Im Winter glitzern die Platanen auf dem Elvis-Platz, im Sommer haben sie Durst. FOTO: NIC
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Im Winter glitzern die Platanen auf dem Elvis-Platz, im Sommer haben sie Durst. FOTO: NIC

Friedberg sucht Baumpaten

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Friedberg(jw). Die Kreisstadt sucht Baumpaten - Menschen, die sich im Sommer um Straßenbäume kümmern und diese bewässern. Die Stadtverordneten haben in ihrer letzten Sitzung vor Weihnachten ein Konzept verabschiedet, das auf einen CDU-Antrag zurückgeht. Kritik am Konzept äußerten Grüne und Linke.

Das Konzept für Baumpatenschaften sieht vor, dass sich jeder Pate oder jede Patin um einen Baum und die dazu gehörige Baumscheibe kümmert. Vier große Gießkannen Wasser benötigt ein junger Baum in der heißen Jahreszeit. Ältere Bäume haben meist tief reichendere Wurzeln, können sich besser versorgen. Für die Wurzeln des Baumes ist Bodenluft genauso wichtig wie Wasser. Deshalb muss die Erde aufgelockert werden.

Die Baumpaten können auch "ihre" Baumscheibe von Unkraut befreien, mit Blumen bepflanzen und in eine "Augenweide" verwandeln. Empfohlen wird auch eine "Baumpflege plus": Die Paten setzen bei der Begrünung auf heimische Blumen, was die Insekten freut; auf Pestizide sollte ohnehin verzichtet werden. Und wer beim Blumenpflücken von der Leiter fällt, ist über die Stadt unfallversichert.

Das sind nur einige der Regeln und Hinweise, die Baumpaten zu beachten haben; Im Rathaus gibt es ein vierseitiges Info-Blatt, das über alle wichtigen Dinge informiert. "Wir sehen die Vorteile des Konzepts, aber wir sehen auch ein großes Problem", sagte Dr. Nicholas Hollmann (Grüne). Wo kommt das Wasser her, mit dem die Paten ihre Bäume gießen? Aus der Leitung? Das dürfe nicht sein. "Die Stadt hat für Trockenzeiten kein Konzept entwickelt", sagte Hollmann und schlug eines vor: Darf im Fall einer Wasserknappheit kein Trinkwasser für die Garten- oder Baumbewässerung verwendet werden, müsse die Stadt diese Aufgabe übernehmen. Dann springe der Baubetriebshof ein. Auch Anja El Fechtali (Linke) kritisierte, das Konzept sei aus diesem Grund nicht durchdacht.

"Wer soll den nötigen Verwaltungsaufwand stemmen?", fragte Achim Güssgen-Ackva (FDP). Sven Weiberg (Linke) konterte, ausgerechnet jene Fraktionen, dank deren Entscheidungen die Klimakatastrophe voranschreite, wolle jetzt dem Vogelsberg das letzte Wasser abgraben.

Der Änderungsantrag, wonach die Stadt in Trockenzeiten die Bewässerung der Bäume übernimmt, wurde bei Stimmengleichheit (SPD, Grüne und Linke "Ja", CDU, UWG und FDP "Nein") abgelehnt. Das Konzept für Baumpatenschaften wurde mehrheitlich beschlossen, bei Gegenstimmen der Linken und Grünen und einem "Nein" aus der SPD.

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