Für Studierende der THM in Friedberg beginnt am Montag die Prüfungsphase. Die Prüfungen finden als Präsenzveranstaltungen statt - in Sälen der THM und in der Stadthalle.	ARCHIVFOTO: NICI MERZ
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Für Studierende der THM in Friedberg beginnt am Montag die Prüfungsphase. Die Prüfungen finden als Präsenzveranstaltungen statt - in Sälen der THM und in der Stadthalle. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

Trotz Pandemie

An der THM in Friedberg stehen Prüfungen vor Ort an

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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An der THM in Friedberg beginnt am Montag die Prüfungsphase. Geprüft wird vor Ort und nicht online - Pandemie hin oder her. Wie soll das ablaufen in Zeiten von Corona?

Möchten die Städte Friedberg und Gießen es wirklich riskieren, aufgrund der Unflexibilität der Entscheidungsträger der THM zum nächsten Corona-Hotspot zu werden?« Die Mutter eines jungen Mannes, der an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Friedberg studiert, kann es nicht fassen, dass ab Montag bei physischer Anwesenheit Klausuren geschrieben werden. »Das führt die ganze Politik ad absurdum«, sagt die Frau, die anonym bleiben möchte. Zu den Prüfungen hat sie eine klare Meinung: »Ich finde es nicht verantwortbar in der jetzigen Zeit.« Was wäre die Alternative? »Mein Weg wäre online. Es geht, es ist machbar«, sagt die Mutter. Auch wenn man das nicht bis nächste Woche hinbekommen würde. Aber: »Wir haben das Thema ja seit einem Jahr.«

THM-Präsident Prof. Matthias Willems bewertet die Entscheidung für Präsenzprüfungen anders. »Ich sehe dazu schlichtweg keine Alternative. Und viele Studenten wollen auch weiterkommen im Studium«, sagte er am Freitag.

FFP2-Masken werden zur Verfügung gestellt

Um Präsenzprüfungen in Friedberg zu realisieren, musste einiges geregelt werden. Stichwort Masken: Die Nutzung einer FFP2-Maske (oder KN 95) während der gesamten Klausur, auf den Verkehrsflächen und bei einer gemeinsamen Anreise mit dem Auto wird vonseiten der THM dringend empfohlen. Hochschule und AStA stellen den Prüflingen für die Klausur kostenlos FFP2-Masken zur Verfügung, doch sie können sie nicht dazu zwingen, diese Masken zu tragen. »Medizinische Masken bieten einen geringeren Schutz und werden von der THM weder empfohlen noch ausgegeben«, gibt die Hochschule bekannt. Sogenannte Alltagsmasken dürfe sie »aufgrund der Rechtslage leider noch nicht ausschließen«, rate aber davon ab, eine solche zu verwenden. Face Shields seien nicht zulässig. Laut THM-Präsidiums kann eine FFP2-Maske länger als die von der Arbeitsschutzverordnung empfohlenen höchstens 75 Minuten getragen werden, da die körperliche Anstrengung eher gering sei und kaum gesprochen werde. Zudem wird auf eine THM-Studie zu Atemfrequenz und Sättigung des Blutes mit Kohlendioxid verwiesen.

Würde jeder Student zu Hause an seinem Computer die Klausur schreiben, würde sich das Maskenthema nicht stellen. Doch so weit ist die THM (noch) nicht. Aktuell würden technische und rechtliche Rahmenbedingungen geklärt, erste Pilotvorhaben seien in einigen Fachbereichen auf den Weg gebracht worden, heißt es vonseiten der THM.

Überwachung wäre problematisch

Besonders bei Klausuren mit vielen Teilnehmern sei online die Prüfungsaufsicht problematisch. Proctoring-Programme, die zum Beispiel Augen-, Mund-, und Kopfbewegungen verfolgen und so Täuschungsversuche erkennen sollen, seien unter anderem aus datenschutzrechtlichen Gründen umstritten. Die Alternative, Klausuren durch mündliche Online-Prüfungen zu ersetzen, stoße schnell an Belastungsgrenzen der Hochschule.

Warum werden die Prüfungen nicht verschoben? Antwort aus dem THM-Präsidium: »Da Prognosen zum Ende der Pandemie Spekulation sind, fehlt derzeit die Grundlage, auf welchen Zeitpunkt verschoben werden sollte.« Zu bedenken ist auch, dass verschobene Prüfungen in eine Phase verlegt werden könnten, in der sowieso schon reguläre Prüfungen anstehen - der »Stau« wäre da.

Wer nicht kommt, darf nachschreiben

Der nun anstehende Prüfungszeitraum wurde von drei auf fünf Wochen ausgeweitet. Und es gibt zwei weitere Entlastungen: Wer sich zu den Prüfungen angemeldet hat und doch nicht hingeht, darf nachschreiben. Wer seine eigentlich letzte Chance unter den Corona-Bedingungen versemmelt, bekommt doch noch eine Chance.

Prüfungsphasen sind besondere Zeiten. Das gilt umso mehr unter Pandemie-Bedingungen. Anschaulich wird dies in einem Schreiben von THM-Vizepräsidentin Prof. Katja Specht an Studierende; darin heißt es: »Bereiten Sie sich auf die Klausur nicht nur inhaltlich vor, sondern üben Sie das Tragen der (FFP2-)Maske für die Dauer der Klausur, um sich mit der Situation vertraut zu machen. Bitte schauen Sie sich vor Benutzung einer FFP2-Maske unbedingt das Unterweisungsvideo der THM an, welches wir noch in dieser Woche auf der Homepage der THM unter ›Corona-Info‹ bereitstellen werden. Bedenken Sie bei der Kleidungswahl, dass es in einigen Räumen wegen regelmäßiger Lüftung etwas kühler werden kann.«

Auch in der Stadthalle wird geprüft

Die THM bietet im Prüfungszeitraum des Wintersemesters 2020/2021 für die Studienorte Gießen und Friedberg etwa 800 Prüfungen an. Die Zahl der Klausur-Anmeldungen liegt bei rund 35 000. Etwa ein Drittel davon, so schätzt die Pressestelle der THM, entfällt auf Friedberg. Als Prüfungslokal hat die THM für den Zeitraum vom heutigen Samstag bis zum 23. Februar die Stadthalle Friedberg angemietet. Absolventen des Fernstudiums werden bereits heute geprüft, für die anderen beginnt die Phase am Montag. Die THM wird in der Stadthalle den Großen Saal, den Kleinen Saal und den Pavillon für Klausuren nutzen. Außerdem werden ausgewählte Hörsäle auf dem Friedberger THM-Campus, die laut Hochschule mit Blick auf die geltenden Abstands- und Hygiene-Regeln geeignet sind, für Prüfungen genutzt.

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