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Investor plant um

Kaufhaus Joh: Neue Pläne in Friedberger Stadtmitte

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Das Vorhaben, das ehemalige Kaufhaus Joh in der Friedberger Stadtmitte wiederzubeleben, entwickelt sich zu einer Hängepartie. Momentan wird umgeplant, der Investor will mehr Mietwohnungen.

Die Pläne klangen verlockend: Ein Dachrestaurant auf dem ehemaligen Kaufhaus Joh mit Blick auf die Stadtkirche und die imposante Dachlandschaft der Friedberger Altstadt. Schlemmen in luftiger Höhe mit traumhafter Aussicht. Daraus wird nichts. Der Investor 3 V Invest aus München muss umplanen. Wie Geschäftsführer Rainer Damaschke der WZ sagte, finden sich für die oberen Stockwerke nicht genügend gewerbliche Nutzer. Erdgeschoss und 1. Stock blieben weiterhin für den Einzelhandel reserviert, in den oberen drei Geschossen sollen Mietwohnungen entstehen.

Bei dieser kleinteiligen Raumaufteilung gibt es keinen direkten Zugang durch das Gebäude zum Dachgeschoss, wo ein Restaurant geplant war. Die Besucher müssten Aufzüge und Seiteneingänge benutzen. "Es gäbe keine zentrale Rolltreppe." Bei der Markterkundung habe sich gezeigt, dass die Gastro-Branche dies als nachteilig betrachtet. Die Laufkundschaft bliebe weg, das Restaurant würde sich nicht rentieren.

Lebensmittel nicht im Keller

Bei Gesprächen mit potenziellen Mieter habe sich auch gezeigt, dass Lebensmittelmärkte nicht in Tiefgeschosse ziehen wollten. Sie bevorzugten das Erdgeschoss. Bis zur Schließung des Kaufhauses im Herbst 2013 war im Untergeschoss ein Rewe-Markt eingerichtet. Viele Bewohner der Kernstadt wünschen sich ein Lebensmittelgeschäft im Stadtzentrum. Das ist laut Damaschke weiterhin eine Option. Nur nicht im Untergeschoss, wo ein Parkhaus eingerichtet werden soll. "Wir brauchen für die Wohnungen oder auch für Arztpraxen, die in den oberen Stockwerken einziehen könnten, Stellplätze." Statisch sei das möglich, die Zufahrt werde über die Färbergasse eingerichtet.

Mietverträge seine noch keine unterschrieben, für die ersten beiden Stockwerke gebe es aber genügend Interessenten. "Ich könnte Erdgeschoss und 1. Stock 50 Mal vermieten", sagt Damaschke. Als Ankermieter habe man einen großen Drogeriemarkt an der Hand, dazu könnten die Sortimenter Lebensmittel und/oder Bekleidung kommen. "Das Problem sind die anderen Geschosse." Die Zeiten der großen Kaufhäuser seien vorbei, doch das Gebäude sei nunmal für diesen Zweck gebaut worden. Kleinteilige Lösungen bedeuteten aber höhere Brandschutzauflagen und mehr Genehmigungsverfahren.

Keine Eigentumswohnungen

Deshalb nun der Fokus auf Mietwohnungen. An den Plänen, auf dem freien Grundstücksstreifen in der Schnurgasse, der bislang der Warenanlieferung diente, ein Wohnhaus zu errichten, wird nichts geändert. Hinzu kommen soll eine größere Anzahl an Mietwohnungen in den oberen Geschossen. Keine Eigentumswohnungen. Damaschke verspricht "vernünftige Mietpreise".

Bürgermeister Dirk Antkowiak bestätigte, dass eine Änderung des Bebauungsplans beantragt wurde. Für die oberen Stockwerke solle die Nutzung für "Wohnen und Hotel" ermöglicht werden. "Es geht um eine bessere Vermarktung des Gebäudes, der Investor will verschiedene Optionen. Wir sind dem Wunsch sofort nachgekommen." In der nächsten Stadtverordnetenversammlung soll darüber abgestimmt werden.

Wohnen direkt überm EPP?

Was der Bürgermeister nicht sagte: Im Magistrat gab es offenbar Widerstände gegen Wohnungen mit Blick auf den Elvis-Presley-Platz. Es wird befürchtet, die späteren Mieter könnten sich über Lärmbelästigung beschweren und mittels Klagen die Feierabendtreffs mit Livemusik verhindern. Damaschke sieht hier kein Problem. "Es gibt Menschen, die wollen zentral in der Stadt leben. Das gilt für junge wie für ältere Leute. Die wissen, dass es mancher lauter wird. Die sagen sich: Ich wohne lieber in einer Fußgängerzone mit Publikumsverkehr als an einer sechsspurigen Autobahn."

Er selbst habe in zentraler Lage in München eine Wohnung, sagt Damaschke. "Wenn unten Trubel ist, kriegt man das im 4. oder 5. Stock nicht mit." Die Stockwerke des Joh-Gebäudes seien recht hoch, "das erste Fenster kommt in sieben oder acht Meter Höhe." Das sei keine Einschränkung der Wohnqualität. Klar sei, dass sich die Fertigstellung durch die Änderung verschiebt. Damaschke: Wir wollten Ende 2020 fertig sein. Das wird jetzt ein halbes Jahr später."

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