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Hier wird’s eng: Anwohner Bernhard Siller (M.) beobachtet, wie ein Radfahrer kurz vor der Engstelle den Gehweg benutzt. Die Anwohner können sich einen kombinierten Rad- und Gehweg vorstellen. Siller fordert außerdem Tempo 30, als Schutz vor Rasern.

Ausbau der Landesstraße

Neue Landstraße: Neuer Vorschlag für altes Friedberger Problem

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Wo wird die neue Landesstraße zwischen Fauerbach und Bruchenbrücken verlaufen? Bernhard Siller, Bewohner der Görbelheimer Mühle, hat einen neuen Vorschlag gemacht.

Kommt ein Laster um die Ecke gefegt, erschrickt man. Die Engstelle an der Görbelheimer Mühle bereitet nicht nur den Verkehrsplanern, sondern vor allem den Bewohnern Kopfzerbrechen. Sie leiden unter dem Lärm und der Gefährdung. Vor Jahren haben sie ein Geschwindigkeitsmessgerät aufgestellt. "Das bringt was", sagt Bernhard Siller. Aber nicht alle bremsen ab. Ginge es nach den rund 60 Bewohnern des Anwesens - darunter elf Kinder und 23 Personen über 60 -, müssten Autofahrer hier noch mehr auf die Bremse treten als bisher.

In einem Brief an Landrat Jan Weckler und Bürgermeister Dirk Antkowiak (beide CDU) hat Siller einen neuen Vorschlag zur Sanierung der Landesstraße gemacht: eine vierte Variante, die den Verkehr beruhigen soll. Siller schlägt vor, den Radweg durchgängig an die östliche Seite der Straße zu verlegen. Dann müsste der Radweg nicht zweimal die Straße kreuzen. Direkt an der Mühle schlägt er einen kombinierten Bürgersteig mit Radweg vor. Dieser Abschnitt müsse durch Tempo 30 sowie eine "Pförtnerampel" (die bei zu hohem Tempo stets "Rot" zeigt) gesichert werden. "Wir, Ortslandwirt Guido Blackert und sicher auch die meisten Bruchenbrückener wären mit dieser Lösung einverstanden." Landrat und Bürgermeister sollten ihren Einfluss durch das Straßenverkehrsamt nutzen, heißt es in dem Brief.

Auf der Prioritätenliste

Siller unterstreicht, dass die Bewohner nie an die momentan geplante Verkehrsführung entlang der Bahnlinie gedacht hätten. "Hiermit möchte ich der Unterstellung der Öffentlichkeit entgegentreten, dass wir - die Bewohner der Görbelheimer Mühle - die Initiatoren dieser Aktivitäten von Hessen Mobil seien." Siller erinnert daran, dass es Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) war, der Gelder freigab, um Landesstraßen zu sanieren. Hessen Mobil habe den Abschnitt der L 3351 aus mehreren Gründen auf der Prioritätenliste. Die Straße sei in der Substanz sanierungsbedürftig. Die Ampel an der Unterführung stelle ein Hindernis dar. Die Bahn sei verpflichtet, die 120 Jahre alte Brücke zu erneuern. "Eine Zweispurigkeit, die auch die größten Lastwagen durchlässt, entspricht dem Regelwerk von Hessen Mobil."

Für Radfahrer lebensgefährlich

Derzeit gilt an der Görbelheimer Mühle Tempo 50. Nach dem Regelwerk von Hessen Mobil soll auf Landesstraßen Tempo 100 möglich sein. Auch deshalb gebe es die Ausbaupläne, sagt Siller. Zudem sei die Kurve an der Mühle ein Unfallschwerpunkt. Für Radfahrer sei die komplette Strecke lebensgefährlich, es fehle nach wie vor ein Radweg. Die Bushaltestelle sei ungesichert, besonders im Winter sei dies für Kinder gefährlich. Auch würden durch Lkw-Verkehr und überhöhtes Tempo die Gebäude beschädigt.

Genügend Gründe also, die Streckenführung zu verändern. Nur stoßen die Planungen der Landesbehörde bei den Bewohnern (und nicht nur bei ihnen) auf Ablehnung. Siller: "Die erste Variante, die Straße zu verbreitern, die Erdkeller samt Garten abzureißen, das Naturdenkmal der 500 Jahre alten Linde zu gefährden und eine erhöhte Lärm- und Geschwindigkeitsbelastung zuzulassen, wäre für uns unvorstellbar. Außerdem steht alles unzweifelhaft unter Natur- und Denkmalschutz."

Die zweite Variante, die neue Straße möglichst nah an die Bahnlinie zu verlegen, würde nach Berechnungen des Planungsbüros von Hessen Mobil ein bis zwei Hektar Land verbrauchen. "Bitte informieren Sie sich selbst und verlassen Sie sich nicht auf andere (Pi-mal-Daumen-)Berechnungen", appelliert Siller an die Adressaten des Briefs. Dabei würde die alte Straße zurückgebaut und als Radweg für alle nutzbar.

Die Grünen schlugen eine dritte Variante vor: Der Radweg solle ins Feld oberhalb der Erdkeller verlegt werden. Dann wäre der Radweg für die Mühlenbewohner nicht erreichbar, ohne die Straße zu überqueren. "Zusätzlich müsste der Radweg die dann schnellere Straße zweimal kreuzen. Ob er dann, wegen der Steigung über den Hügel, überhaupt genutzt würde, bleibt fraglich."

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