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Ein Skizzenbuch, Stifte und Mut zum Zeichnen: Dann kann mit etwas Übung so eine Ansicht der Friedberger Stadtkirche entstehen.

»Urban Sketching«

Friedberg neu entdecken - beim Zeichnen

  • Sabine Bornemann
    VonSabine Bornemann
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Friedberg ist schön - auch dort, wo es nicht so schön scheint. Genau das wollen Matthias Burhenne und Sigrid Torff zeigen. Mit Skizzenbüchern und Stiften gehen sie auf Entdeckungstour.

Für diese Stadtführung durch Friedberg braucht man einen Hocker. Dazu ein Skizzenbuch, Stifte und ein bisschen Mut. Dann kann es losgehen mit »Urban Sketching« - also dem skizzieren der städtischen Umgebung. Wie das geht, wissen die Profi-Künstler Matthias Burhenne und Sigrid Torff. Sie werden ab Juni einen Kurs anbieten, bei dem Menschen lernen können, wie »Urban Sketching« funktioniert - das ist bisher einmalig in der Wetterau, sagen sie.

Eine Gruppe von sechs bis 15 Teilnehmern wird sich an der frischen Luft treffen und markante Orte in Friedberg zeichnerisch erkunden. »Wir werden uns Friedberg neu anschauen, die bekannte Stadt neu erleben«, sagt Burhenne. Im Blick hat er die 24 Hallen, den Burggarten, die Altstadt, die Stadtkirche, kleine Gassen oder das Gewerbegebiet. »Wir gehen dorthin, wo man gerne hinschaut oder auch nicht so gerne hinsieht«, meint Burhenne. Er ist seit vielen Jahren mit Künstlerin Sigrid Torff befreundet. Beide haben schon viel miteinander gezeichnet Wenn man Kunst studiert, kennt man das: In Gruppen zusammensitzen und zeichnen - in der Natur, an belebten Orten oder im Café. Zuschauer inklusive. »Manche, die beim ›Urban Sketching‹ mitmachen, müssen sich an Zuschauer erst gewöhnen«, sagt Torff.

Atelier in Ockstadt, Galerie in Frankfurt und New York

Sie und Burhenne wissen, wie man Menschen Kunst näherbringt, denn sie unterrichten seit vielen Jahren.

Burhenne ist Diplom-Industriedesigner, stammt aus Friedberg, studierte in Stuttgart, hat in Mailand, Venedig und Shanghai gearbeitet. Derzeit lehrt er unter anderem Zeichnen an der Hochschule für Produktdesign in Münster. »Ich war weltweit unterwegs, es zieht mich aber immer wieder in meine Heimat Friedberg«, sagt er.

Sigrid Torff hat unter anderem an der Städelschule in Frankfurt studiert ist freischaffende Künstlerin, hat ein Atelier in Ockstadt und betreibt eine Galerie in Frankfurt sowie in New York.

Auch Geräusche, Gerüche spielen eine Rolle

Beide Künstler sind davon überzeugt, dass »Urban Sketching« jeder kann. Das Zeichnen muss nicht realistisch sein. Es geht um das Erleben in der Gemeinschaft, um die Eindrücke aus der Umgebung, Geräusche, Gerüche. Alles wirkt auf die Teilnehmer, und das, was sie empfinden, gelangt skizzenhaft in ein Buch. Dafür braucht es Zeit. Etwa sechs Stunden werden sich Burhenne und Torff- mit allen auf den Weg machen und die Stadt erkunden. Immer samstags alle zwei Wochen. So lange zu schauen und zu zeichnen sei für Torff »das Paradies«, aber auch anstrengend. Also kann jeder individuell mitmachen. Später dazustoßen oder früher gehen.

Burhenne stellt es sich wie bei einem Camping-Ausflug vor. Man bringt sein künstlerisches Equipment mit, hat einen Rucksack mit Essen dabei und richtet sich ein. Mitten in der Stadt. Es kann sein, dass Passanten vorbeikommen und zuschauen.

Es entsteht eine Art Tagebuch

Genau so ist der Kontakt zur Stadt Friedberg entstanden. Torff und Burhenne saßen vor der Stadtkirche und zeichneten in ihre Skizzenbücher. Sigrid Bartsch, Leiterin des Friedberger Kulturservices, kam zufällig vorbei, sah die Künstler und dachte sich, dass das eine gute Idee wäre, für Friedberg zu werben und die Stadt neu zu entdecken. »Mitunter glauben wir ja alles zu kennen. Besonders die Umgebung, in der wir leben«, sagt Bartsch. Diese Überzeugung soll infrage gestellt werden, mit einem neuen unvoreingenommen Blick auf die Kreisstadt.

Dabei spielen die Skizzenbücher eine entscheidende Rolle. Es wird nur in Bücher gezeichnet. Das Ergebnis kann man sich nicht an die Wand hängen. Es entsteht eine Art Tagebuch, das man zuklappen, anderen zeigt oder für sich behält. »Den Blick auf Friedberg kann man teilen, muss es aber nicht«, sagt Torff. Sie möchte Mut machen, an dieser besonderen Stadtführung teilzunehmen. Sich mit Gleichgesinnten auf den Weg zu machen, auf den Hocker zu setzen, die Schönheit von Friedberg auf sich wirken zu lassen und das mit Skizzen zwischen zwei Buchdeckeln festzuhalten.

»Urban Sketching« und das Angebot ab 5. Juni

»Urban Sketching« ist eine weltweite Bewegung und entwickelte sich aus der Straßenkunst. Es geht um das schnelle Erfassen und zeichnerische Umsetzen von Stadtansichten. Geleitet wird der Kurs von Produktdesigner Matthias Burhenne und Malerin Sigrid Torff. Der Kurs umfasst acht Termine (5. 6., 19. 6., 3. 7., 17. 7., 24. 7., 28. 8., 11. 9. und 18. 9.), die auch einzeln wahrgenommen werden können. Los geht es am Samstag, 5. Juni, von 10 bis 16 Uhr. Ein Angebot, das genau in diese Zeit passt, denn alles findet an der frischen Luft und mit Abstand statt.

Urban Sketchers sind eine Gemeinschaft von Zeichnern, die am Wohnort oder auf Reisen zeigen, wie sie die Welt erleben. Was sie beobachten, findet den Weg in die Skizzenbücher. »Die Sketchers sind visuelle Journalisten. Sie schaffen eine visuelle Chronik ihres Lebens«, erklärt Torff. Angesprochen sind alle, die Lust am Zeichnen unter freiem Himmel haben und diese Leidenschaft mit einer Gruppe teilen wollen. Egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener.

Die beiden Künstler verbindet nicht nur eine jahrelange Freundschaft, sondern auch seit über 30 Jahren die Leidenschaft, zusammen zeichnerisch die Wetterau zu erkunden.

Bei der verbindlichen Anmeldung per E-Mail an torff-behrens-sigrid@gmx.de gibt es auch eine Liste mit Materialien, die mitgebracht werden müssen.

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