Viel zu lachen haben die Besucher, die sogar ihre Klapptische und Fußstützkisten in den Rathauspark mitgebracht haben. FOTOS: LONI SCHUCHARDT
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Viel zu lachen haben die Besucher, die sogar ihre Klapptische und Fußstützkisten in den Rathauspark mitgebracht haben. FOTOS: LONI SCHUCHARDT

Im Rathauspark

Friedberg: Umjubelter Auftritt von Kabarettist Dietrich Faber

  • vonHarald Schuchardt
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Kabarettist und Autor Dietrich Faber beendet seine Reihe von Vogelsberg-Krimis mit Kommissar Bröhmann. Aus diesem Anlass war Faber für einen "Zugabe"-Auftritt in Friedberg zu Gast.

Es ist fast zehn Jahre her, da kreierte der Kabarettist und Autor Dietrich Faber die Figur des Vogelsberger Kommissars Henning Bröhmann. Dem 2011 erschienenen ersten Vogelsberg-Krimi mit dem Titel "Toter geht’s nicht" folgten fünf weitere. Mit "Sorge dich nicht, stirb" hat der gebürtige Gießener im letzten Jahr seine Bröhmann-Reihe beendet. Damit den Fans des Kriminalhauptkommissars der Abschied nicht allzu schwerfällt, hat sich der Wetterauer Kulturpreisträger von 2015 entschlossen, mit "Bröhmann - Die Zugabe!" noch mal auf Tour zu gehen.

Der Auftritt beim bewährten Mix aus Lesung, Comedy, Kabarett und Musik feierte am Samstagabend im Rathauspark eine umjubelte Premiere. Knapp 150 Besucher - und somit so viele wie bisher noch nicht - waren bei schwül-heißem Wetter zur 5. Veranstaltung in der Reihe "Sommer im Rathauspark - schwere Zeiten - leichte Unterhaltung" gekommen.

"Diese Reihe ist so etwas wie ein Reigen alter Bekannter", meinte Veranstalter Harry Thyssen und plauderte bei seiner Begrüßung aus dem Nähkästchen. "Ich habe noch nie eine Veranstaltungsreihe in drei Tagen aus dem Boden gestampft", sagte Thyssen und dankte allen Unterstützern der "Corona-Reihe". Dazugehört - neben Stadt, Rotary-Club, Ovag, LINDA-Apotheken und Sparkasse Oberhessen - auch der Kultursommer Mittelhessen.

Figuren führen ein Eigenleben

Dank gab es auch von Faber an Thyssen, denn "ich war in den letzten Monaten nicht so oft unter Leuten, schon gar nicht auf der Bühne", meinte der Kabarettist. Mit dabei hatte er fünf seiner sechs Bröhmann-Bücher. "Ich muss sehen, dass ich immer das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt finde", meinte Faber. Doch diese Angst war völlig unbegründet, wie sich im Laufe des Abends herausstellte.

Im Mittelpunkt standen - wie schon bei den früheren "Shows zum Krimi" - nicht die Mordfälle, sondern Bröhmann, dessen Familie und zahlreiche Figuren, von denen sich einige inzwischen verselbstständigt haben und "ein Eigenleben führen". Die Faber-Kenner im Publikum wussten sofort, wer damit gemeint war: Manni Kreuzer, der "Country-Weltstar aus Schotten-Rainrod-West". Immer wieder verwandelte sich Faber von Bröhmann in den schrulligen Sänger, der mit seinen ganz eigenen philosophischen Einlassungen für unzählige Lacher sorgte. Mit seinem "Wenn-Song", mit dem er sich "so durch die Welt worschtelt", eröffnete "Kreuzer" sein Programm.

Genauso lustig war Faber aber auch in der Rolle von Bröhmann, der seinen Kampf mit den vier Kindern und seiner Frau hat. Letztere schleppt ihn mit zu einem Tango-Kurs der Volkshochschule Nidda, wo das Paar auf den angeblichen Supertänzer "Günni aus Ober-Hörgern" trifft. Wie Faber über die Bühne tänzelte, sorgte bei den Zuschauern für Begeisterung ebenso wie der Dialog mit seiner Tochter Melina, die als 14-Jährige leicht bekleidet als "Nutte" zum Niddaer Faschingsumzug gehen will. "Sie sagt nur noch Arsch zu mir", konstatierte "Bröhmann".

Ob bei der Besprechung vor dem F-Jugend-Fußballturnier mit Sohn Laurin oder dem Elternabend in der Kindergruppe "Schlumpfloch", Bröhmann fühlt sich oft falsch verstanden oder unwohl. In seiner Show gelang es Faber immer wieder, Bezüge zur jetzigen Situation in der Corona-Krise herzustellen.

Plädoyer für Meinungsfreiheit

So las der Kulturpreisträger seine vor einigen Wochen auch in dieser Zeitung veröffentlichte Kolumne "Die Meinung" vor. Dem vehementen Plädoyer für Meinungsfreiheit folgte eine "Fast-Welturaufführung" von Manni Kreuzer mit seinem hochaktuellen Song "Systemirrelevant".

Nicht enden wollte der Schlussapplaus. "Danke, dass ihr gekommen seid, danke an Harry Thyssen und danke an die tolle Technik", sagte Faber, der sich mit einem letzten Manni-Kreuzer-Song im "weichen ¾-Takt" verabschiedete.

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