Freud und Leid des Gärtnerns

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Friedberg (pm) »Wir ernten hier mit drei Generationen - das ist einfach wunderbar«, freut sich Herr M., der seit zwei Jahren mit seiner Familie eine Saisongarten-Parzelle gepachtet hat. Früher war die Familie in der Landwirtschaft tätig. »Das geht gesundheitlich nicht mehr. Aber hier können wir die Erfahrungen, die wir gemacht haben, einbringen und weiter selbst geerntetes Gemüse genießen.

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Die Nachfrage nach Saisongarten-Parzellen in Fauerbach und Ockstadt war in diesem Jahr besonders hoch und steigt weiter an. »Wir überlegen, im kommenden Jahr noch ein weiteres Feld hinzuzunehmen, um weitere Parzellen anbieten zu können«, sagt Lara Ewald, die mit ihrem Mann den Saisongarten in Ockstadt betreibt.

Krautfäule und Kartoffelkäfer

Peter Klingmann, Inhaber des Fauerbacher Hofs, will über die 50 Parzellen, die in diesem Jahr verpachtet worden sind, nicht hinausgehen. Er betreibt den Hof im Nebenerwerb und wird bei der Organisation von Kerstin Jost und Michaela Schremmer unterstützt. »Ohne die ehrenamtliche Arbeit der beiden würde ich das zeitlich wie auch wirtschaftlich kaum hinbekommen. Die Beratung der Pächterinnen und Pächter und der administrative Aufwand, der im Projekt steckt, lässt sich nur sehr schwer in Arbeitsstunden umrechnen«, fasst Klingmann seine Erfahrung zusammen. Der Saisongarten ist aber auf eine andere Art und Weise gewinnbringend. »Die Pächterinnen und Pächter kommen wieder mit der Erzeugung von Lebensmitteln in Verbindung. Sie sehen, wie stark der Ertrag vom Wetter und anderen Bedingungen abhängig ist und dass auch mal etwas schlechter oder gar nicht wächst«, sagt Klingmann. Letzteres konnten Gärtnerinnen und Gärtner in diesem Jahr in besonderem Ausmaß erfahren. »Wir hatten das erste Mal in den sechs Jahren Saisongarten Krautfäule bei den Tomaten und Kartoffeln, es war einfach zu kalt und zu nass. Auch die Gurken sind leider nichts geworden«, berichtet Kerstin Jost, die sich am Standort Fauerbach um die Auswahl der Kulturen und die fachliche Beratung kümmert. Dazukamen die Kartoffelkäfer, die den Pächterinnen und Pächtern das Leben schwer gemacht haben. »Dafür ist das Gießen komplett entfallen und damit auch die ständigen Wassertransporte zum Feld«, ergänzt Michaela Schremmer die andere Seite der Wetterlage. »Wirklich ärgerlich war, dass durch den Starkregen der Überlaufkanal, der am Acker entlangführt, Anfang Juli übergelaufen ist und dessen Inhalt die ersten vier Parzellen überschwemmt hat.« Der Kanal, dessen Pflege in der Verantwortung der Stadt Friedberg liege, sei längere Zeit nicht gereinigt und vom Bewuchs befreit worden heißt es in einer Pressemitteilung der Saisongarten-Anbieter in Fauerbach. »Die Stadt hat nun versprochen, Abhilfe zu schaffen. Dann wird das in Zukunft hoffentlich nicht mehr passieren«, ergänzt Schremmer.

Von Bohnen bis zur Zuckerschote

Es ist aber auch viel Positives zu berichten. Die Gärtnerinnen und Gärtner konnten sich über viele große Möhren, Salat, Zucchini und - trotz Krautfäule - über Kartoffeln freuen. Auch die Zuckerschoten, die Bohnen, der Kohl und der Lauch sind in diesem Jahr besonders gut gewachsen.

Ende Oktober endet die Saison. Dann geht der Acker in den Winterschlaf. Lara Ewald freut sich trotz aller Widrigkeiten auf die nächste Saison: »Auch das kommende Jahr wird wieder Überraschungen für uns bereithalten. So ist das in der Landwirtschaft, wir müssen es nehmen, wie es kommt.«

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