Vor dem Hintereingang des ehemaligen Kaufhauses Joh haben Obdachlose ihr Quartier aufgeschlagen. Um gemeinsam zu feiern, kommen dort bis zu 18 Personen zusammen - sehr zum Ärger der Anlieger.
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Vor dem Hintereingang des ehemaligen Kaufhauses Joh haben Obdachlose ihr Quartier aufgeschlagen. Um gemeinsam zu feiern, kommen dort bis zu 18 Personen zusammen - sehr zum Ärger der Anlieger.

Geschäftsleute besorgt

Am Joh in Friedberg: Obdachlose sorgen für Ärger

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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2013 wurde das Friedberger Kaufhaus Joh geschlossen, eine Wiederbelebung ist nicht in Sicht. An der Rückfront des Gebäudes sorgen Leute für eine »Belebung«, die allerdings unerwünscht ist.

Der Textilpflege-Laden von Hans Dietrich Kathari (Färbergasse 6a) liegt direkt gegenüber vom Hintereingang des früheren Kaufhauses Joh in Friedberg. Tag für Tag kann der Geschäftsmann das Treiben beobachten, das sich dort seit Ostern abspielt. Bis zu 18 Personen - nach Angaben von Kathari hauptsächlich Obdachlose - treffen sich dort regelmäßig, um zu feiern, reichlich Alkohol zu bechern, herumzugrölen und in irgendwelche Ecken zu pinkeln.

»Fast alle Kunde sprechen mich an, beschweren sich über die Zustände. Manche Leute trauen sich nur noch in Begleitung, durch diesen Abschnitt der Färbergasse zu gehen«, sagt der Betreiber der Textilreinigung. Das Gelände am Joh-Hintereingang ist durch eine Kette abgesperrt, die das illegale Parken von Autos verhindern soll. Die Gruppe von Männern lässt sich davon aber nicht abschrecken.

Laut Kathari trifft sie sich dort jeden Tag, unabhängig von den Wetterverhältnissen. Da das Areal überdacht ist, stört Dauerregen nicht wirklich. Manchmal kommen nur wenige Personen zusammen, zu anderen Zeiten sind es fast zwanzig. »Inzwischen liegen dort Matratzen, manche Obdachlose halten sich rund um die Uhr auf dem Areal auf«, berichtet der Unternehmer.

Pinkeln an der Laderampe

Zu massiven Belästigungen von Passanten komme es bislang zwar nicht, der ein oder andere Fußgänger werde aber angesprochen. Die Obdachlosen hätten auch eine Betteldose aufgestellt, uriniert werde meist an der Laderampe des ehemaligen Kaufhauses. »Dort möchte ich nicht sauber machen«, sagt Kathari. Im Lauf eines Tages spitze sich die Situation immer mehr zu, weil der Alkoholpegel steige. Viele Kunden wunderten sich über die Zustände in der Kreisstadt - gerade mal 30 Meter entfernt von der Einkaufsmeile Kaiserstraße. »Einige Leute denken darüber nach, deshalb nicht mehr zum Einkaufen nach Friedberg zu kommen.«

Unter dem Missstand, der seit Monaten anhalte, leide der Umsatz, auch wenn Katharin den Verlust nicht beziffern kann. Bei den Geschäftsleuten in diesem Teil der Innenstadt sei der Obdachlosen-Treff ein Dauerthema. Der Betreiber der Textilpflege ist sich mit den Inhabern des Schuhhauses Kreißl und dem Wirt der Pizzeria Reggio einig, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Betroffen seien zudem Café Novum und Volksbank.

Wie Kathari weiter berichtet, seien die Zustände vor geraumer Zeit noch schlimmer gewesen. Damals hätten diese Leute ständig auf der Treppe des Joh-Hintereingangs gesessen. Damals habe die Stadt den Zugang mit einem Bauzaun abgesperrt und damit vorübergehend für eine Lösung des Problems gesorgt. Ganz früher hatten sich die Wohnsitzlosen und andere Leute auf dem Adenauerplatz getroffen. Auch dort waren sie verdrängt worden.

Plan: Bauzaun um gesamtes Gebäude

Kathari spricht von einem »sehr sensiblen Thema«, weil die Stadtverwaltung auf dem Joh-Gelände nicht einfach aktiv werden dürfe. Es handele sich um Privatbesitz, und der jetzige Eigentümer der Immobilie gehen seiner Tätigkeit bei München nach. Der Geschäftsmann aus der Färbergasse hat sich mit Bürgermeister Dirk Antkowiak in Verbindung gesetzt und ihn im Interesse der betroffenen Anlieger zum Handeln aufgefordert.

Der Rathauschef ist sich des Problems bewusst, wie er auf WZ-Anfrage mitteilt. Antkowiak steht in Verbindung mit dem Investor aus Süddeutschland. Beide sind sich offenbar weitgehend einig, wie eine Problemlösung aussehen könnte. »Den jetzigen Bauzaun hatte ich - nach Genehmigung des Eigentümers - vor zwei Jahren stellen lassen. Leider haben sich die ›Gäste‹ davon nicht fernhalten lassen«, sagt der Bürgermeister. Der Eigentümer haben nun zugestimmt, das komplette Joh-Gebäude per Bauzaun zu sichern. Beantwortet werden müsse allerdings noch die Frage, wer die Kosten übernehme.

Ein Ende der Leidenszeit von Hans Dietrich Kathari und der anderen Anlieger scheint also in Sicht zu sein. Ob der Obdachlosen-Treff dann in einem anderen Teil der Innenstadt entsteht, wird sich zeigen.

Kaufhaus schließt 2013

Viele Friedberger haben die Hoffnung, die Joh-Immobilie mit ihrer Nutzfläche von 8000 Quadratmetern könne wieder zum Leben erweckt werden, vermutlich bereits aufgegeben. Im September 2013 hatte das Kaufhaus geschlossen, wenig später musste das Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen. Es dauerte bis zum November 2016, ehe sich ein Käufer für das Gebäude auf der Kaiserstraße fand. Der Geschäftsführer des Unternehmens 3 V Invest aus Grünwald bei München schlug damals sofort forsche Töne an. Ende 2017 oder Anfang 2018 könne eine Wiedereröffnung erfolgen. Damals schwebte Rainer Damaschke ein neues Kaufhaus vor samt Lebensmittelmarkt im Untergeschoss und Restaurant ganz oben.

Doch daraus wurde ebenso wenig etwas wie aus späteren Konzepten. Einmal hieß es, neben Einzelhandelsflächen sollten Tiefgarage und Wohnungen entstehen, das Gebäude solle aufgestockt werden. Dann war wieder von einem Verzicht auf Aufstockung und Tiefgarage die Rede, der Fokus liege auf Gewerbefläche. Ende 2019 wurde von der Politik ein neuer Anlauf unternommen. Entstehen soll ein Mix aus Einzelhandel und Wohnen, zudem ein dreistöckiger Anbau in der Schnurgasse. Offen ist, wie das Parkplatzproblem gelöst werden kann und was der Investor zu den Plänen sagt.

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