Freundin verprügelt: 13 Monate Haft

  • VonConstantin Hoppe
    schließen

Friedberg (con). Auf einen 38-Jährigen aus Friedberg kommen jetzt 13 Monate Haft ohne Bewährung zu. Der Mann hatte im April 2020 seine Lebensgefährtin auf der Ockstädter Straße schwer verprügelt und dabei der am Boden liegenden Frau heftig ins Gesicht getreten.

Zum zweiten Verhandlungstag am Friedberger Amtsgericht erschien nun auch die Geschädigte, dem ersten Sitzungstermin war sie unentschuldigt ferngeblieben. Nun machte sie eine Aussage. Dabei wurde schnell klar, dass sie ihren Lebensgefährten auch entlasten wollte. An den Vorfall selbst hat sie nach eigenen Angaben kaum noch Erinnerungen: »Wir hatten beide viel Alkohol getrunken.« Auch an die Aussage »Das kannst du nicht immer mit mir machen«, die die Geschädigte während der Schläge zu ihrem Partner gesagt haben soll, kann sie sich eigenen Angaben zufolge nicht mehr erinnern: »Da habe ich wohl gedacht, es wäre mein Ex-Freund, der da vor mir steht - der hat so etwas und Schlimmeres immer mit mir gemacht.«

An den Schlägen ihres Partners gibt sie sich auch eine Mitschuld: »Ich habe ihn provoziert, deshalb habe ich mich später noch bei ihm entschuldigt - es wird hier alles so dramatisch dargestellt, das war es aber gar nicht.«

Die zahlreichen Vorstrafen, die gegen den Angeklagten vorliegen, wiegen schwer: Richter Dr. Markus Bange verlas eine lange Liste mit zehn Einträgen, unter anderem ging es um einige Fälle von Diebstahl und schwerem Diebstahl, Sachbeschädigung, illegalem Handel mit Betäubungsmitteln, gemeinschaftlich begangener Freiheitsberaubung und Nötigung, Betrug sowie Fahren ohne Fahrerlaubnis - eine Körperverletzung fand sich jedoch nicht in den Vorstrafen.

Für das Gericht war die Sachlage klar: »Es gab einen größeren Streit, und Sie haben den Entschluss gefasst ›Hey, ich verprügel mal meine Freundin‹«, erklärte der Vorsitzende Richter. »Sie haben auf massiv gewalttätige Weise gehandelt - zum Glück gab es einen Passanten, der seiner Bürgerpflicht nachgekommen ist und nicht weggeschaut hat.«

Zuvor schon sechs Bewährungsstrafen

Beim Urteil spielte auch die Sozialprognose des Angeklagten eine große Rolle - und die sieht eher düster aus: Während sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung in der Frage nach der Höhe der Strafzumessung größtenteils einig waren, stimmte das Gericht letztlich der Staatsanwaltschaft zu und verhängte eine 13-monatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung: »Sie wurden immer wieder straffällig, auch mit Dingen, die nicht am unteren Rand der Liste stehen, und in Hessen haben Sie noch keine einzige Bewährungszeit bestanden, diese wurden immer widerrufen.«

Insgesamt wurden seit den frühen 2000er Jahren bereits sechs Mal Bewährungsstrafen gegen den 38-Jährigen erlassen, von denen er nur eine einzige mit Erfolg bewältigte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare