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Schulgebäude zu verkaufen: Die Montessori-Fördergemeinschaft will durch Immobilienverkauf seine Altschulden tilgen, die Räume sollen danach angemietet werden. Für die Kinder ändert sich nichts, der Betrieb läuft weiter wie bisher. 

Berg an Altschulden

Friedberg: Montessori-Grundschule und Kita stellen Insolvenzantrag

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Die Montessori Fördergemeinschaft Wetterau mit Sitz in Friedberg hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Der Betrieb von Grundschule und Kita wird aufrechterhalten.

Friedberg - Der Schulbetrieb auf dem Montessori-Campus im Gewerbegebiet West nahm am Mittwoch ganz normal seinen Lauf. Die 120 Kinder strömten wie jeden Tag in die Grundschule oder ins Kinderhaus, die von dem gemeinnützigen Verein Montessori Fördergemeinschaft Wetterau getragen werden. Die weiterführende Montessori Sekundarschule ist vom eingeleiteten Insolvenzverfahren nicht betroffen, sie wird von einem anderen Träger geführt.

Am Montag hat die Fördergemeinschaft den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. "Der Betrieb der Grundschule und des Kinderhauses wird weiter aufrechterhalten und soll saniert werden", teilt Sanierungsexperte Dr. Jan Markus Plathner von der bundesweit tätigen Kanzlei Brinkmann & Partner in Frankfurt mit. Plathner wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Der Antrag sei gestellt worden, "um die Chancen eines Insolvenzverfahrens zur Sanierung zu nutzen", sagt Plathner.

Der Geschäftsbetrieb der Grundschule und des Kinderhauses würden in vollem Umfang aufrechterhalten. Die Eltern wurden bereits am Dienstagabend informiert. Plathner: "Die Information an alle Beteiligten ist wichtig, um Unsicherheiten möglichst schnell auszuräumen." Das Ziel sei es, "den Betrieb zu sanieren und alle Arbeitsplätze zu erhalten, damit Kinderhaus und Schule weiter nach den Prinzipien der Montessori-Pädagogik geführt werden können."

Friedberg: Fördergemeinschaft strebt Schuldenschnitt an

Philipp Seidenberger, geschäftsführender Vorstand der Fördergemeinschaft, sieht das Insolvenzverfahren als Chance für einen Neuanfang. "Wir können einen Schuldenschnitt machen", sagt er gegenüber der WZ. Vor rund sieben Jahren sei der Verein in finanzielle Schieflage geraten. Der damalige Vorstand habe dies erst drei Jahre später öffentlich gemacht. "Das war ein Schock für alle." Seidenberger übernahm den Posten des Vorsitzenden und machte sich mit den übrigen Vorstandsmitgliedern daran, einen Weg aus der Misere zu finden.

Der Fördergemeinschaft gehören das Grundstück und die Gebäude, die im Oktober 2005 bezogen wurden. "Wir haben einen Investor gesucht, der die Liegenschaft kauft und dann an uns vermietet." Das klappte aber nicht. Aufgrund hoher Zinsen wuchs der Schuldenberg immer mehr. Es gab Gespräche mit der Bank, die laut Seidenberger einen "nicht unerheblichen" Nachlass gewährte. Aber es reichte nicht, ein Käufer wurde nicht gefunden.

Nach einem Jahr vergeblicher Suche entschied sich der Vorstand zum Gang vors Amtsgericht. "Wir haben das selbst eingeleitet", betont Seidenberger. Und er betont auch: "Es kommt zu keiner Zwangsversteigerung der Liegenschaft." Im Gegenteil: "Wir wollen das Insolvenzrecht nutzen, um die finanzielle Schieflage in den Griff zu kriegen."

Friedberg: Gelände und Gebäude sollen verkauft und angemietet werden

Drei Monate lang prüft der Insolvenzverwalter nun alle Möglichkeiten, wie der Weiterbetrieb von Schule und Kinderhaus gesichert werden kann. "Das ist der einzige Ausweg. Es wird dabei keine Einmischung in die Pädagogik geben", sagte Seidenberger. Er ist sogar sicher: "Wir werden durch den Verkauf der Liegenschaft mehr erlösen als wir für die Begleichung der Schulden benötigen und können den Betrieb liquide ausstatten." Die aktuellen Geschäftszahlen wiesen nur ein minimales Defizit aus. "Es geht hier um Altschulden."

Was der Fördergemeinschaft auf die Sprünge hilft: Mit dem Insolvenzausfallgeld können drei Monate lang die Gehälter der Mitarbeiter bezahlt werden. "Das macht 80 Prozent unserer Ausgaben aus." Aktuelle Rechnungen würden bezahlt. "Hier gehen keine Lichter aus." Wer sich selbst davon überzeugen will, kann dies am Tag der offenen Tür am 15. Februar tun. Seidenberger: "Ich war mir noch nie so sicher wie jetzt, dass es hier weitergeht."

Die Montessori Fördergemeinschaft Wetterau wurde im Jahr 2000 gegründet. Auf einem 13 000 Quadratmeter großen Grundstück werden ein Kinderhaus (Kita) und eine Grundschule nach dem im Jahr 1907 von Maria Montessori entwickelten pädagogischen Leitbild betrieben. Dessen Kern ist das Verständnis des Kindes als "Baumeister seines Selbst". Der Grundgedanke der Montessori-Pädagogik lautet: "Hilf mir, es selbst zu tun."

Der "Tag des offenen Campus" am Samstag, 15. Februar, von 14 bis 17 Uhr und die Infoveranstaltung am heutigen Donnerstag, 6. Februar, um 19.30 Uhr finden wie geplant statt. Interessierte Familien sind eingeladen, sich über das Konzept zu informieren. "Wir sind von der Zukunftsfähigkeit unserer Einrichtungen überzeugt", sagt Philipp Seidenberger, Vorstand der Montessori Fördergemeinschaft Wetterau. Diese ist Träger der Grundschule und des Kinderhauses, wo derzeit 120 Kinder von 24 Pädagogen nach der Montessori-Pädagogik betreut werden.

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