durchgecheckt. Dabei seien ihr die Brandwunden aufgefallen. Die Anwohnerin habe sieben Igel nach Wöllstadt gebracht, von denen drei angesenkt gewesen seien. Die anderen seien zu klein und traumatisiert gewesen, sagt Knieriem-Haustein. Ein kleiner Igel sei gestorben, wahrscheinlich aber wegen Mangelernährung.

Ziel ist es, die Igel auszuwildern - was in vielen Fällen auch schon geschehen ist. Vier der misshandelten Tiere sind derzeit noch in der »Pension« in Ober-Wöllstadt untergebracht.

Dieser Wonneproppen dürfte überleben - trotz der Brandwunden. Das freut natürlich auch Jutta Knierim-Haustein vom Verein »Igelmama«. Die Ober-Wöllstädterin kümmert sich um Igel, die in Friedberg gequält worden sind. FOTO: NICI MERZ

Tierhass in Firedberg: Die Igel-Mutter kam raus, die Babys aber nicht

Wiederholt hatte die WZ in den vergangenen Monaten über gequälte und getötete Igel berichtet. Im September sprach Knieriem-Haustein unter anderem von einem Igel, der die Qualen nicht überlebt hatte. Er war angezündet worden, starb letztendlich an inneren Verletzungen. Die Igel-Expertin vermutete damals, weil mit ihm »Fußball gespielt« worden sei. Wahrscheinlich seien auch vier Igel-Babys verendet, denn bei einem malträtierten Weibchen habe man vier Zitzen entdeckt, an denen kleine Igel gesäugt hätten. Doch von den Tierchen habe jede Spur gefehlt. Die Igel-Expertin vermutete damals im WZ-Gespräch, dass das Nest der Igel-Mutter angezündet worden sei. »Sie kam raus, die Babys nicht.«

Igel-Morde in der Wetterau: Mehrere Fälle in Ober-Mörlen

Grausamkeit gegenüber Igeln - das gab es in diesem Jahr auch mehrfach in Ober-Mörlen. So wurden fünf tote Igel auf dem Friedhof-Parkplatz gefunden. Sie steckten in Plastikbeuteln, die wiederum in einer großen Plastiktüte und in einem Eimer lagen. Außerdem wurden acht tote Igel in der Usa in Höhe der Schlossmauer entdeckt. Sie lagen am Ufer, waren teils abgetrieben, ein Tier lag in einem Plastikkasten mit Deckel. Einem der Igel waren die Hinterbeinchen mit Geschenkband aus Kunststoff zusammengebunden worden. Ende Oktober fanden Spaziergänger zwei tote Igel in einer Plastiktüte am Sportplatz in der Straße An der Hüftersheimer Mühle.

Spenden sind sehr willkommen

Der Verein »Igelmama« kann für seinen umfangreichen Einsatz Spenden gebrauchen. Auf folgendes Konto kann man Geld überweisen: Kontoinhaber: IGELMAMA e.V., IBAN: DE07 5139 0000 0066 5111 03, BIC: VBMHDE5F (Volksbank Mittelhessen eG). Auch der Bad Nauheimer Otto Luzius kümmert sich um Igel in Not, und auch er kann für sein Igel-Engagement Unterstützung gebrauchen: Spendenkonto: Otto Luzius, Stichwort »Igelhilfe«, Volksbank Mittelhessen, IBAN DE72 5139 0000 0090 1465 05.

Polizei bittet um Hinweise zu Igel-Quälereien und Morden in der Wetterau

Bisher habe es weder zu den Friedberger, noch zu den Ober-Mörler Fällen relevante Hinweise gegeben, sagt Corina Weisbrod von der Polizei. Sie bittet deshalb weiter um Hinweise unter den Telefonnummern 0 60 33/7 04 30 oder 0 60 31/60 10. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Taten in den beiden Kommunen gebe, sei unklar,

Polizeisprecherin Weisbrod und Tierschützerin Knieriem-Haustein sehnen beide ein Ende der Tierquälereien und -tötungen herbei. Sie hoffen, dass der Winterschlaf hilft. Dann nämlich laufen die Tierchen natürlich nicht mehr von A nach B, und die Möglichkeit, dass ein Mensch mit grausamen Absichten einen Igel zu Gesicht bekommt, dürfte kaum gegeben sein.

Mitglieder des Vereins »Igelmama« schauen jetzt an den Fundorten abends nach dem rechten, sagt Knieriem-Haustein. Die Anwohner wüssten Bescheid, auch Spaziergänger seien informiert. »Es achtet jetzt jeder darauf, dass da nichts passiert, was nicht passieren muss.« Doch was ist, wenn der Winterschlaf beendet ist? »Wir rechnen damit, dass das Dilemma beginnt, wenn die Igel aufwachen.«

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