Friedberg ist eine Stadt der lebendigen Geschichte. In der Burg, der Altstadt und auf der Kaiserstraße lugt überall die Historie durch und manche Schätze wie der Rote Turm, der sich hinter der Marienkirche versteckt, sind nicht allen Bürgern bekannt.
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Friedberg ist eine Stadt der lebendigen Geschichte. In der Burg, der Altstadt und auf der Kaiserstraße lugt überall die Historie durch und manche Schätze wie der Rote Turm, der sich hinter der Marienkirche versteckt, sind nicht allen Bürgern bekannt.

Friedberg bereitet sich auf die 800-Jahr-Feier 2016 vor

Friedberg (jw). Schon in vorgeschichtlicher Zeit siedelten auf dem Burgberg Menschen, und glaubt man den Philologen, dann errichteten die Römer laut Tacitus um das Jahr 15 n. Chr. auf dem Gelände der heutigen Burg ein "castellum in monte tauno" – ein Kastell auf einem befriedeten (keltisch "tauno") Berg (lateinisch "monte"). Nun feiert die Kreisstadt im Jahr 2016 ihre 800-Jahr-Feier.

Im Jahr 1216 nämlich wurde die Burg Friedberg erstmals urkundlich erwähnt; die Stadt folgte 1219. Da Burg und Stadt seit 1834 als Einheit gelten, wird in Fragen des Jubiläums die ältere Erwähnung berücksichtigt. Zwei Jahre also noch bis zum großen Fest, für das die Planungen angelaufen sind. Wie Bürgermeister Michael Keller im Kulturausschuss sagte, ist für eine Feier, wie immer sie auch aussehen mag, die Beteiligung vieler Friedberger nötig, vor allem der Vereine und Geschäftsleute.

Als Friedberg 1966 die 750-Jahr-Feier beging, wurde dies mit dem 6. Hessentag verbunden (ein Film über das Ereignis findet sich unter www.mediathek-hessen.de, wo ein Sprecher von "Friedberch" und der "Reichsburch" babbelt). Muss sich die Stadt auch diesmal für den Hessentag bewerben? Die Frage im Kulturausschuss verneinte Keller.

Es habe zwar Gespräche mit der Staatskanzlei gegeben, die Vergabe dieses Großereignisses sei aber "völlig intransparent" und komme auch nicht infrage: Ein Festgelände mit Dimensionen, die Großkonzerte ermöglichen, fehlt. Das Kasernengelände fällt aus. Keller: "Dort gibt es nicht einmal eine Steckdose." Außerdem kann sich die klamme Stadt das kostspielige Großereignis nicht leisten.

Keller, Stadtarchivar Lutz Schneider, Museumsleiter Johannes Kögler und Sigrid Bartsch vom städtischen Kulturservice stellten die bisherigen Planungen für das Stadtjubiläum vor. Kögler betonte dabei, dass es wenig sinnvoll sei, sich auf eine 2000-Jahr-Feier im Jahr 2015 zu fixieren. "Es gab hier 900 Jahre lang keine Siedlung, das war im Mittelalter eine Neugründung." Eine akademische Feier wird es auf jeden Fall geben, auch an eine Publikation ist gedacht. Keller: "Keine große Stadtgeschichte, wir denken eher an eine lockere Form." Es werden noch Autoren gesucht; auch die Migration in Friedberg, die es seit über 500 Jahren gibt, dürfte dann ein Thema sein.

Als Vorbild für die eigentliche Feier nannte Keller den stehenden Festzug in Ossenheim anlässlich der 1200-Jahr-Feier 2007. Wie Bartsch sagte, ist das Wochenende vom 1. bis 3. Juli 2016 ins Auge gefasst. Ob stehender oder umherziehender Festzug: Vereine und andere Gruppen sollen sich präsentieren, die Geschichte der Stadt soll sichtbar gemacht werden. Kögler: "Im Mittelalter beschränkte sich Friedberg auf die westliche und östliche Altstadt sowie auf die Breite Straße (heutige Kaiserstraße). Man könnte aber auch die nicht mehr vorhandenen Stadttore als Lichtinstallationen markieren." Die Verantwortlichen hoffen natürlich auf das Engagement des Friedberger Geschichtsvereins, aber auch darauf, dass sich viele weitere Friedberger an den Planungen und der Umsetzung beteiligen. Die Urkunde mit der Ersterwähnung der Burg wird sicher ausgestellt. Schneider: "Das ist ein kleiner Pergament-Schnipsel, der im Stadtarchiv aufbewahrt wird."

Keller wünscht sich ein "großes Gemeinschaftswerk". Als Arbeitsmotto gab er die Losung "Römer, Ritter, Reichsstädter" aus, und auch um Elvis Presley komme man nicht herum. Nach den Sommerferien soll sich eine feste Planungsgruppe bilden. Interessenten, die mitmachen wollen, können sich im Rathaus melden. Auch wenn es noch gut zwei Jahre bis zu dem Ereignis sind, drängt die Zeit. Bereits im Haushalt 2015 müssen Zahlen über die notwendigen Ausgaben genannt werden.

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