Film-Doku über Erstbesteigung des Adolfsturms

Friedberg (jw). Das hatte zuvor niemand gewagt, und es wird ihm auch so schnell keiner nachmachen: Im August 2011 bestieg der Extremkletterer Jens Eisenkrämer den Adolfsturm. Der Filmemacher Christoph Strunck hat einen Dokumentarfilm über die Besteigung gedreht:

Über 1500 Besucher verfolgten die Besteigung live. Nun ist aus der Aktion ein Film entstanden: ein einfühlsames Porträt eines ehrgeizigen jungen Mannes, der, so der Titel, »meine innere Stimme« sucht und zugleich eine Liebeserklärung an Struncks Heimatstadt Friedberg. Am Freitag, 12. April, wird der Film im Kinocenter Friedberg uraufgeführt, drei weitere Vorstellungen folgen.

Am Donnerstag war die Presse zur Vorabvorführung eingeladen. Jens Eisenkrämer hatte den Film bis dahin noch nicht gesehen. »Ich bin total gespannt«, meinte er, und das dürfen die Zuschauer auch sein. Die erste Szene bereits gibt einen Eindruck davon, was sich in den folgenden 72 Minuten auf der Leinwand und in den Köpfen der Zuschauer abspielt. Zu den zerbrechlich wirkenden Arpeggios einer klassischen Gitarre (die kongeniale Musik steuert der Gitarrist und Sänger Simon Strunck bei, Bruder des Filmemachers) zieht sich Eisenkrämer Stein für Stein am Adolfsturm hoch, er stöhnt, bläst die Backen auf, klammert sich an wenige Zentimeter tiefe Fugen, rutscht aus und fällt ins Seil. Wutschreie sind zu hören, dann ein befreiendes Lachen.

»Das war heute eine schöne Tour«, sagt er zu seinem Bruder Ulf Eisenkrämer, dem Seilschaftspartner. Denn der Weg geht weiter und nur wer scheitert, kann wieder neu beginnen.

Ein Jahr lang hat Filmemacher Christoph Strunck seinen Freund begleitet; gedreht wurde überwiegend in Friedberg, aber auch im Morgenbachtal (Rheinland-Pfalz) in der Verdon-Schlucht in Südfrankreich und in einer Kletterhalle in Wiesbaden. Dieser Halle ist ein zweiter Erzählstrang gewidmet, der Selbstzweifel und Rückschläge, aber auch den Mut zum unternehmerischen Risiko und die Verwirklichung eines Traums thematisiert.

Scheitern und Triumph

Wie Strunck im Gespräch mit der Presse erzählte, hatte er am Ende 80 Stunden Filmmaterial vorliegen. Neben den von Kameramann Sebastian Matthias gefilmten Szenen beim Training am Turm oder an Felsen auch Gespräche mit den Eltern und der Großmutter von Eisenkrämer, mit Trainingspartnern oder dem Extremkletterer Alexander Huber. »Erst war der Film vier Stunden lang, dann zwei Stunden, schließlich 90 Minuten und jetzt ist er 72 Minuten lang.

Über 80 Prozent der Interviews flogen raus«, erzählte Strunck. Nach mehreren Anläufen und dank Tipps seiner Kollegen von der Münchner Filmhochschule, wo Strunck vor zehn Jahren seinen Abschluss machte, hat er sich für eine rein beobachtende Doku entschieden, ohne Sprecher aus dem Off. Der Zuschauer wird auf diese Weise direkt in das Geschehen hineingezogen. »Ich habe die Szenen ausgesucht, die ich als emotionale Szenen empfinde, im positiven wie im negativen«, schildert Strunck. Sein Protagonist scheitert und triumphiert. Strunck, der unter anderem als Produzent an Filmen wie »Der rote Baron« und »Schlussmacher« mitwirkte, nennt seinen ersten Dokumentarfilm die »Geschichte eines von seiner Leidenschaft getriebenen Menschen«.

Die Uraufführung von »Meine innere Stimme« beginnt am Freitag, 12. April, um 19 Uhr im Roxy des Kinocenters Friedberg, weitere Vorstellungen folgen am 14. April (Sonntag, 14.30 Uhr), 18. April (Donnerstag, 19 Uhr) sowie in einer Sonntagsmatinee am 21. April (11 Uhr). Karten im Vorverkauf gibt es im Ticketshop Friedberg, bei der Buchhandlung Bindernagel und im Kinocenter.

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