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Die Friedberger Kaserne aus der Luft. (Archiv)

Reaktivierung

Friedberger Kaserne als Erstaufnahme-Einrichtung: Unterbringung von Flüchtlingen von der Weißrussland-Route

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Die hessischen Erstaufnahme-Einrichtungen für Flüchtlinge sind voll, die Menschen müssen auf andere Standorte verteilt werden. Dafür ist auch die Kaserne in Friedberg vorgesehen.

Friedberg - Die Situation verschärft sich, da der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko - offenbar als Reaktion auf EU-Sanktionen - gezielt Flüchtlinge einreisen lässt, um sie an die EU-Außengrenzen transportieren zu lassen. Laut RP Gießen gilt es, die Geflüchteten und die Mitarbeiter in den Einrichtungen »vor dem Coronavirus zu schützen und ausreichende Möglichkeiten der Isolierung zur Verfügung zu stellen«. Man könne die ursprüngliche Kapazität der Standorte nicht mehr in vollem Umfang nutzen. Weitere Standorte müssen her. Deshalb sollen Objekte in Fuldatal-Rothwesten und in Friedberg genutzt werden sowie ein Reservestandort in Bensheim.

Die Friedberger Kaserne war bereits 2015 im Gespräch. Das Land ließ die roten Klinkergebäude in der Nähe des Feuerwehrstützpunktes herrichten, 1000 Personen sollten hier Platz finden. Das löste in Friedberg keine Begeisterung aus. Die Entwicklung der Kaserne zu einem neuen Stadtteil werde ausgebremst, hieß es im Rathaus. Zwei Jahre später schloss das Land den Reservestandort wieder, ungenutzt.

Friedberger Kaserne als Flüchtlingsunterkunft: Stadt und Kreis nur „Zuschauer“

»Stadt und Kreis sind hierbei nur Zuschauer«, sagte Bürgermeister Dirk Antkowiak. Er wurde vor zwei Wochen über die Pläne informiert. »Es handelt sich um die roten Klinkergebäude«, sagte Antkowiak. Er hatte andere Gebäude am Rande des Kasernengeländes vorgeschlagen. Die Kapazitäten dort seien aber nicht ausreichend. In den Klinkergebäuden gebe es Aufenthaltsräume und eine Kantine. Wie viele Flüchtlinge kommen, ist noch nicht bekannt. Antkowiak: »Wir haben Wohnraumnot im Rhein-Main-Gebiet. Wir können es uns nicht erlauben, die Konversion auszubremsen

Der Wetteraukreis bedauert in einer Stellungnahme, »dass es die Flüchtlingskrise offenbar notwendig macht, eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in der Kaserne in Friedberg zu eröffnen«. Es gebe bereits in Büdingen eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes, auch die dortige Jugendherberge werde für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Mit der neuen Einrichtung wäre der Wetteraukreis der einzige Landkreis in Hessen mit zwei Erstaufnahmeeinrichtungen, während die meisten anderen Landkreise gar keine dieser Einrichtung hätten: »Mit der Aufnahme des Betriebs in Friedberg ist daher auch die Erwartung verbunden, dass diese besondere Situation bei der Zuweisung von Flüchtlingen aus Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes an den Wetteraukreis entsprechend berücksichtigt wird.« (jw)

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