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Am nächsten Samstag ist Schluss mit dem Blumenmeer von Kathi und Richard Bosland vor dem ehemaligen Kaufhaus Joh. Die beiden freuen sich auf den nahenden Ruhestand.

Ende einer Ära

Friedberger Blumenmann Richard Bosland hört auf

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Seit 45 Jahren verkauft Richard Bosland auf der Friedberger Kaiserstraße Blumen. Seit 1984 ist seine Frau Kathi mit dabei. In einer Woche hören die Boslands auf.

Blumenhändler Richard Bosland ist in Friedberg eine feste Institution. Seit fast 46 Jahren verkauft er im überdachten Bereich vor dem einstigen Kaufhaus Joh auf dem Elvis-Presley-Platz seine Blumen. Doch am Samstag, 1. Juni, ist endgültig Schluss. "Ich habe dann 45 Jahre, sieben Monate und einen Tag hier die Stellung gehalten, davon fünf Jahre und acht Monate ganz alleine. So lange ist der Joh schon zu", sagt der gebürtige Niederländer, der im Oktober 65 wird und sich zusammen mit Ehefrau Kathi auf den Ruhestand freut. Eigentlich wollten die Boslands schon im November aufhören. Da sich im leer stehenden Gebäude noch nichts tat und der jetzige Besitzer nichts dagegen hatte, entschied das Ehepaar, noch einige Monate weiterzumachen. Sehr zur Freude der vielen Stammkunden, die den Boslands oft seit Jahrzehnten die Treue halten.

Beim Blumenkauf kennengelernt

Ein kleiner Plausch gehört für beide ebenso wie für die Kunden einfach dazu. Viele Passanten bleiben auch mal so kurz stehen, um mit den Boslands zu plaudern. Und beim Blumenkauf gibt es immer gratis Pflegetipps dazu, so wie aktuell bei den Pfingstrosen: "In warmes Wasser stellen, Zugluft meiden und mit dem Messer den Stil einschneiden", erklärt Kathi Bosland einer Kundin.

Natürlich haben sich die Boslands beim Blumenkauf kennengelernt. Die Ehefrau erinnert sich noch genau: "Es war der Samstag vor Muttertag 1977. Ich war mit einer Freundin unterwegs und wollte einen Biedermeierstrauß. Richard erkundigte sich bei meiner Freundin, wer ich denn sei. Vier Wochen später waren wir ein Paar."

1981 wurde geheiratet, das Paar bekam zwei Kinder, Björn und Meike. 1984 stieg Kathi in das Geschäft ihres Mannes ein und begann aus den abgepackten Blumen kleine Sträuße zu binden. "Mal zwei oder drei, die verkauften sich sofort, so wurden es immer mehr". Heute verkaufen die Boslands überwiegend selbst gebundene Sträuße und weniger abgepackte Blumen. "Das machen jetzt die Supermärkte", sagt Ehemann Richard, der eher zufällig Blumenverkäufer geworden ist.

Nach einem Mopedunfall im Alter von 16 Jahren begleitete er aus Langeweile den Nachbarn, einen Blumenhändler, mehrmals zur Blumenauktion in Aalsmer. Die vielen Blumen faszinierten ihn. Als ein Händler aus Lüdenscheid ihn fragte, ob er ihm mal eine Woche helfen könnte, sagte er spontan zu.

"Aus der einen Woche wurden 15 Monate. Ich blieb in Deutschland", erinnert sich der "Holländer". Von zwei Händlern aus Gießen bekam er den Tipp, dass in Friedberg ein Blumenhändler gesucht werde. So wagte er schon mit 19 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnete vor dem damaligen Kaufhaus Wieland seinen Blumenstand. Dieser befand sich noch auf der anderen Seite, erst nach dem Umbau zog er in das gegenüberliegende Treppenhaus, wo er bis heute seine aus den Niederlanden gelieferten Blumen anbietet.

Für Recht und Ordnung sorgen

Längst ist aus dem "Holländer" ein Wetterauer geworden, den in Friedberg, aber auch in Schwalheim, wo er mit seiner Ehefrau wohnt, "eigentlich fast jeder kennt", wie Bosland vermutet. Über Jahrzehnte war es das gleiche Ritual: Morgens den Stand aufbauen, bei fast jedem Wetter Blumen verkaufen, abends dann wieder abbauen und dazu seit der Joh-Schließung "hier für Recht und Ordnung sorgen", erläutert Richard Bosland lachend. "Ich kehre jeden Morgen, sammle Müll und passe auf, dass hier nicht gebettelt wird", erzählt der künftige Ruheständler, der sich an viele besondere Momente erinnert.

"Ich habe mal an einem Tag dreimal den Rettungsdienst gerufen, erst fiel ein betrunkener Soldat um, dann eine ältere Frau und schließlich ein Obdachloser", erzählt Bosland, der mehrere Schlägereien und sogar eine Schießerei erlebt hat.

"Ich wurde auch mal mit einer Pistole bedroht", erzählt Richard Bosland, der sich nun mit seiner Frau auf den Ruhestand freut. Auch Kathi Bosland schaut positiv in die Zukunft: "Endlich können wir mal auf ein Weinfest gehen und am Heiligabend mit den Kindern brunchen. Wie oft sind wir da abends auf der Couch eingeschlafen."

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