Eine Justitia-Statue.
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Der Prozess um eine mutmaßliche Sadistin wird sich weiter hinziehen.

Nachbarin sagt aus

Friedberg: Prozess gegen mutmaßliche Sadistin - Öffentliche Demütigungen auf Video festgehalten

  • vonOliver Potengowski
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Der Prozess gegen eine 41-Jährige, die ihren zweiten von vier Ehemännern schwer misshandelt haben soll, wird sich weiter hinziehen. Vor Gericht war ein brisantes Video nun Thema.

Ein Urteil wird frühestens Ende August erwartet. In dem schwierigen Verfahren kommt es vor allem auf die Aussagen der Zeugen an. Die einer früheren Nachbarin der mutmaßlichen Sadistin ließ nun aufhorchen.

Die Frau war im Oktober 2019 vom Amtsgericht Friedberg zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Dagegen hat sie Berufung eingelegt. Im neu aufgerollten Prozess vorm Gießener Landgericht hatte Ehemann Nummer drei von Demütigungen, körperlichen Misshandlungen und Bestrafungen wie der Verweigerung von Nahrung gesprochen. Wegen Misshandlungen an Ehemann Nummer eins war die Frau 2006 vom Landgericht Frankfurt zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde von ihr wegen Nichtigkeiten sanktioniert, musste Höllenqualen erleiden, als sie ihm mit einer Heißklebepistole mehrfach Sätze wie »Nie mehr lügen« in den Rücken brannte.

Auch wenn sich die Vorfälle meist im privaten Umfeld zutrugen, gibt es auch Schilderungen unbeteiligter Zeugen, die etwa die Beziehung der Frau zu dem verstorbenen Ehemann Nummer vier betreffen. Die Leiche des damals 45-jährigen Bad Nauheimers hatte sie gemeinsam mit Ehemann Nummer zwei aus Rockenberg im Wald bei Heusenstamm abgelegt. Beweise für eine vorausgegangene Straftat gibt es nicht.

Prozess gegen mutmaßliche Sadistin: Im Supermarkt um Essen angefleht

Eine heute 64 Jahre alte Redakteurin, die bis vor zwei Jahren mit der Angeklagten und ihrem kurz darauf plötzlich verstorbenen Ehemann im selben Haus wohnte, kann sich noch gut an die Beziehung des Paares und die Demütigungen des damaligen Ehemannes durch die 41-Jährige erinnern. Sie hatte sogar mit dem Handy aufgenommen, wie die Angeklagte ihren Mann in der Wohnung beschimpfte und gefilmt, wie dieser sie in einem Supermarkt auf den Knien anfleht. Ob diese Aufnahmen im Prozess verwendet werden dürfen, ist noch nicht entschieden. Aussagen konnte die Zeugin gleichwohl - so bildhaft, dass es die Videoaufnahmen nicht brauchte, um sich die Szene vorzustellen. Immer wieder sei aus der damaligen Wohnung der Angeklagten auch nachts lautes Geschrei gedrungen. Sie habe nur eine Frauenstimme, nie eine Männerstimme gehört, bestätigt die Zeugin auf Nachfrage, dass diese Konflikte offenbar sehr einseitig abliefen.

Insgesamt drei frühere Partner der Angeklagten sollen sich in der Wohnung, die diese nur relativ kurz bewohnte, zeitweise aufgehalten haben. Neben dem verstorbenen Ehemann habe sie dort auch dessen Vorgänger und Ehemann Nummer zwei, der im jetzigen Verfahren als Nebenkläger auftritt, gesehen. Dieser habe auch einmal abends bei ihr geklingelt und um Entschuldigung gebeten, »dass es etwas laut war«.

Wer in den Beziehungen der Angeklagten zu ihren Partnern der dominante Part war, sei ihr bei einer zufälligen Begegnung in einem Supermarkt deutlich geworden, beschreibt die Redakteurin Szenen, die teilweise auch in dem beanstandeten Video zu sehen sind. In der Gemüseabteilung habe der später verstorbene Ehemann die Angeklagte auf Knien mit Tränen in den Augen angefleht: »Bitte, bitte, Tomaten, du hast es mir versprochen.« Vor dem Kühlregal habe sich eine ähnliche Szene wiederholt. Vor dem Joghurt habe der Mann sich bücken müssen. Dann habe sie ihn zu Boden gedrückt, »dass er ihr die Füße küssen musste«.

Die Angeklagte streitet weiter alle Vorwürfe ab. Sie habe keinem ihrer Ehemänner ein Leid zugefügt, beteuert die Frau. Das Opfer sei immer sie gewesen.

Prozess gegen mutmaßliche Sadistin: Weitere Zeugen nötig

Dass sich der Prozess gegen die 41-Jährige länger als erwartet hinziehen wird, wurde am jüngsten Verhandlungstag deutlich. Überraschend widersprach der Nebenkläger, Ehemann Nummer zwei aus Rockenberg, der Verwendung seiner Aussagen vor der ersten Verhandlung vor dem Friedberger Amtsgericht. Deshalb müssen diese Ermittlungsergebnisse jetzt durch die Vernehmung der damals beteiligten Polizisten und des Richters in den aktuellen Prozess eingeführt werden.

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