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Nach dem Gastspiel von Sterne-Koch Frank Rosin hat sich der Umsatz der "Kleinen Braterei" deutlich verbessert. Yvonne und Stefan Ummelmann sehen eigentlich zuversichtlich in die Zukunft, müssen allerdings noch das Jobcenter überzeugen.

Betreiber in Sorge

Frank Rosin in Friedberg: Aus für "Kleine Braterei" trotz Star-Besuch?

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Nach dem Dreh von Kabel-eins-Koch Frank Rosin in Friedberg schien es mit der "Kleinen Braterei" bergauf zu gehen. Der Umsatz ist sprunghaft gestiegen, trotzdem haben die Betreiber Sorgen.

Eine harte Woche liegt hinter Yvonne und Stefan Ummelmann. Das Ehepaar betreibt seit gut einem Jahr den Imbiss auf dem Tegut-Parkplatz in Fauerbach. Weil die Umsätze trotz guter Qualität schlecht waren, hatte sich eine Verwandte an Sterne-Koch Frank Rosin gewandt. Er traf Anfang Juli mit seinem Team ein, um für die Kabel-Eins-Serie "Rosins Restaurants" zu drehen. "Das war wirklich anstrengend, Rosin hat uns ganz schön rangenommen", blickt Stefan Ummelmann zurück. Doch es hat sich gelohnt. An Warenqualität und Freundlichkeit - das Paar verweist auf sehr gute Online-Bewertungen - gab es nichts zu mäkeln, doch der Experte ließ kein gutes Haar am Ambiente, das deutlich aufgehübscht wurde.

Frank Rosin kurbelt Umsatz in Friedberg an

"Seit den Dreharbeiten und dem WZ-Bericht hat sich der Umsatz ernorm verbessert", berichtet Stefan Ummelmann stolz. Das Ehepaar schaute deshalb zuversichtlich voraus. Endlich weg vom Hartz-IV-Bezug - dieses Ziel verfolgen die Eltern zweier Kleinkinder seit vier, fünf Jahren. Nun schien es realistisch.

Dann stand ein Jobcenter-Termin an. Stefan Ummelmann sprach nach eigenen Angaben erstmals mit einer Mitarbeiterin, die sich speziell um selbstständige Leistungsbezieher kümmert. "Ich habe neue Umsatzzahlen vorgelegt, rechnete mit positiver Resonanz, einer Ermunterung", sagt der Friedberger, der früher als Kellner tätig war. Doch die Sachbearbeiterin habe sich unbeeindruckt gezeigt, die Fernsehsendung sei als unwesentlich abgetan worden. Stefan Ummelmann: "›Glauben Sie, es kommt deshalb jemand aus Hamburg, um bei Ihnen einen Hamburger zu essen?‹, hat sie gesagt." Die Betreuerin sei mit den Zahlen nach wie vor unzufrieden. Bis November müsse eine weitere Steigerung eintreten, sonst komme das Aus für den Imbiss.

"Kleine Braterei" in Friedberg: Jobcenter verlangt Änderungen

Das Jobcenter verlange einige Änderungen: längere Öffnungszeiten morgens und abends, Verzicht auf den Ruhetag. Zudem soll sich einer der beiden einen 450-Euro-Job suchen. "Unsere Kinder sind zwei und vier Jahre alt. Das ist nicht machbar", sagt Yvonne Ummelmann. Ihr Arbeitstag beginne um 7 Uhr. "Wir machen für die Burger alles frisch, sämtliche Beilagen, auch den Fleisch-Patty. Zudem backen wir selbst." Auch die beliebte Currysoße zur Wurst ist eine Eigenkreation. Das alles sei sehr arbeitsintensiv. Mit zwei Kindern bleibe kein Raum für längere Öffnungszeiten (werktags 11.30 bis 18.30, samstags 12 bis 18 Uhr) oder einen Zusatzjob. Der freie Montag sei nötig, um einzukaufen, Ämter aufzusuchen oder zum Arzt zu gehen.

Yvonne und Stefan Ummelmann sind froh, vom Jobcenter eine Chance erhalten zu haben. Jetzt, wo es endlich besser laufe, stelle die Behörde aber solche Forderungen. "Wir bekommen 1300 Euro Unterstützung. Bleibt es beim derzeitigen Tagesumsatz, könnten wir vielleicht ganz ohne Hartz-IV leben. Daran sollte das Jobcenter doch interessiert sein", sagt die gelernte Bürokauffrau. Lasse das Amt den Imbiss scheitern, träte ein Nachteil für den Steuerzahler ein. Ihrem Mann seien früher nur Aushilfsjobs angeboten worden. "Ich bin schon länger aus meinem Beruf raus, bräuchte eine Fortbildung."

"Kleine Braterei" in Friedberg: Paar hofft auf Verlängerung

Das Paar hofft auf eine Verlängerung über den November hinaus. Die Ausstrahlung von "Rosins Restaurants" - vermutlich Mitte November - sollte auf jeden Fall abgewartet werden. "Das bringt noch mal einen Schub. Schon jetzt rennen uns die Leute die Bude ein." Vor allem hoffen die Ummelmanns, öfter für Events gebucht zu werden.

Zum konkreten Fall und dem Gespräch seiner Mitarbeiterin mit Stefan Ummelmann möchte Jobcenter-Chef Bernhard Wiedemann aus Datenschutzgründen nichts sagen. "Grundsätzlich betrachten wir die Förderung von Selbstständigkeit jedoch durchaus als eine Möglichkeit, perspektivisch wieder unabhängig von Transferleistungen zu werden." Allerdings müsse sich mittelfristig eine erkennbar profitable Entwicklung abzeichnen. Sei ein positiver Trend nicht erkennbar, müsse ein Projekt abgebrochen werden - auch um Überschuldung zu verhindern. "Als Sozialbehörde sind wir gehalten, öffentliche Gelder wirtschaftlich und effizient einzusetzen", betont Wiedemann.

Zinsloses Darlehen

Grundsätzlich werden selbstständige Bezieher von Grundsicherung (Hartz IV) nicht anders behandelt als arbeitslose oder angestellte Personen. Das bezieht sich auf die Berechnung der Beträge. Einen entscheidenden Unterschied gibt es allerdings. Im Vorfeld werden Umsatz und Gewinn geschätzt, auf dieser Grundlage berechnet das Jobcenter eine bestimmte Summe, die über einen gewissen Zeitraum überwiesen wird. Da Selbstständige oder Freiberufler nicht über ein geregeltes Einkommen verfügen, wird hinterher abgerechnet. Entweder muss die Behörde nachzahlen oder erhält Geld zurück. Wer sich aus der Grundsicherung heraus selbstständig macht, wie die Ummelmanns, erhält vom Staat eine Anlaufhilfe. Auch die Imbiss-Betreiber konnten einen niedrigen vierstelligen Betrag in Anspruch nehmen. Wesentliche Unterstützung wurde von privater Seite geleistet. "Mein bester Freund hat mir ein zinsloses Darlehen über 12 000 Euro zum Kauf des Wagens gegeben", sagt Stefan Ummelmann. Eine Verwandte kümmere sich um die Buchhaltung und behalte die Finanzen ständig im Blick.

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