Ein geschützter Radweg, baulich von der Fahrbahn getrennt, wäre für Radfahrer das Optimum an Sicherheit. Das würde auch das Parken auf Geh- und Radwegen verhindern.
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Ein geschützter Radweg, baulich von der Fahrbahn getrennt, wäre für Radfahrer das Optimum an Sicherheit. Das würde auch das Parken auf Geh- und Radwegen verhindern.

Mehr Sicherheit für Radfahrer

Neuer Radweg in Friedberg: Teuerste Variante liefe durch Vorgärten

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Ein sicherer, komfortabler Radweg quer durch Friedberg: Das wünschen sich viele Radfahrer. Im Verkehrsausschuss wurden nun erste Entwürfe für die Baumaßnahme vorgestellt.

Friedberg – Die Verkehrswende lässt sich nicht herbeireden, dafür muss etwas getan werden. »Verkehrswende bedeutet, Mobilität mit möglichst wenig CO2-Ausstoß zu fördern«, schreiben die Friedberger Grünen in einem Antrag, in dem sie im November vergangenen Jahres den Bau eines geschützten Radweges entlang der Frankfurter Straße forderten. Grünen-Sprecher Bernd Stiller: »Es sollen Anreize geschaffen werden, mehr zu Fuß, mit dem Rad oder dem ÖPNV unterwegs zu sein.«

Die Umgestaltung der Kaiserstraße lässt auf sich warten, daher soll zunächst der südliche Abschnitt der Friedberger Ortsdurchfahrt betrachtet werden. In ein paar Jahren wird die Kaserne zum Wohngebiet, am Elvis-Kreisel soll ein neues Kino entstehen - eine gute Radanbindung in die Innenstadt könnte dafür sorgen, dass dort künftig weniger Autos im Kreis fahren und Parkplätze suchen.

Die Grünen hatten in ihrem Antrag einen Vorschlag gemacht, wie die Radwege gestaltet werden sollen: Wie es der ADFC empfiehlt, als »geschützte Radwege«, baulich getrennt vom Autoverkehr. »Dies verhindert das tagtäglich zu beobachtende zu dichte Überholen und das Parken auf den Radwegen.«

Neuer Radweg in Friedberg: Drei Varianten stehen zur Auswahl

Wie der neue Radweg einmal aussehen wird, steht noch nicht fest. Im Ausschuss stellte Straßenbauingenieur Mohammad Khalil vom Marburger Ingenieurbüro Gringel drei Varianten für den 1,44 Kilometer langen, beidseitig der Frankfurter Straße verlaufenden Abschnitt vor. Dieser reicht von der Pfingstweide bis zur Homburger Straße. Vier Bushaltestellen liegen in dem Abschnitt. Nicht an allen kann der Radweg hinter die Wartehäuschen verlegt werden; dies wäre auch für Fußgänger die sicherste Lösung.

Drei Varianten eines Radwegs sind möglich. Die einfachste und zugleich günstigste Variante wäre ein gemeinsamer Geh- und Radweg auf der gesamten Strecke mit einer Breite von 2,50 Meter. Der Weg ist durch einen 50 Zentimeter breiten Sicherheitsstreifen von der Fahrbahn getrennt. Variante 2 ist ein gemeinsamer Geh- und Radweg bis zum Elvis-Kreisel und ab dort ein gesonderter Radfahrstreifen. Bei dieser Variante würde die Fahrbahn für den Autoverkehr schmaler, sie bietet aber mehr Sicherheit als die erste. Variante 3 schließlich sieht im ersten Bauabschnitt bis zum Elvis-Kreisel ebenfalls einen gemeinsamen Rad- und Gehweg vor, ab dem Kreisel aber einen geschützten Radfahrstreifen, wie ihn der ADFC empfiehlt. Der geschützte Radfahrstreifen ist 2 bis 2,40 Meter breit. Bauliche Elemente wie Pflanzkästen oder Leitpfosten verhindern, dass den Radfahrern Autos, Lkw oder Motorräder in die Quere kommen.

Neuer Radweg in Friedberg: Bis zu 3 Millionen Euro Kosten

Die Variante 3 bietet also die größtmögliche Sicherheit, sie ist aber auch die kostspieligste. Und es ist nicht klar, ob sie umsetzbar ist. Dann nämlich müssten die Eigentümer von 25 Grundstücken auf beiden Seiten der Frankfurter Straße (ab der Treppenanlage zur Steinhäußerstraße bis zur Homburger Straße) auf einen Teil ihres Vorgartens verzichten. Die Stadt müsste insgesamt 655 Quadratmeter Land kaufen.

25-mal Verhandlungen mit Privateigentümern, von denen am Ende nur einer abspringen muss, damit die Planung platzt? Das ist schwer vorstellbar. Auch bei Variante 2 wäre Grunderwerb nötig, allerdings wären es hier nur 225 Quadratmeter; 18 private Grundstücke wären betroffen.

Khalili nannte weitere Parameter, die es zu beachten gilt. So müssen unter Umständen auch Kanäle für die Regenentwässerung umgelegt werden. Ein wichtiges Kriterium für die Entscheidungsfindung sind die Kosten. Und da gibt es deutliche Unterschiede. Die erste Variante käme laut den Berechnungen auf 1,87 Millionen Euro, die zweite auf 2,46 Millionen und die dritte, sicherste, auf 2,92 Millionen.

Es sei nicht sicher, ob die Grundstückseigentümer Land verkauften, sagte Ausschussvorsitzender Bernd Wagner (CDU). Seitens der städtischen Bauverwaltung wurde darauf hingewiesen, dass die Variante 3 eher in großen Städten den Vorzug erhalte. Welche Variante es wird, darüber müssen sich die Stadtverordneten nun einig werden.

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