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Stromspeicher

Wer Fotovoltaik auf dem Dach haben will, sollte genau kalkulieren

  • vonHedwig Rohde
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2020 hat Deutschland seine Klimaziele nicht nur erreicht, sondern übertroffen - dem Lockdown sei »Dank«. Wer mit Fotovoltaik einen privaten Beitrag zum großen Vorhaben leisten will, sollte genau kalkulieren.

Carsten Wolf dämpft die Erwartungen: »Um es vorweg zu nehmen: Geld sparen kann man damit nicht. Im Normalfall ist es letztlich ein Nullsummenspiel.« Der Betriebswirt wohnt mit seiner jungen Familie seit fünf Jahren im Nieder-Mörler Neubaugebiet. Im letzten Jahr hat sich für sein in Feldnähe stehendes Haus eine Fotovoltaikanlage samt Stromspeicher gegönnt und konnte dabei im Haus auf bereits beim Bau installierte Kabelkanäle zurückgreifen.

Motiviert hat ihn letztlich das Beispiel von Freunden, die sich 2017 eine ähnliche Anlage zugelegt hatten. Sein Ziel: vor allem in den Sommermonaten keinen Strom mehr zuzukaufen und generell den ab 2021 greifenden stufenweisen Anstieg der Energiekosten teilweise abzufangen.

Weitere Vorteile der Gesamtanlage erschlossen sich ihm erst nachträglich: Er hat zusätzlich eine Wallbox installiert, um sein Hybrid-Fahrzeug aufzuladen, und bei einem Stromausfall könnte der Stromspeicher zumindest für die ersten Stunden als Notstromaggregat dienen.

Obergrenze: Zehn Kilowattstunden

Um eine maximale Leistung von zehn Kilowattstunden zu erzielen, ließ Wolf sich von einem Friedberger Unternehmen, das er nach Angebotsabgabe aus drei regionalen Anbietern ausgewählt hatte, 27 hochwertige Module auf die Südseite seines Daches setzen. »Zehn Kilowattstunden sind die Obergrenze für Privatleute. Wer seine Anlage für mehr Leistung auslegt, gilt als kommerzieller Energieerzeuger«, erläutert Wolf.

Der Stromspeicher ist mit einer Lithium-Ionen-Batterie ausgestattet, wie sie auch in E-Autos verwendet wird, und wurde im Keller des Hauses eingebaut. Mit einem Anteil von 40 bis 45 Prozent an den Anlagengesamtkosten (ohne die 2000 Euro teure Wallbox) von 25 000 Euro netto ist sie ein echter Kostenfaktor.

»Ohne Stromspeicher ist Fotovoltaik eher unwirtschaftlich, weil die Vergütung des Stroms, den man in das Stromnetz einspeist, inzwischen auf 9 Cent gesunken ist, das ist nicht einmal ein Drittel dessen, was man aktuell für seinen Strombezug zahlen muss«, hält Wolf dagegen. Sprich: Wer keinen Stromspeicher hat, verkauft bei strahlendem Sonnenschein seinen Strom für 9 Cent pro Kilowattstunde an seinen Stromanbieter, um ihn dann bei Regen am nächsten Tag für 30 Cent zurückzukaufen.

Wohlwollend vermerkt hat Wolf, dass für die Montage der Solarmodule nur wenige Ziegel leicht zurechtgestutzt werden mussten und das Dach mit seiner Isolierung nur an einer einzigen Stelle durchbrochen wurde, um das Stromkabel durchzuführen. Er bezieht seinen Strom von der Ovag, mit der er auch den Stromeinspeisevertrag abgeschlossen hat. Damit seine Anlage tatsächlich ein »Nullsummenspiel« wird, muss die Fotovoltaikanlage 20 Jahre durchhalten, und der Stromspeicher mit seiner von vornherein geringeren Lebensdauer darf nur einmal erneuert werden müssen.

»Zumindest habe ich hinsichtlich meiner Stromkosten Preissicherheit für die nächsten Jahre«, betont Wolf - ein nicht ganz unwesentlicher Faktor, denn um den Verbrauch an fossilen Brennstoffen einzudämmen, werden die Energiekosten wohl ab sofort jährlich steigen.

Ob Wolf mit seiner Anlage so viel Glück haben wird wie Diethardt Stamm? Der pensionierte Berufsschullehrer, lange Jahre Leitfigur der Wetterauer Grünen, gehört zu den regionalen Pionieren der Nutzung von Solarenergie. Er ist stolz darauf, dass seine Anlage die prognostizierte Lebensdauer schon um einiges überschritten hat. Die Module auf seinem Dach funktionierten nach 30 Jahren einwandfrei, und den vor 20 Jahren stillgelegten Stromspeicher nehme er nun gerade mit modernen Batterien wieder in Betrieb.

Drei Fragen an Sven Herrmann

Herr Herrmann, im Dezember hat die Ovag Netz AG mitgeteilt, es habe 2020 einen Fotovoltaik-Boom gegeben. Wie ist die Situation aktuell?

Der Boom hält an, das Antragsniveau ist gleichbleibend hoch.

Worauf führen Sie das zurück?

Wir fragen die Motive der Antragsteller nicht explizit ab, aber einiges bekommt man doch mit. Zum Beispiel suchen manche Leute eine sinnvolle Möglichkeit, Geld anzulegen. Andere bauen neu und planen die Nutzung der erneuerbaren Energien mit ein. Oder jemand lässt ein Haus schlüsselfertig bauen, und die Fotovoltaik ist im Angebot mit drin.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Für die Fotovoltaikanlagen gibt es keine spezielle Förderung, sondern die Einspeisevergütung von aktuell 8,6 Cent pro Kilowattstunde. Viele kaufen zusätzlich einen Stromspeicher, vor allem, wenn sie sich ein E-Auto oder einen Hybrid zugelegt haben. Für die zum Laden nötigen Wallboxen gibt es einen 900-Euro-Zuschuss über die KfW-Bank.

Sven Herrmann ist Sachgebietsleiter Netzanschluss bei der Ovag

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