Jedem Kind sein eigener Schnuller, Hygiene muss sein. Ein ganz anderes Problem in den Kitas ist die Personalsituation. Wer Personal anwerben will, muss Ideen haben. FOTO: DPA
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Jedem Kind sein eigener Schnuller, Hygiene muss sein. Ein ganz anderes Problem in den Kitas ist die Personalsituation. Wer Personal anwerben will, muss Ideen haben. FOTO: DPA

Personalmangel in Kitas

Friedberg lockt Erzieherinnen mit Lohnzuschlag und dualer Ausbildung

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Neben dem Coronavirus bereitet den Kitas die Personalknappheit Sorgen. Die Kreisstadt Friedberg reagiert darauf mit einem Paket an Maßnahmen und führt eine "Duale Ausbildung" ein.

Welche Auswirkung Personalknappheit in Kitas hat, zeigte sich zuletzt in Dorheim: Zwei Kita-Leiterinnen kündigten, wechseln in Kitas in ihren Heimatgemeinden. Hinzu kamen Krankheitsfälle. Die Stellen sind ausgeschrieben, es habe bereits Vorstellungsgespräche gegeben, sagte Kita-Dezernentin Marion Götz (SPD) am Dienstag im Sozialausschuss. Damit die beiden Kitas in Dorheim nicht schließen müssen, wurden Erzieherinnen aus anderen Einrichtungen dorthin abgeordnet.

"Wir suchen händeringend Personal", sagte Götz. Im Mai legte sie eine umfangreiche Bestandsaufnahme zur baulichen Situation der Kindertagesstätten vor: Welche Räume stehen zur Verfügung, wie viele werden benötigt? Nun folgte die Bestandsaufnahme zur Personalentwicklung und -bindung. Der schönste Kita-Neubau ist nichts wert, wenn das Personal zur Betreuung fehlt.

Die Stadt Friedberg betreibt zwölf Kitas mit 874 Betreuungsplätzen. Weitere Plätze werden hinzu kommen, der Bedarf wächst und wächst. Die Stadt hat bereits reagiert, wie Götz ausführte. In den vergangenen fünf Jahren wurden zwölf Praktikumsplätze geschaffen; Beschäftigte bekommen nach zehn Jahren bei der Stadt eine übertarifliche Zulage; dies gilt auch für die neu geschaffenen Stellen der stellvertretenden Leitungen; es gibt laufend Fortbildungen in musikalischer Früherziehung, ein Jobticket oder vergünstigten Eintritt zu städtischen Kulturveranstaltungen.

Unter den neuen Maßnahmen, die teils noch von den Stadtverordneten beschlossen werden müssen, ragen zwei heraus: Die Stadt Friedberg wird an drei Erzieher/innen-Azubis ein Stipendium in Höhe von jeweils 450 Euro/Monat vergeben. Hintergrund: Im ersten und zweiten Ausbildungsjahr besuchen die Azubis die Fachschule für Sozialwesen und erhalten keinen Lohn. Die Stipendien sollen dies ausgleichen. Aber die Stadt geht einen Schritt weiter und will drei Ausbildungsplätze für eine duale dreijährige Ausbildung schaffen. Die angehenden Erzieherinnen und Erzieher erhalten im ersten Ausbildungsjahr 1606,50 und im zweiten 1692,92 Euro im Monat, im dritten Ausbildungsjahr sind es 1835,60 Euro.

Stadt bietet duale Ausbildung an

Die Auszubildenden besuchen an drei Tage in der Woche die Schule, an zwei Tagen arbeiten sie in der Kita. Da noch Haushaltsmittel verfügbar waren, wurde ein männlicher Azubi bereits nach diesem Modell eingestellt. Götz: "Das kostet uns nicht viel. Dafür gab es Fördermittel des Landes Hessen."

Weitere Maßnahmen: Die Stadt will in den Schulen Werbung für Praktika in den Kitas machen, es gibt einen Bonus für Mitarbeiter, die andere Mitarbeiteranwerben; das Stellenmarketing soll verbessert werden; die Kita-Verwaltung beteiligt sich an der Messe "Job-Aktiv Wetterau" in 2021; "Springer-Stellen" sollen geschaffen werden, um flexibel auf Personalengpässe reagieren zu können; der Fortbildungsetat wird erhöht; noch in diesem Jahr soll wieder ein Gesundheitstag für Erzieher/innen angeboten werden; der Eintritt in städtische Einrichtungen wie Wetterau-Museum oder Judenbad ist für die Kita-Beschäftigten frei.

Bis 2030 hessenweit 15 000 leere Stellen

Götz machte deutlich, dass sich die Stadt bewegen muss, will sie Kita-Personal anwerben und dann auch halten. Die kommunalen Spitzenverbände gingen davon aus, dass in Hessen bis 2030 mehr als 15 000 Arbeitsplätze für Erzieherinnen und Erzieher unbesetzt sein werden, sagte die Kita-Dezernentin. Wolle man als Arbeitgeber attraktiv bleiben, müsse man ständig neue Maßnahmen entwickeln.

Wie läuft der Kita-Betrieb in Zeiten der Corona-Pandemie?

Wie läuft der Betrieb in den städtischen Kitas? Das wollten die Mitglieder des Ausschusses für Jugend, Soziales, Senioren, Sport und Kultur von Kita-Dezernentin Marion Götz (SPD) wissen. Die Erste Stadträtin machte deutlich, dass den Eltern hierbei eine wichtige Rolle zukommt. Sie müssen entscheiden, ob sie ihr Kind bei Krankheitssymptomen in die Kita schicken oder nicht. Bei Fieber ab 38 Grad, trockenem Husten, der nicht durch eine chronische Erkrankung verursacht wird und einer Störung des Geschmacks- und Geruchssinns läuten die Alarmglocken. Ein einfacher Schnupfen hingegen ist kein Grund, das Kind vom Kita-Besuch auszuschließen. Was in diesen Fällen getan werden muss, darüber klärt ein Infoblatt der Landesregierung auf.

In Friedberg sei der Kita-Betrieb gut angelaufen, sagte Götz. Bis auf wenige Ausnahmen werden die vollen Betreuungszeiten angeboten. Nur wenige Kinder, die im Urlaub in Risikogebieten waren und kein Attest vorlegten, seien nach Hause geschickt worden. In den Einrichtungen gälten weiterhin verschiedene Schutzmaßnahmen. Händewaschen gehört zum festen Tagesablauf der Kinder, das Personal achtet darauf, dass die Kinder nicht zu eng kuscheln. Beim Spielen sollen möglichst wenige Risikofaktoren entstehen. Es sollen immer die gleichen Personen die Kinder in die Kita bringen, Elternversammlungen werden nur einberufen, wenn dies zwingend erforderlich ist. Damit die Stadt eine mögliche Infektionskette nachvollziehen kann, werden Listen geführt. Jeder Handwerker und auch die Hausmeister müssen sich eintragen. Das Land biete nicht nur für Lehrkräfte an Schulen, sondern auch für Kita-Beschäftigte kostenlose Corona-Tests an, sagte Götz. Ausschussvorsitzende Martina Pfannmüller (CDU) sprach im Namen aller Kommunalpolitiker den Kita-Beschäftigten ihren Dank für deren großes Engagement aus.

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