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Die Wilhelm-Leuschner-Straße ist alles andere als eine Durchgangsstraße. Das zeigen schon die Pflanzinseln und die Pflastersteine. Diese aber haben sich gelockert. Anwohner klagen über Erschütterungen und Risse in der Hausfassade.

Straßensperrung in Friedberg

Friedberg: Autofahrer finden immer einen Schleichweg - zum Ärger der Anwohner

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Die Komplettsperrung der Ortsdurchfahrt Fauerbach ist auch in der Wilhelm-Leuschner-Straße in Friedberg zu spüren. Anwohner berichten von dauerhaften Probleme, die Stadt will diese nun lösen.

Friedberg – Es ist nicht verboten, die Wilhelm-Leuschner-Straße mit dem Auto zu befahren. Eine klassische Durchgangsstraße ist die Strecke vom Raiffeisenlager an der Kaserne bis zur Technischen Hochschule Mittelhessen in der Karlsbader Straße aber auf keinen Fall. Darauf deutet schon der Bodenbelag der Wohnstraße hin.

Mehrere Pflanzinseln engen die Fahrbahn ein, in Höhe dieser Inseln und an den Rändern ist die Straße mit Pflastersteinen eingefasst. Auf einer Seite parken Autos halb auf der Fahrbahn. Die Wilhelm-Leuschner-Straße ist eng. Trotzdem fuhren dort vergangene Woche laut einem Anwohner sogar 40-Tonner durch.

Straßensperrung in Friedberg: Bügelstraße wird zum Schleichweg

Das Problem ist weithin bekannt: Wird eine viel befahrene Straße wegen Bauarbeiten gesperrt und die Umleitung erscheint als zu lang, dann suchen sich die Autofahrer eine Abkürzung. Noch bis heute ist die Ortsdurchfahrt von Fauerbach gesperrt. Vergangene Woche meldeten sich Anwohner der parallel verlaufenden Bügelstraße. Diese wurde als Schleichweg genutzt.

Die Bügelstraße ist eng, es kam zu gefährlichen Situationen. Die Stadt richtete eine Einbahnstraße ein und verstärkte ihre Verkehrskontrollen. Die Bügelstraße ist jetzt quasi eine Sackgasse. Anfang dieser Woche berichtete eine Anwohnerin, die Sackgasse hindere leider »keinen Autofahrer daran, sie weiter als Umgehungsstraße zu verwenden, im gleichen Tempo wie auf der Fauerbacherstraße, rund um die Uhr in beide Richtungen.«

Klagen gibt es auch aus der Wilhelm-Leuschner-Straße. Dort herrscht, wie Anwohner Stefan Wagner berichtet, seit der Sperrung in Fauerbach »rund um die Uhr Rushhour«. Zahllose Fahrzeuge, Pkw und (verbotenerweise) Lkw bis hin zu 40-Tonnen-Lastzügen, nutzten, dem Navi sei Dank, statt der ausgeschilderten Umleitungsstrecke die Wilhelm-Leuschner-Straße, um in die Stadt zu gelangen. Die offizielle Umleitung führt über Freseniusstraße, Pfingstweide und Frankfurter Straße in die Stadt; Autofahrer mit Ortskenntnissen wissen, wo sie vorher abbiegen müssen. Das zeigte sich am Dienstagmittag, als der WZ-Reporter sich ein Bild von der Lage machte: Ein Auto folgt dem nächsten, bis auf wenige Ausnahme alles FB-Kennzeichen.

Linienbusse, die normalerweise durch Fauerbach fahren, würden nun ebenfalls durch die Wilhelm-Leuschner-Straße fahren. Da die Sperrung am heutigen Freitag aufgehoben werden sollte, wäre das Problem wohl zu verschmerzen, meint Wagner. Nur sei die Wilhelm-Leuschner-Straße auch sonst schon stark durch Schwerverkehr belastet. 2017 hat ein Busbetrieb am Wartfeld gegenüber der ehemaligen Kaserne ein Busdepot eingerichtet. Wagner schätzt, dass täglich rund 30 Busse zwischen Busdepot und Bahnhof pendeln, »teilweise im Minutentakt durch unsere enge Wohnstraße, und zwar von morgens 4 Uhr bis in die Nacht nach 23 Uhr«.

Das bleibt nicht ohne Auswirkungen. Die Anwohner hätten die Stadt mehrfach auf Straßenschäden und den »desolaten Zustand der Pflasterflächen« hingewiesen. »Passiert ist bis heute nichts. Dass diese ›Buckelpiste‹ und die damit einhergehenden Erschütterungen nicht spurlos bleiben, kann man an den Rissen in unserer Hausfassade sehen«, sagt Wagner.

Friedberger Anwohner genervt von Schleichverkehr: Ordnungsamt wird aktiv

Wann wird die Stadt tätig? Die Antwort wird die Anwohner freuen: Nächste Woche. Dann wird das weitere Vorgehen besprochen, teilt Ordnungsamtsleiter Jürgen Schlerf mit. Ordnungsamt und Amt für Stadtentwicklung wollen das Vorgehen klären. »Ich will dem Gespräch nicht vorgreifen, aber es zeichnet sich eine gute Lösung ab«, sagte Schlerf zum Problem des Belags und der Erschütterungen.

Den Autoverkehr könne man nicht verbieten, auch Busse würden dort weiterhin auf ihrem Weg vom Depot zum Bahnhof fahren. Schwerlastverkehr aber habe in dieser Straße nichts zu suchen. Das Durchfahrtverbot werde kontrolliert. »Wir hatten den Messtrupp draußen, um Fahrzeuge und Fahrtempo zu erfassen.« Verstöße würden »konsequent geahndet«.

In der Wilhelm-Leuschner-Straße zwischen Kaserne und THM gilt ein Durchfahrtsverbot für den Schwerlastverkehr. Das ist, wie Ordnungsamtsleiter Jürgen Schlerf sagt, »ein Relikt aus Zeiten, als die US-Armee noch die Kaserne nutzte«. So wurden schwere Militärfahrzeuge davon abgehalten, durch das naheliegende Wohngebiet zu fahren. »Dieses Relikt behalten wir auch bei«, betont Schlerf. Der Amtsleiter weiß freilich, dass die Stadt solche Verkehrsprobleme nie ganz abstellen kann. »Wenn wir an der einen Stelle den Verkehr einschränken, verlagert er sich auf andere Bereiche.«

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