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Zwei kapriziöse Diven, verbunden durch überragende künstlerische Erfolge und private Skandale. Heleen Joor (l.) als Edith Piaf und Susanne Rader und als Marlene Dietrich. Sie haben vor Publikum in »Spatz und Engel« in der Stadthalle gespielt.

Freundschaft zweier Diven

  • VonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Was nur wenige wissen: Edith Piaf und Marlene Dietrich, zwei Göttinnen im Olymp des Chansons, die gegensätzlicher kaum sein könnten, schlossen abseits von Presse und Öffentlichkeit Freundschaft. Der »Spatz von Paris« und der »blaue Engel« - zwei kapriziöse Diven, verbunden durch überragende künstlerische Erfolge und private Skandale.

Darum dreht sich das Stück »Spatz und Engel«, dem jetzt 80 Zuschauer in der Stadthalle auf Einladung der Volksbühne live folgen durften.

»Sprachlos über ihre Fähigkeit, die Kerze an beiden Enden anzuzünden; verblüfft, wie sie es fertigbrachte, drei Liebhaber zur gleichen Zeit zu lieben, war ich auf eine ›Kusine-vom-Lande-Stellung‹ reduziert. Sie hatte mich gern, vielleicht liebte sie mich. Sie hatte nie Zeit, sich auf Freundschaft zu konzentrieren. Eine gigantische Kraft wohnte in diesem zerbrechlichen Körper.« Diese Zeilen widmet die berühmte Schauspielerin und Chanteuse Marlene Dietrich ihrer Freundin Edith Piaf, der legendären Chansonistin.

Gegensätze ziehen sich an

Sie stehen in ihrem 1979 erschienenen Buch »Nehmt nur mein Leben«, in dem sie - mit 78 Jahren - ihre Freundinnen und Weggefährten wie Jean Gabin, Simone Signoret und viele andere in Abschnitten von jeweils wenigen Seiten porträtiert. 1947 gastiert Piaf erstmals in New York - und wird vom US-Publikum gnadenlos niedergemacht. Unter den Zuhörern ist die Anfang der 30er Jahre in die Staaten emigrierte Marlene Dietrich. Hier lernen sich beide kennen und freunden sich an. Ihre Beziehung währt etwa 15 Jahre - bis zu Ediths frühem Tod im Jahr 1963.

Verschiedener können zwei Künstlerinnen kaum sein: Marlene erblickt 1901 als Tochter eines preußischen Offiziers das Licht der Welt. Ihren filmischen Durchbruch erzielt sie als Bardame Lola in dem Film »Der blaue Engel« aus dem Jahr 1929. Zu ihrem »Markenzeichen« in den USA wird die zu Zynismus und Arroganz neigende Aura, die durch die äußere Erscheinung - Hosenanzug, Frack, Zylinder - noch verstärkt wird.

Die 1915 in der Pariser Vorstadt Belleville geborene Piaf entstammt dagegen ärmlichen Verhältnissen. 1936 gelingt dem »Spatz von Paris« der Durchbruch in ihrem Heimatland. Die Regisseure Daniel Große Boymann und Thomas Kahry haben diese ungewöhnliche Freundschaft zum Thema eines Schauspiels mit Musik gemacht, das 2013 am Burgtheater Wien seine erfolgreiche Uraufführung erlebt. Seit 2017 zieht das Tourneetheater »Thespiskarren« durch die Lande, um die Menschen »theaterloser« Städte mit diesem Klassiker des gehobenen Boulevard zu beglücken.

Nach einer über zweistündigen Aufführung spenden die Zuschauerinnen und Zuschauer frenetischem Applaus. Es sind vor allem die 19 gemeinsam und solo gesungenen Titel Marlenes und Ediths, die das Publikum immer wieder zu Zwischenapplaus animieren.

Es klingt fast wie im Original

Die verblüffende Nähe ihrer Interpretationen zum jeweiligen Original bemisst sich daran, dass der Hörer bei geschlossenen Augen den Diven selbst zu lauschen vermeint. Nur einige Titel können hier genannt werden. »Wenn die beste Freundin« (gemeinsam); das großartige »Mon dieu« von Edith; wunderbar melancholisch »May be he will come back« der Dietrich.

Aber es wird ja nicht nur gesungen! In einer ganzen Reihe von kurzen, schwungvollen Szenen wird die Freundschaft (über deren Intensität sich die Biografen streiten mögen) scheinwerferartig-grell beleuchtet. Auch hier zeigen Susanne Rader und Heleen Johr ihr Können.

»Non, je ne regrette rien«: In einem letzten Kraftakt vor dem endgültigen Zusammenbruch beschenkt Heleen Johr das Publikum mit Piafs neben »La vie en rose« berühmtesten, ergreifendsten Lied: »Nichts, nichts bedauere ich, Ich habe bezahlt, alles weggefegt, vergessen; die Vergangenheit schert mich nicht«.

Weiter geht es auf Einladung der Volksbühne am Donnerstag, 2 September. Das Filmtheater Köln spielt am 20 Uhr in der Stadthalle »Hokuspokus«, eine Komödie von Curd Goetz.

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