Den Opfern: Nachdem Diebe die Bronzetafeln mit den Namen der Gefallenen am Dorheimer Ehrenmal stahlen, hat die Stadt die Namensliste rekonstruiert und neue Tafeln aus Stein anfertigen lassen.
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Den Opfern: Nachdem Diebe die Bronzetafeln mit den Namen der Gefallenen am Dorheimer Ehrenmal stahlen, hat die Stadt die Namensliste rekonstruiert und neue Tafeln aus Stein anfertigen lassen.

Friedhof Dorheim

Nach Diebstahl: Grantiplatten ersetzen Bronzetafeln

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Im Oktober 2017 wurden am Ehrenmal auf dem Friedhof Dorheim fünf Bronzetafeln mit den Namen der in den Weltkriegen Gefallenen gestohlen. Jetzt wurden neue Tafeln angebracht, aus Granitstein.

Drei andere Fälle von Metalldiebstahl hatten zuvor in der Nachbarstadt Bad Nauheim für Aufregung gesorgt: Anfang 2015 verschwand die Elvis-Gedenkplatte vom »Walk of fame«, im Februar 2016 wurde im Kurpark die Bronzetafel mit dem Relief von Badearzt Dr. Friedrich Bode gestohlen, und im Juni des gleichen Jahres verschwand die Schwanen-Skulptur am Kleinen Teich. In Dorheim zeigte sich, dass diese Kriminellen auch vor Friedhöfen nicht halt machen. Als der Diebstahl Mitte Oktober 2017 festgestellt wurde, ragten nur noch ein Paar Metalldübel aus der Natursteinwand.

Die Stadt erstattete Anzeige, die Ermittlungen der Polizei verliefen ohne Ergebnis. »Anfang 2018 wurden die Ermittlungen seitens der Staatsanwaltschaft Gießen ohne Ergebnis eingestellt«, teilt Stadtarchivar Lutz Schneider mit. Er war im Rathaus für die Rekonstruktion des Ehrenmals verantwortlich.

Als Grundlage für die neuen Platten stellte das Stadtarchiv Fotos der alten Bronzeplatten sowie Dateien mit den Namen der Kriegsopfer von 1914 bis 1945 zur Verfügung. Der Auftrag wurde an die Firma Marmor Heil in Ockstadt vergeben, wo sich Inhaber Peter Kipp Mitte 2019 an die Arbeit machte. Schneider: »Aufgrund der Witterung und wegen umfangreicher Vorarbeiten des Bauhofes auf dem Dorheimer Friedhof konnten die Platten erst in der ersten März-Woche montiert werden.« Federführend war hier Stefan Schulz vom städtischen Bauhof.

Nach Diebstahl in Friedberg: Statt Bronze nun Platten aus Impala-Granit

Schneider: »Die Platten bestehen aus Impala-Granit. Von einer Bronze-Lösung wurde aus Kostengründen und um einen neuen Diebstahl vorzubeugen abgesehen.« Die Kosten betrugen 4000 Euro.

Gut investiertes Geld, wenn man Ortsvorsteher Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD) fragt. Wie der Historiker sagt, stand das Ehrenmal für die Gefallenen der Kriege bis 1960 am Dorheimer Marktplatz. Dann wurde das Ehrenmal mitsamt der Figur einer trauernden Mutter auf den Friedhof verlegt; den unter der Figur angebrachten Schriftzug »Den Opfern« hatten die Nazis entfernen lassen. Rack: »Die Gefallenen waren in deren Augen keine ›Opfer‹, sondern Helden.« Rack sorgte dafür, dass der Schriftzug später wieder angebracht wurde. Er ist »sehr froh« über die neuen Tafeln. »Jetzt gibt es in Dorheim wieder die Gelegenheit zur sichtbaren Erinnerung an die Gefallenen.«

Nach Diebstahl in Friedberg: Erinnerungsstätte mit hohem Wert für Einwohner

Die Erinnerungsstätte sei für viele Einwohner wichtig. Die Namen der Gefallenen sind bekannt, viele Erinnerungen älterer Einwohner hängen an ihnen. Rack: »Die Verluste wirken bis in die Gegenwart.« Um diese Erinnerungen auf andere Weise sichtbar zu machen, kam der Ortsvorsteher bei den Volkstrauertagen 2017 und 2018 auf eine Idee: Konfirmanden lasen die Namen der Gefallenen vor, Rack steuerte biographische Notizen zu einzelnen Dorheimer Opfern bei. »Allein im Zweiten Weltkrieg zählte Dorheim 130 Verstorbene und Vermisste, das war ein Zehntel der Bevölkerung.« Was nicht nur, aber vor allem den Konfirmanden die Augen öffnete, war das junge Alter der Gefallenen. Viele waren zwischen 18 und 22 Jahre alt, also nur wenig älter als die Konfirmanden selbst.

Rack ist immer noch bestürzt über die »brutale Herangehensweise« der Metalldiebe. Immerhin: Die neuen Steintafeln lockten keine Diebe an.

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