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Kyra (rechts) und Rabea Scheifele machen sich für eine gesunde Umwelt stark. Sie halten Hühner, die aus der Eierindustrie stammen und vor dem Schlachten gerettet worden sind.

Aktion »Enkelkinderbriefe«

Fürs Klima wählen: Schwestern aus Friedberg appellieren in Briefen an Großeltern

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Vor der Bundestagswahl beteiligen sich Rabea und Kyra Scheifele aus Friedberg an der Aktion »Enkelkinderbriefe«. Großeltern sollen animiert werden, im Sinne des Klimaschutzes zu wählen.

Friedberg – »Pock, pock, pock!« Die Hühner im Garten sind schon von Weitem zu hören. Es sind 13 Hennen und der Hahn Hubert, die Rabea und Kyra Scheifele vom Verein »Rettet das Huhn« übernommen haben. »Das ist Geflügel aus der Eierindustrie, das nach der normalen Legephase im Alter von einem Jahr geschlachtet worden wäre«, erzählen die Friedbergerinnen.

Der Verein übernimmt die Tiere und bietet den Hühnern die Möglichkeit für ein schönes Leben. »Es geht ihnen bei uns richtig gut«, freuen sich die jungen Frauen. Gesellschaft haben die Hühner von vier Warzenenten. Es sind Erpel, die von einem Gnadenhof in Bönstadt stammen.

Friedbergerinnen wollen Ältere motivieren, ihnen „eine Zukunft zu ermöglichen“

Rabea ist 24, Kyra 22, beide studieren. Schon eine ganze Weile engagieren sie sich für Ökologie, Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Jetzt machen sie beim Projekt »Enkelkinderbriefe« mit. Aufmerksam darauf wurden sie kürzlich über die Internetplattform Insta-gram. »Es ist eine Gruppe von Menschen, die sich ›Enkelkinderkollektiv‹ nennen. Sie haben die Initiative ins Leben gerufen, um sich für generationengerechten Klimaschutz einzusetzen.« Grundidee ist ein Appell an die ältere Generation im Vorfeld der Bundestagswahl.

»Wir als Gruppe der unter Dreißigjährigen machen nur 15 Prozent der Wahlberechtigten aus. Das heißt, für viele in unserem Alter ist das Thema brisant. Aber diese 15 Prozent sind zu wenig, um eine zukunftsfähige Klimapolitik herbeizuführen«, erklären die beiden jungen Frauen. Der Anteil der über Sechzigjährigen liege bei 38 Prozent. »Die ältere Generation kann großen Einfluss auf die Wahlen nehmen. Und jetzt ist es eben wichtig, darauf aufmerksam zu machen, was nötig ist, um die Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Um für uns eine Zukunft zu ermöglichen.«

Junge Frauen aus Friedberg bewirtschaften naturnahen Garten

Ihren Garten bewirtschaften Rabea und Kyra seit letztem September. Viel Arbeit investierten sie und ihre Mutter, um die Fläche umzugestalten. »Der Garten war lange ungenutzt, daher war hier viel Wildnis. Uns fasziniert, wie stark sich die Natur verselbstständigt«, stellen sie fest. Sie arbeiten auf die Selbstversorgung hin, wollen den Bezug zu den Lebensmitteln wiederherstellen. Naturnähe ist ihnen wichtig, sei es beim Gemüse, den Beerensträuchern oder Obstbäumen. Ihre Wildsträucher-Hecke besteht aus 100 Pflanzen. »Das ist besonders gut für Insekten, kleine Wildtiere und Vögel«, erzählen sie.

Auf dem Gartentisch liegen Kopien ihres Briefes an die »Omas und Opas«. Ziel ist dabei nicht, eine konkrete Wahlempfehlung auszusprechen. »Die Briefe sollen anregen, darüber nachzudenken, wie Klimapolitik aussehen kann«, sagt Rabea. Großeltern sollen sich informieren, welche Partei das überzeugendste Klimakonzept hat und entsprechend wählen. Für die junge Generation stehe sehr viel auf dem Spiel.

Friedberg: Hühnern ging es sehr schlecht

»Wir möchten in einer Welt leben, die sicher ist, möchten ohne Angst leben dürfen, ohne Nahrungsmittelknappheit und ohne Naturkatastrophen«, sagt Kyra. Behalte die Politik ihren aktuellen Kurs bei, werde sich die Klimakrise aber deutlich verschlimmern. »Und es wird so komplexe Folgen für unser aller Leben haben, dass wir keine Zukunft sehen.« Rabea erkennt allerdings viele Möglichkeiten für eine positive Trendwende: »Wenn sich jetzt viele Menschen zusammentun und gemeinsam etwas verändern.« Zum Briefeschreiben wollen sie auch andere junge Menschen animieren.

Ihren Hühnern ging es anfangs sehr schlecht. Sie hatten kaum Gefieder, kannten keine Freiheit, kein Licht und keine Einstreu. Rabea und Kyra erzählen: »Sie konnten schlecht laufen. Bei uns haben sie das nach und nach entdeckt und gelernt. Sie haben ein richtiges Gefieder bekommen.«

Wie mit dem Tierschutz halten die Schwestern es nun mit den Briefen. Sie schauen nicht zu, warten nicht ab, sie handeln: In Friedberg sind schon zahlreiche Schreiben in Briefkästen gelandet. Kontakt zu den Schwestern gibt es über die Instagram-Adresse rabeas.und.kyras.farm. Infos zum Projekt »Enkelkinderbriefe« und Formulierungshilfen sind auf der Webseite www.enkelkinderbriefe.de erhältlich.

Junge Frauen aus Friedberg beteiligen sich: Das sind die „Enkelkinderbriefe“

Zu den Eckpunkten des »Enkelkinderbriefs« von Rabea und Kyra Scheifele gehört ein Hinweis auf die Veränderungen in der Welt: auf Dürren, Flut, Waldbrände und Gletscherschmelze. Die Verfasserinnen weisen auf die anstehende Bundestagswahl am 26. September hin. Dabei könnten Wählerinnen und Wähler bestimmen, wer in Zukunft regiert. Deutschland liege weltweit auf Platz 6 der größten CO2-Verursacher. Gleichzeitig sei die Bundesrepublik drittstärkste Volkswirtschaft der Welt und die stärkste in der EU. »Wir haben großen Einfluss und eine Vorbildfunktion«, heißt es in dem Schreiben weiter. Die Wahl sei sehr wichtig, denn auf die nächsten wenigen Jahre komme es an.

Nach Ansicht von Rabea und Kyra Scheifele tun die derzeit regierenden Parteien zu wenig für diese Veränderung. Der Appell: »Wir möchten eine Zukunft haben. Wir möchten eigene Kinder bekommen und in Frieden und ohne Angst leben dürfen.« Entwickele sich die Welt so weiter, werde es diese Chance für junge Menschen nicht geben. Die Verfasserinnen bitten: »Wählen Sie im September eine Partei, die sich für eine starke Klimapolitik einsetzt.« ihm

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