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Vorerst keine Windräder auf dem Winterstein? Der Ausschuss für Stadtentwicklung möchte die Veränderungssperre verlängert wissen. (Archivfoto: Nici Merz)

Am Winterstein

Windräder bei Friedberg kommen weiterhin nicht - Grund sorgt für Diskussionen

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Um den geplanten Windpark auf dem Winterstein ist es ruhig geworden. Nun sollen die Stadtverordneten eine Veränderungssperre um ein weiteres Jahr verlängern. Grund: "Borkenkäferkalamitäten".

Friedberg - Weltweit wird über den Klimawandel diskutiert, doch um den geplanten Windpark auf dem Winterstein ist es ruhig geworden. Nun sollen die Stadtverordneten eine Veränderungssperre für das Natur- und Erlebnisgebiet Winterstein abermals um ein weiteres Jahr verlängern. Grund laut Rathaus: "Borkenkäferkalamitäten". Für die Grünen ist das nur ein vorgeschobener Grund, um den Bau von Windrädern zu verhindern.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Florian Uebelacker sprach im Ausschuss für Stadtentwicklung von einem "Behinderungsbeschluss für Windräder", darum gehe es bei der erneuten Verlängerung der Veränderungssperre. Diese wurde erstmals im Dezember 2016 parallel zum Aufstellungsbeschluss des rund 1,7 Hektar Fläche umfassenden Bebauungsplans "Natur- und Erholungsgebiet Winterstein" beschlossen. Dieser Plan regelt die Waldnutzung, schreibt fest, wo Biotope entstehen, wo die Wege ausgebaut und Strecken für Mountainbikes ("Flowtrails") angelegt werden, soll Limes und Kapersburg schützen und geeignete Standorte für Windenergieanlagen festlegen. Irgenwann einmal, später. Oder am besten gar nicht, wie viele Stadtverordnete meinen.

Friedberg: "Besondere Umstände" verhindern Windräder bisher

Die Umsetzung des Bebauungsplans ist in der Mache, das dauert seine Zeit, und damit - vereinfacht gesagt - bis dahin nicht irgendwer irgendwo im Wald Windräder aufstellt, tritt die Veränderungssperre in Kraft. Die muss laut Verwaltung verlängert werden, da der Borkenkäfer in den trockenen Sommern 2018 und 2019 große Schäden verursacht hat und aktuell großflächig Fichtenbestände gerodet werden. Dies seien "besondere Umstände", die eine Verlängerung rechtfertigten; das Regierungspräsidium muss dem Beschluss nicht zustimmen.

Friedberg: Deutliches Ja für Verlängerung der Veränderungssperre

Die Diskussion um den Klimawandel gehe an der Verwaltung und einigen Stadtverordneten offenbar "vollkommen vorbei", sagte Uebelacker. "Wir Grünen sind vehement gegen diesen Behinderungsbeschluss." Die Energiewwende sei nur mit Windkraftanlagen zu schaffen, das hätten alle Bundes- und Landespolitiker verstanden. Nach Fukushima sei geplant gewesen, 2 Prozent der Landesfläche von Hessen als Vorranggebiete für Windkraft auszuweisen; mittlerweile seien nur noch 0,6 Prozent übrig, und davon sollten weitere Fläche ausgenommen werden. "Die Speichertechnik ist weit vorgeschritten", warb auch Ricardo Herbst (Linke) für diese Technologie; die Veränderungssperre nannte er "skandalös".

Dem widersprach Achim Güssgen-Ackva (FDP): "Wir wären bekloppt, wenn wir für Windräder den wunderbaren Wald abholzen." "So viele Bäume werden dafür gar nicht gefällt", entgegnete Carl Cellarius (Grüne) und sagte, die Tatsachen dürften nicht verdreht werden. Die Diskussion dürfte sich in der Stadtverordnetenversammlung am 17. Oktober fortsetzen. Im Ausschuss für Stadtentwicklung gab es ein deutliches Ja bei zwei Gegenstimmen (Grüne und Linke) für die Verlängerung der Veränderungssperre.

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